# taz.de -- Österreich: Rechtsextreme Taten steigen auf Rekordhoch
       
       > Österreich verzeichnet einen dramatischen Anstieg rechtsextremer Delikte.
       > Das geht aus einem neuen Bericht hervor.
       
 (IMG) Bild: Wien, 13. April 2019: Unterstützer der Identitären Bewegung demonstrieren vor dem österreichischen Innenministerium
       
       „Gefährliche Drohung und NS-Wiederbetätigung“, „Nazi-Schmierer
       ausgeforscht“, „Hetzbotschaften verteilt“ – so lauten Schlagzeilen des noch
       jungen Jahres in Österreich. Das sind keine Einzelfälle, wie der [1][neue
       Rechtsextremismusbericht] des Dokumentationsarchivs Österreichischer
       Widerstand (DÖW) für das Jahr 2024 zeigt.
       
       Ganz im Gegenteil: Mit 1.486 polizeilich als rechtsextremistisch
       klassifizierten Tathandlungen wurde ein neuer Negativrekord verzeichnet.
       Das entspricht einem Anstieg um 23 Prozent gegenüber dem Vorjahr, nach
       bereits 30 Prozent Zuwachs 2023. Damit ist der Rechtsextremismus
       quantitativ die größte extremistische Bedrohung für die österreichische
       Demokratie, so die Autoren.
       
       Neben NS-Propaganda und Wiederbetätigung umfassen die Statistiken auch
       Körperverletzungen, Sachbeschädigungen und ähnliche Delikte mit
       rechtsextremem Hintergrund. Auffällig ist das Profil der Täter: über 90
       Prozent sind männlich, rund 80 Prozent österreichische Staatsbürger.
       
       Während 2005 noch rund 200 einschlägige Straftaten registriert worden
       waren, hat sich die Zahl binnen zwei Jahrzehnten mehr als versiebenfacht.
       Knapp zwei Drittel der Delikte wurden nach dem Verbotsgesetz verfolgt, das
       nationalsozialistische Wiederbetätigung unter Strafe stellt. Mehr als ein
       Viertel der Taten wurden im Internet begangen. Die internationale
       Vernetzung bleibt intensiv, insbesondere nach Deutschland.
       
       ## Verschwörungsdenken zu Corona
       
       Antisemitismus ist vor allem in „israelbezogenen“ und „schuldabwehrenden“
       Formen weit verbreitet, wobei Verschwörungsdenken zur Coronapandemie die
       Werte erhöht. Die Israelitische Kultusgemeinde dokumentierte 2024 einen
       Anstieg antisemitischer Vorfälle um knapp ein Drittel auf 1.520 Fälle.
       Gleichzeitig blieb auch antimuslimischer Rassismus auf hohem Niveau (1.336
       Fälle).
       
       Besonders besorgniserregend ist laut Forschern die zunehmende
       Normalisierung rechtsextremer Konzepte. Als Paradebeispiel nennen sie den
       Begriff der „Remigration“, der 2024 zum zentralen Schlagwort der Szene
       avancierte. Der Identitäre Martin Sellner popularisierte ihn unter anderem
       mit einem Buch.
       
       Dort beschreibt er, wie Europa „ethnisch homogenisiert“ werden solle. FPÖ
       und AfD übernahmen den Terminus in ihre politische Kommunikation. Schon
       seit Jahren [2][verharmlost und umwirbt] die FPÖ, [3][die derzeit größte
       österreichische Parlamentspartei], die Identitären.
       
       Laut Umfragen befürworten 50 Prozent der österreichischen Bevölkerung eine
       „umfassende Remigration“, wobei laut DÖW vielen das Bewusstsein für den
       rechtsextremen Hintergrund des Begriffs fehlt. Zwar bejaht eine große
       Mehrheit demokratische Prinzipien, dennoch stimmen etwa mehr als die Hälfte
       Grundrechtseinschränkungen bei Abschiebungen zu.
       
       ## Eigenes Medienuniversum
       
       Der Bericht beschreibt zudem, wie sich eine rechtsextreme
       Parallelgesellschaft etabliert hat: Alternative Medien verbreiten eigene
       Narrative, in sozialen Netzwerken wird gegen Minderheiten gehetzt, ein
       ganzes System von Kampfbegriffen wie „Bevölkerungsaustausch“ oder
       „Globalismus“ formt einen Paralleldiskurs. In ihrem [4][eigenen
       Medienuniversum] befördert die FPÖ systematisch diese Stimmungsmache.
       
       Den Rechtsextremismusbericht hatte es in Österreich bereits von 1994 bis
       2001 gegeben, bevor ihn die schwarz-blaue Regierung 2002 einstellte. Vor
       fünf Jahren beschloss das Parlament seine Wiedereinführung. Seit 2023
       erstellt das DÖW jährlich den Bericht im Auftrag des Innen- und
       Justizministeriums.
       
       Der nun vorgestellte Bericht bezieht sich auf 2024, doch die Forscher
       sprachen davon, dass sich die Entwicklungen auch 2025 fortgeschrieben haben
       dürften. Ihre Kernbotschaft: Trotz der beinahe täglichen Meldungen über
       Waffenfunde, Hitlerbilder und dergleichen dürfe man nicht abstumpfen.
       
       26 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.doew.at/neues/doew-praesentiert-rechtsextremismusbericht-2024
 (DIR) [2] /Rechtsextreme-Szene-in-Oesterreich/!5587463
 (DIR) [3] /Parlamentswahl-in-Oesterreich/!6039473
 (DIR) [4] /Parteisender-in-Oesterreich/!6146339
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Florian Bayer
       
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