# taz.de -- AfD-Abgeordnete und die Identitären: Einfach mal ein bisschen über „Remigration“ quatschen
       
       > Lena Kotré von der AfD geht mit einer Podiumsdiskussion auf Kuschelkurs
       > mit den Identitären. Am Ende ist das Völkische in der Partei weiter
       > normalisiert.
       
 (IMG) Bild: Lena Kotré von der AfD beim Rechtsextremenplausch mit Martin Sellner am Donnerstagabend
       
       Am Donnerstagabend zeigt sich in dem Ort Vetschau bei Cottbus einmal mehr,
       dass Unvereinbarkeitsbeschlüsse der AfD nur auf dem Papier Bestand haben.
       Die Kulisse dafür bietet ein leerstehendes Autohaus am Rande der
       beschaulichen Kleinstadt im brandenburgischen Spreewald. Dort haben es sich
       der Rechtsextremist Martin Sellner und die AfD-Landtagsabgeordnete Lena
       Kotré auf einem Podium gemütlich gemacht.
       
       Umringt von Kameras und zahlreichen Journalist:innen sinnieren sie über
       „Remigration“, womit in diesem rechtsextremen Kontext nichts Geringeres als
       die Vertreibung auch von deutschen und vermeintlich „nicht assimilierten“
       Staatsbürgern nach völkischen und rassistischen Maßstäben gemeint ist.
       
       Das Bundesverwaltungsgericht Leipzig beurteilte Sellners Konzept bereits
       als „menschenwürdewidrig“. Trotz alledem hat der rechtsextreme
       Ideologieproduzent, der die Identitäre Bewegung Österreich gegründet und
       lange geleitet hat, nun wieder das, wonach er trachtet: kalkulierte
       Aufmerksamkeit. Und in dieser suhlt er sich an diesem Donnerstagabend
       sichtlich.
       
       Die Bühne ist gut ausgeleuchtet. Es geht vor allem darum, Bilder zu
       produzieren und völkisches Gedankengut in der AfD weiter zu normalisieren.
       Rund 100 Besucher:innen sind gekommen, etwa ein Drittel davon sind
       Journalist:innen.
       
       ## IB omnipräsent
       
       Man könnte meinen, die AfD-Abgeordnete Kotré sei an diesem Abend zu Gast
       bei der Identitären Bewegung. Und im Prinzip ist das auch so: Mit der
       Kamera dabei an diesem Abend [1][ist etwa Simon Kaupert vom extrem rechten
       „Filmkunstkollektiv“]. Kaupert setzt als Filmer regelmäßig die
       selbsternannte Identitäre Bewegung (IB) in Szene. Am Rand der Veranstaltung
       wird die IB-Zeitschrift „Identitär“ verkauft. Und Maximilian Märkl, der
       sich dem Publikum als „Bundessprecher“ der IB vorstellt, eröffnet die
       Podiumsveranstaltung mit einer Rede. Er sei „sehr froh“, dass „immer mehr
       Politiker“ in der AfD mit der IB zusammenarbeiteten.
       
       Die Landtagsabgeordnete Kotré bekräftigt mehrfach, sie spreche an diesem
       Abend als AfD-Landtagsabgeordnete. Sie selbst vertrete auf dem Podium das
       „Remigrationkonzept“ der AfD, welches nicht auf deutsche Staatsbürger
       abziele. Sie begrüße es aber, dass es „Vertreter im Vorfeld gibt, die da
       progressiver denken“.
       
       Längst nutzt auch die AfD den Begriff „Remigration“ in der öffentlichen
       Debatte als rechtsextremes Dogwhistle und tarnt dessen Bedeutung mit einer
       strategisch verharmlosenden Definition, die suggeriert, deutsche
       Staatsbürger stünden nicht zur Disposition.
       
       ## Lauwarme Kritik der Parteispitze
       
       Noch vor etwa einer Woche hatte Kotré, [2][die auch sonst nicht auf Abstand
       zu Neonazis bleibt], selbst als Veranstalterin für die Podiumsdiskussion
       mit dem Titel „Remigration – Theorie und Praxis“ geworben, bei der neben
       Sellner auch Kotrés Ehemann und Bundestagsabgeordneter Steffen Kotré
       auftreten wollte. Und das, obwohl der AfD-Bundesvorstand mit Blick auf die
       Beobachtung durch den Verfassungsschutz und ein drohendes Verbotsverfahren
       dazu geraten hatte, keine Veranstaltungen mit Sellner durchzuführen.
       
       Aus Sorge vor einem drohenden Verbotsverfahren will man aus Sicht der
       AfD-Spitze nicht zu viel Nähe wagen. [3][Entsprechend intervenierte der
       Vorstand] auch gegen Kotrés ursprünglich geplante Veranstaltung, die in
       Luckenwalde stattfinden sollte. Inhaltliche Kritik oder gar eine ernsthafte
       Distanzierung blieben allerdings aus.
       
       Stattdessen verwies ein Sprecher der Bundespartei auf die von der AfD
       abgeschwächte Definition von „Remigration“. Der rechtsextreme Brandenburger
       Fraktionschef Hans-Christoph Berndt ließ bei einer Pressekonferenz
       lediglich verlauten, die Landtagsabgeordnete Kotré brauche für die
       Teilnahme an einer Veranstaltung keine Genehmigung von der Partei oder
       Fraktion. Kotré selbst sagte den Termin in Luckenwalde schließlich
       kurzfristig ab, nur um kurz darauf zu verkünden, Sellner habe sie für eine
       eigene Veranstaltung eingeladen, die „zufällig“ am gleichen Abend
       stattfinden sollte.
       
       ## Die Grenze des Sagbaren
       
       Der Ersatzveranstaltung bleibt nach der Intervention der Parteiführung
       lediglich ihr Mann Steffen Kotré fern. Von Journalist:innen nach seinem
       Fernbleiben gefragt, weicht Lena Kotré aus. „Weil er jetzt nicht mehr
       Veranstalter ist, ist er auch nicht mehr hier“, sagt sie.
       
       In der Brandenburger Landtagsfraktion stieß die Veranstaltung mit Sellner
       und Kotré durchaus auf Zuspruch. In Vetschau ergreift zum Abschluss auch
       der Brandenburger AfD-Landtagsabgeordnete Lars Günther das Wort. Man müsse
       eine solche Veranstaltung in „nicht allzu langer Zeit“ erneut stattfinden
       lassen, sagt er. Und darum ging es an diesem Abend auch: die Grenzen des
       Sagbaren verschieben und die Normalisierung völkischer Ideologie in der
       Partei weiter voranbringen.
       
       23 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Fotografen-der-identitaeren-Bewegung/!6099424
 (DIR) [2] https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2024/12/brandenburg-schweiz-lena-kotre-afd-teilnahme-neonazi-treffen.html
 (DIR) [3] /Martin-Sellner-und-die-AfD-Brandenburg/!6147189
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Nicolai Kary
       
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