# taz.de -- Rechtes Treffen in Schnellroda: Video zeigt Angriffe auf Journalisten bei Kubitschek-Treffen
> Bei Götz Kubitschek in Schnellroda traf AfD-Jugend auf Rechtsextreme von
> „Identitärer Bewegung“ und „Junger Tat“. Dabei wurden Journalisten
> attackiert.
(IMG) Bild: „Was hier passiert ist, lässt erahnen, was die AfD in Sachsen-Anhalt und bundesweit vorhat“, sagt eine Betroffene des Angriffs
taz | Am Rande eines Treffens bei dem neurechten Verleger Götz Kubitschek
in Schnellroda Ende Januar sind Journalist*innen attackiert worden. Das
[1][Medienkollektiv „Recherche Nord“,] das mit verschiedenen Medien wie
auch mit der taz zusammenarbeitet, hat dazu nun ein Video veröffentlicht.
Die Journalisten waren am 24. Januar mit einem dreiköpfigen Team vor Ort
und wurden von professionellen Security-Mitarbeiter*innen begleitet. Als
sie die Anreise zu einem Netzwerktreffen dokumentieren wollten, seien
einige Teilnehmende gewalttätig geworden, sagte der Fotograf André Aden der
taz. „Wir wurden aus einer Gruppe von bis zu 30 Personen bedrängt,
beleidigt, geschlagen und bestohlen.“ Laut Aden wurden Funkgeräte zerstört
und private Gegenstände geklaut. Die Polizei leitete Ermittlungsverfahren
wegen Körperverletzung, Beleidigung und Diebstahl ein.
Die Vorfälle ereigneten sich am Rande der sogenannten [2][„Winterakademie“,
zu der Kubitscheks Antaios-Verlag nach Schnellroda] geladen hatte. Unter
den Gästen befanden sich Martin Sellner, bekannter [3][Kopf der
rechtsextremen Identitären Bewegung aus Österreich], Aktivist*innen der
rechtsextremen Organisation „Junge Tat“ aus der Schweiz, von der
[4][rechten Frauenorganisation „Lukreta]“ sowie zahlreiche Vertreter des
neuen [5][AfD-Jugendverbands „Generation Deutschland“].
## Kubitschek und Sellner rücken Medienteam auf die Pelle
Die taz hat mit mehreren Zeugen vom vergangenen Samstag gesprochen. Ihr
liegen auch Videos und Fotos von einigen der Situationen vor. Darauf ist zu
sehen, wie unter anderem Götz Kubitschek sich vor einer Kamerafrau aufbaut
und ihr bis auf wenige Zentimeter nahekommt, was von den
Journalist*innen als bedrängend wahrgenommen wurde. Auch Sellner mischt
mit. Er ist wie Kubitschek inmitten der Gruppe und greift in einer Szene
einem Sicherheitsmann, der die Journalist*innen begleitete, an den
Ohrhörer seines Funkgeräts.
Andere Szenen zeigen [6][Tobias Lingg, einen der führenden Köpfe der
„Jungen Tat“], wie er zusammen mit anderen teils vermummten Männern die
Kameraleute und ihre Begleiter*innen bei Minusgraden gezielt mit Wasser
bespritzt. Auf einer weiteren Aufnahme ist Manuel Corchia zu sehen,
ebenfalls Aktivist der „Jungen Tat“, der einem Fotografen an die
Kameralinse haut – während Polizisten direkt daneben stehen.
Auch ein versuchter Diebstahl von mehreren Presse- und Personalausweisen
ist auf Video festgehalten. Ein Polizist hatte sich die Ausweise der
Journalist*innen zeigen lassen und diese dann fallen lassen. Mehrere
Männer aus der Gruppe der Rechtsextremisten, darunter Sellner und Lingg,
stellten sich sodann um die Ausweise herum. Ein Mann hob sie auf und
versuchte, damit wegzugehen, wurde jedoch noch von einem der Polizisten
aufgehalten.
Dieser Vorfall ist für die Journalist*innen besonders brisant: Die
privaten Anschriften auf den Ausweisen sind teilweise für die
Öffentlichkeit gesperrt, da die Journalist*innen wegen ihrer Arbeit um
ihr Leben fürchten müssen. „Ich kann nur hoffen, dass meine Adresse nun bei
den Rechtsextremisten nicht im Umlauf ist“, sagte Aden der taz.
