# taz.de -- Mietenpoltik in Berlin: Spannende Frage für den Wahlkampf
> Die Wohnunspolitik wird wichtiges Thema bei der Wahl in der Hauptstadt
> sein. Die Linke will enteignen. Die SPD will den Markt regulieren. Wer
> ist die Berliner Mieterpartei?
(IMG) Bild: Die SPD hat noch Luft nach oben, meint die Linkspartei
Wenn Berlin am 20. September wählt, könnte die Wohnungspolitik
wahlentscheidend sein. Die SPD hat einen neuen Vorschlag gemacht. Wie der
zu bewerten ist? Da sind sich die beiden taz-Redakteue [1][Uwe Rada] und
[2][Erik Peter] nicht einig.
Uwe Rada: Die [3][Berliner SPD lag bei den Mieten lange hinten. Nun aber
hat sie sich überraschend zurückgemeldet]. Mit einem [4][neuen
Mietendeckel] sollen die Mieten von 1,4 Millionen privaten Wohnungen
eingefroren und die Gewinne privater Konzerne gedeckelt werden. Weil ein
erster Mietendeckel 2021 in Karlsruhe gescheitert ist, soll nun der
Vergesellschaftungsparagraf 15 im Grundgesetz herhalten. Offenbar hat die
SPD begriffen, dass sie im bevorstehenden Mietenwahlkampf liefern muss.
Erik Peter: Wirklich? Ist nicht die SPD die Partei, die den Anstieg der
Angebotsmieten in der Stadt um 132 Prozent in den vergangenen 15 Jahren wie
keine andere zu verantworten hatte. Sozialdemokratische Mietenpolitik war
meist der blinde Fokus auf Neubau und die Abwehr der 2021 von den Berlinern
mehrheitlich [5][per Volksentscheid geforderten Vergesellschaftung] der
privaten Wohnungskonzerne. Und genau darum geht es der SPD auch jetzt. Der
Volksentscheid wird als Auftrag ausgelegt, den Paragrafen 15 anzuwenden,
aber eben nicht, um die privaten Unternehmen in Landesbesitz zu übernehmen.
Rada: Stimmt schon. SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach will keine
Enteignung. Für die Linke, die bei den Wahlen im September gute Chancen
hat, das Amt der Regierenden Bürgermeisterin zu übernehmen, ist die
Umsetzung des Volksentscheids dagegen die Voraussetzung dafür, eine
Koalition einzugehen. So kann aber nur argumentieren, wer auch nachweisen
kann, dass die Konkurrenz konzeptlos ist. Dann bleibt die
Vergesellschaftung gewissermaßen alternativlos. Nun aber hat auch die SPD
ein Konzept.
Peter: Was die SPD hier vorschlägt, ist nichts anderes als eine Regulierung
der Wohnraumbewirtschaftung – die Begrenzung von Mietsteigerungen und
erkaufte Sozialbindungen. Darüber nachzudenken ist gut, aber das gegen eine
Vergesellschaftung auszuspielen, bleibt unredlich und undemokratisch.
Außerdem ist der argumentative Weg über den Vergesellschaftungspragrafen
höchst wackelig und könnte im erneuten Desaster in Karlsruhe enden. Dort
wird zwar auch die Vergesellschaftung landen, doch deren konzeptionelle
Umsetzung ist eingehend geprüft und für machbar befunden worden.
Rada: Und dann sind da noch die Kosten, klar, auch ein Thema, über das noch
gestritten werden kann. Wichtig ist doch aber, dass eine künftige
Regierungskoalition aus Linken, Grünen und SPD nun mehrere Vorschläge auf
dem Tisch hat. Ob es da für die Linke klug ist, eine rote Linie zu ziehen?
Denn die SPD ist mit diesem Konzept womöglich auch anschlussfähig für eine
Koalition mit Grünen und CDU. Die würde automatisch auf Berlin zukommen,
wenn die Linkspartei, aus welchen Gründen auch immer, nicht regieren will.
Interessant dabei: CDU-Regierungschef Kai Wegner hat die SPD-Forderungen
nicht pauschal abgelehnt.
Peter: Berlin ist unbezahlbar geworden. Die rote Linie der Linken ist nicht
nur stadtpolitisch richtig, sondern auch schiere Notwendigkeit, um als
Partei glaubwürdig zu sein. Wenn sich die SPD dagegen sperrt, wird sie
weiterhin die Mietenmisere der Stadt verantworten. Und mit der CDU wird sie
ihre schönen neuen Ideen niemals durchkriegen,
Rada: Abwarten. Womöglich verabschiedet Schwarz-Rot schon vor den Wahlen
ein verschärftes Mietengesetz. Dann steht die Linkspartei unter Zugzwang.
Der Wahlkampf wird spannend.
31 Jan 2026
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