# taz.de -- Wahlkampf in Berlin ist eröffnet: Die Fronten klären sich
> Die SPD entdeckt populäre Themen wie das unbebaute Feld und rückt weiter
> nach links. Die CDU schießt sich mit ihrer Verkehrspolitik endgültig ins
> Aus.
(IMG) Bild: Auch in München sollte mal eine Magnetschwebebahn gebaut werden: 2007 verkündete Edmund Stoiber (CSU) die Beerdigung des Projekts
Eines steht fest, auch wenn der Wahlkampf für die Abgeordnetenhauswahl im
September gerade erst anläuft: Der alte Spontispruch „Wenn Wahlen etwas
ändern würden, wären sie verboten“ gilt in diesem Fall schon mal nicht. CDU
und SPD, die zuletzt kaum noch unterscheidbar waren, vor allem seit die SPD
sich in Selbstverzwergung den Wegnerianern als Juniorpartner andiente,
beginnen ihre Profile zu schärfen.
Dabei hat die SPD das Überraschungsmoment erneut auf ihrer Seite. Nachdem
sie Ende Januar mit der Präsentation ihrer [1][Version einer
Sozialwohnungsquote], die Linke und Grüne schon länger propagieren, dem
Koalitionspartner beim Thema Mieten den Fehdehandschuh hinwarf, verkündet
sie jetzt laut ihren Unwillen, den Rand des Tempelhofer Felds zu bebauen.
Dass SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach diesen Punkt ins Wahlprogramm hieven
konnte, dürfte weder Parteikollege Christian Gaebler gefallen – der
Bausenator hatte sich stets für die Bebauung ausgesprochen – noch dem
bisherigen Koalitionspartner.
Krach rückt also mit diesem populistischen Move auch
stadtentwicklungspolitisch wieder Richtung Linke und Grünen und schaufelt
gleichzeitig den Graben zur CDU ein Stückchen tiefer.
Von der anderen Seite wird fleißig mitgebuddelt. Hier muss man vor allem
CDU-Senatorin Ute Bonde dankbar sein: Der [2][„Todesstern der
Verkehrswende“] – ein Schmähtitel, den sie sich mit ihrer Autofixierung
redlich verdient hat – hat mit seiner neuesten Volte in Sachen
Magnetschwebebahn endgültig den Vogel abgeschossen. Die Schwebebahn ist ein
[3][alter Hut der „technikaffinen“ Konservativen], den sie seit zwei Jahren
immer wieder aufsetzen – offenkundig, um von ihrem Scheitern bei profanen
Dingen wie einem real funktionierenden öffentlichen Nahverkehr abzulenken.
## Bonde streicht die Tram
Aber nun hat Bondes Verwaltung Nägel mit Köpfen gemacht und offenbar
bereits beschlossene Pläne für eine Tramverbindung zwischen Urban Tech
Republic am alten Flughafen Tegel und dem Rathaus Spandau gestrichen – hier
soll am Sanktnimmerleinstag lieber eine Zurück-in-die-Zukunft-Technik der
90er-Jahre fahren. Oder auch nicht.
Bezeichnend für die Weltsicht der CDU ist die Begründung, die der Spandauer
Verkehrsstadtrat dem Tagesspiegel gegeben hat: Schon jetzt stehe man „kurz
vor dem Verkehrskollaps“ wegen der vielen Autos und Busse. Eine Tram sei da
nur im Weg – anders als die Stelzenbahn. Was nichts anderes heißt als: Den
Autoverkehr werden wir auch in 20 Jahren nicht in den Griff bekommen – eine
Bankrotterklärung vom Feinsten.
Das Gute daran: Mit dem Koalitionspartner SPD, der in Gestalt der
Stadtentwicklungsverwaltung über den Vorstoß angeblich „not amused“ war,
wird man sich bis September sicher nicht mehr auf ein Revival der „M-Bahn“
einigen. Und dann wird sowieso alles anders. Zumindest, wenn die SPD auf
Kurs bleibt.
11 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Susanne Memarnia
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