## Security-Mitarbeiter kritisiert Einschätzung der Polizei
Einer der Sicherheitsleute, die die Journalist*innen begleiteten,
bestätigte der taz den geschilderten Ablauf. Er bat darum, nicht namentlich
genannt zu werden. Das Sicherheitsteam gehört zu einer Organisation, die
sich dem Schutz der Presse verschrieben hat, deren Mitarbeitende
professionell ausgebildet sind und auch bereits für die taz tätig waren.
Die Männer und Frauen haben jahrelange Erfahrung mit derart aufgeheizten
Situationen. Laut dem Sicherheitsmann war die Situation übergriffig und
bedrohlich und hätte ohne den Schutz seines Teams schlimmer ausgehen
können. Es sei ein Glück, dass niemand verletzt wurde.
Der Sicherheitsmann äußerte auch Kritik an der Polizei, die die Lage in dem
Ort Schnellroda rund um den rechten Verleger Götz Kubitschek anders hätte
einschätzen müssen. Über lange Zeit seien nur zwei örtliche Polizisten ohne
Verstärkung vor Ort gewesen. „Die Polizei muss Gewalttätigkeit und
Pressefeindlichkeit von rechts deutlich ernster nehmen“, sagte der
Sicherheitsmann der taz.
Für den Fotografen Aden reihen sich die Attacken in ein Muster ein. Zwar
sei es auch in den Vorjahren in Schnellroda schon zu Angriffen auf
Journalist*innen gekommen, am Wochenende des 24. Januar aber seien
diese noch mal stärker eskaliert: „Was hier passiert ist, lässt erahnen,
was die AfD in Sachsen-Anhalt und bundesweit vorhat: Das rechte Vorfeld
nimmt gezielt Einfluss.“ Wie dies in der Praxis aussehe, zeige sich in
Schnellroda, wo nach Wahrnehmung der Betroffenen „Grundrechte außer Kraft
gesetzt“ und sich „faktisch die Straße angeeignet“ werde, wie Aden sagt.
## AfD in Sachsen-Anhalt besonders gefährlich
Laut dem Fachjournalisten, der die Aktivitäten von Götz Kubitschek und
anderer Rechtsextremisten seit Jahren beobachtet, seien die Verbindungen
von „Neuer Rechter“, AfD und rechtsextremen Jugendorganisationen in
Sachsen-Anhalt besonders eng. Ihn sorgt der Ausblick auf die Landtagswahl
im September. Die AfD ist laut Umfragen dort seit Monaten die mit Abstand
stärkste Kraft. Eine Regierungsmehrheit scheint möglich.
Erst vor ein paar Tagen hatte der [7][MDR über einen Entwurf für das
Parteiprogramm berichtet, das einen grundlegenden Staatsumbau vorsieht].
Zentrales Leitmotiv sei demnach offenbar die sogenannte „[8][Remigration“ –
ein Konzept, das unter anderem von dem Rechtsextremisten Martin Sellner
geprägt wurde] und massenhafte Abschiebungen und rassistische Ausweisungen
von Migrant*innen vorsieht.
Dass auch die Rechtsextremisten einen Erfolg erwarten und sich dadurch
unangreifbarer fühlen, zeigte sich in Äußerungen in Schnellroda am Samstag
vor einer Woche. Sellner baute sich da vor einem der Journalisten auf und
erklärte in die Kamera: „Sie wissen, was passiert, wenn eine Gesellschaft,
die in Angst und Unterdrückung gehalten wurde, diese Angst kollektiv
verliert. Das steht Ihnen bald bevor.“ Eine Äußerung, die als Drohung
verstanden werden kann und ernst zu nehmen ist.
2 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://recherche-nord.com/
(DIR) [2] /Rechtsextremes-Sommerfest-in-Schnellroda/!6097381
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(DIR) [5] /AfD-Jugend-Generation-Deutschland/!6132388
(DIR) [6] https://www.srf.ch/news/dialog/identitaere-bewegung-rechtsextreme-gruppen-treffen-sich-in-einem-bergdorf-bei-locarno
(DIR) [7] https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/landtagswahl/afd-wahl-programm-entwurf-102.html
(DIR) [8] /AfD-Abgeordnete-und-die-Identitaeren/!6148076
## AUTOREN
(DIR) Jean-Philipp Baeck
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