# taz.de -- Berliner Linke zur Wohnungskrise: Wolkenkuckuckspolitik
> Mietendeckel für landeseigene Wohnungen, Sozialquote, Vergesellschaftung:
> Die Vorschläge der Linkspartei klingen gut. Treiben aber nur die Degewo
> und Co in den Ruin – oder Berlin.
(IMG) Bild: Sind die Wunschträume der Linkspartei wirklich finanzierbar?
Oh, wie schön ist Panama. Janoschs Kindermärchen vom kleinen Tiger und vom
kleinen Bären ist auch eine Geschichte über den Wunsch nach einem schönen
Zuhause. Janosch selbst schrieb über sein Märchen: „Jeder lebte schon immer
im Paradies, hat es nur nicht gewusst.“
Oh, wie schön könnte Berlin sein und das Leben in einer „roten Metropole“.
Das jedenfalls findet die Berliner Linkspartei und hat nun ihr
wohnungspolitisches Konzept geschärft. [1][Als Erstes hatte darüber
exklusiv die taz berichtet].
„Zentrale Maßnahme gegen den Mietennotstand“ ist ein neuer Mietendeckel.
Anders als der, der 2021 in Karlsruhe gescheitert war, soll er nur für die
landeseigenen Wohnungsunternehmen (LWU) gelten. Das wäre nicht nichts. In
den 400.000 Wohnungen der Unternehmen leben mehr eine Million Berlinerinnen
und Berliner. Oh, wie schön ist landeseigenes Wohnen.
Nur, wie realistisch ist das? Und wie teuer? In ihrem Konzept schreibt die
Linkspartei, dass ein einjähriger Mietenstopp der sechs landeseigenen
Unternehmen zwischen 35 und 55 Millionen Euro kosten würde. Bei jedem
weiteren Jahr kämen Mindereinnahmen von 20 und 40 Millionen Euro dazu.
Dem stehen 34 Millionen entgegen, die die LWU pro Jahr mehr eingenommen
haben, seitdem sie ab 2024 ihren Mieterinnen und Mietern wieder tiefer in
die Tasche greifen dürfen. Erlaubt sind Mietsteigerungen in Höhe von
jährlich 2,9 Prozent, im Einzelfall sogar bis zu 11 Prozent innerhalb von
drei Jahren. Bei Wiedervermietungen müssen sich Degewo und Co nur noch an
die Mietpreisbremse halten.
## Und wer soll neue Sozialwohnungen bauen?
Den Abbau der bis Ende 2023 geltenden Begrenzungen begründete der
schwarz-rote Senat mit den Kosten für den Wohnungsbau. 6.000 Wohnungen pro
Jahr sollten die Landeseigenen bauen. Das soll unter anderem aus den
Mieteinnahmen finanziert werden.
Die Folge: Nicht nur steigen die Mieten in den 400.000 landeseigenen
Wohnungen. Auch die Neubaumieten gehen in die Höhe. Bei der
Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) kostet eine Neubauwohnung im Schnitt
10,10 Euro pro Quadratmeter. Ein Dilemma. Schließlich haben kommunale
Gesellschaften nur dann eine Legitimation, wenn sie sich substanziell von
Privaten unterscheiden und den Mietpreis dämpfen.
Die Linke schlägt nun vor, die Neubaufinanzierung von der Bewirtschaftung
des Bestands zu trennen. Zwei Milliarden pro Jahr soll es dafür für die LWU
geben. Finanziert werden soll dies unter anderem mit einem Umbau der
Neubauförderung in Höhe von 1,5 Milliarden Euro jährlich. Diese Mittel
konnten bislang auch private Investoren in Anspruch nehmen. Künftig sollen
sie also nur noch den Landeseigenen zur Verfügung stehen.
Ein gangbarer Weg? Das bezweifeln selbst Mitglieder der Linken selbst.
Bereits Ende vergangenen Jahres [2][erschien im Magazin Jacobin ein
Beitrag], der sich kritisch mit der Finanzierbarkeit einer „roten
Metropole“ auseinandersetzte. Darin hieß es unter anderem: „Die Umsetzung
der zentralen Forderungen der Linken – wie eine wirksame Mietbegrenzung,
der Ausbau sozialer Infrastruktur und die Stärkung der sozialen
Infrastruktur – kostet Geld.“
Zwar ließen sich die Mieten der landeseigenen Wohnungsbauunternehmen sofort
begrenzen. „Doch die sich anschließende Frage, aus welchen Mitteln die
landeseigenen Unternehmen dann den notwendigen Neubau finanzieren und
gleichzeitig stabile Bilanzen ausweisen können sollen, ist damit nicht
geklärt.“ Auch landeseigene Unternehmen, heißt es im Beitrag, „müssen die
Schulden, die sie abseits des Landeshaushaltes aufnehmen können, aus ihren
laufenden Einnahmen zurückzahlen“.
Die Schlussfolgerung, die der Verfasser des Beitrags zieht, ist eindeutig.
Die Linke sollte die Finger von einer möglichen Regierungsbeteiligung
lassen. Setze die Linke „in der Regierung die neoliberalen Sachzwänge
selbst um, so stärkt sie damit letztlich nur die AfD“.
Die Schlussfolgerung, die die Wählerinnen und Wähler aus dem Dilemma ziehen
könnten, ist eine Gretchenfrage. Entweder die „rote Metropole“ treibt mit
ihrem Mietenstopp die landeseigenen Gesellschaften in den Ruin. Oder das –
ohnehin von Haushaltslöchern geplagte – Land Berlin.
Oder sie verzichtet auf den Bau von 7.500 kommunalen Wohnungen jährlich,
die die Linke bauen möchte. Berlin braucht aber beides:
Wohnungsbaugesellschaften, die für ihre Mieterinnen und Mieter eine echte
Alternative zu den Privaten sind und gleichzeitig den Neubau stemmen
können. Da muss die Linkspartei noch viel Überzeugungsleistung leisten, um
dem Eindruck entgegenzutreten, nur Wolkenkuckucksheime bauen zu wollen
Und von den Kosten der Vergesellschaftung der großen privaten Bestände, die
die Linke ebenfalls finanzieren müsste, ist da noch gar keine Rede.
Oh, wie schwierig ist Berlin.
4 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Konzept-der-Linken/!6166420
(DIR) [2] https://jacobin.de/artikel/linke-berlin-regierungsbeteiligung-r2g-elif-wahlkampf-buergermeister
## AUTOREN
(DIR) Uwe Rada
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