# taz.de -- „Spiegel“-Story über Elif Eralp: Eine Frage der Sicherheit
> Sie habe Angst vor Leuten wie Ibrahim Ibrahim, soll Elif Eralp über den
> Hamas-Sympathisanten gesagt haben. Was hieße das, wenn das Linksbündnis
> regiert?
(IMG) Bild: Gruppenfoto der Fraktion Die Linke am Tag der ersten Sitzung des Berliner Abgeordnetenhauses nach der Wahl
Als sich das Berliner Abgeordnetenhaus am Donnerstagmorgen zur
konstituierenden Sitzung trifft, ist Elif Eralp nicht im Parlament. Zwei
Stunden später tritt die Spitzenkandidatin der Berliner Linkspartei, die
mit Grünen und SPD eine Koalition schmieden und als erste Frau mit
Migrationshintergrund ins Rote Rathaus ziehen will, vor die Presse und
[1][gibt ein Versprechen ab]: „Ich kann klar sagen, dass ich für die
Sicherheit von allen Berlinern als Regierende Bürgermeisterin sorgen
werde.“ Sie werde sich „von niemandem einschüchtern lassen“ und „gegen jede
Form von Gewalt und organisierter Kriminalität kämpfen“.
Mit ihrem Statement reagiert die Linken-Politikerin auf eine
[2][Veröffentlichung des Spiegels] mit dem Titel: „Elif Eralp offenbart
Angst vor Terrorsympathisanten“. Für die, die sich seit Donnerstagmorgen
fragen, ob das Berliner Linksbündnis platzen könnte, bevor überhaupt
Koalitionsverhandlungen aufgenommen wurden, sind es deutliche Worte. Für
jene, die der Linkspartei wegen der Nähe zu Antisemitismus und Islamismus
die Koalitionsfähigkeit absprechen, dagegen Lippenbekenntnisse.
Laut Spiegel hatte Eralp in einem Interview am Montag gesagt, sie habe
nicht gedacht, dass es beim Thema Palästina im Wahlkampf zu
Grenzüberschreitungen auf einzelnen Veranstaltungen kommen könne. Auf die
Nachfrage: „Damit meinen Sie den Terrorsympathisanten Ibrahim Ibrahim, der
den Chefplaner des Hamas-Überfalls auf Israel am 7. Oktober 2023 als
‚Märtyrerhelden‘“ bezeichnet hat und in [3][Neukölln auf der Wahlparty
war]“, soll Eralp mit Ja geantwortet haben.
Abgedruckt wurden weder das Interview noch die Frage oder Eralps Antwort
darauf. Denn in der Autorisierung durch die Pressestelle der Linkspartei
wurden Frage und Antwort gestrichen. Stattdessen veröffentlichte das
Nachrichtenmagazin eine „Titelstory“, in der ein versehentlich von der
Pressestelle zurückgeschicktes Dokument mit den Kommentaren von Eralp zum
Gespräch bekannt gemacht wurde. [4][Eine journalistische
Grenzüberschreitung], die der Spiegel mit der „politischen Tragweite“ der
Notizen rechtfertigte, mit denen Eralp die Interviewfassung kommentiert
hatte.
## „Er hat Angst vor diesen Leuten und ich auch“
„Es gibt ein PROBLEM“, heißt es demnach in einer der Notizen. Eralp soll
dann den Namen eines Mannes genannt und geschrieben haben, er „möchte
nicht, mein Mann, und ich auch nicht, konkrete Namen nennen, er hat Angst
vor diesen Leuten und ich auch“. Hat Eralp also so große Angst vor einem
Hamas-Sympathisanten wie Ibrahim Ibrahim, dass sie sich weigert, seinen
Namen zu nennen?
Für die Berliner CDU ist schnell klar, dass diese Aussage nicht folgenlos
sein darf. Per Bild-Zeitung meldet sich [5][Spitzenkandidat Stefan Evers]
zu Wort und appelliert an SPD und Grüne, vor Beginn von
Koalitionsverhandlungen die „Warnsignale“ wahrzunehmen und zu reagieren.
„Noch ist es nicht zu spät, Konsequenzen zu ziehen“, so Evers.
Grüne und SPD haben bereits Anfang voriger Woche grünes Licht für
Koalitionsverhandlungen mit der Linkspartei gegeben. Am Samstag entscheidet
die Linke bei einem Parteitag darüber, [6][ob sie Koalitionsgespräche
aufnehmen will]. Sollten diese erfolgreich sein, wollen alle drei Parteien
ihre Mitglieder befragen, bevor ein Koalitionsvertrag unterschrieben wird.
## SPD-Vorsitzende nennt Eralp „starke Persönlichkeit“
Eralp zur Seite steht am Donnerstag SPD-Landeschefin Bettina König. „Das
belastet für mich persönlich nicht die Verhandlungen“, sagt König der taz.
Sie gehe davon aus, dass Eralp stark genug für den Job der Regierenden
Bürgermeisterin sei. „Ich habe sie als starke Persönlichkeit
kennengelernt.“
Etwas vorsichtiger äußert sich dagegen [7][Königs Co-Vorsitzender Steffen
Krach]. „Erst mal erschüttert mich das, denn es zeigt, dass wir ein
ernsthaftes Problem mit organisierter Kriminalität in dieser Stadt haben“,
sagt Krach zum Bericht des Spiegels. „Deswegen hat die SPD von Anfang an
gesagt, wir müssen den Verfassungsschutz stärken, wir müssen die Polizei
stärken.“
Es dürfe keinen Platz für organisierte Kriminalität in Berlin geben. Und:
„Es darf auch keine Hamas-Sympathisanten in dieser Stadt geben, die sich
hier frei bewegen können. Ich will diese Terroristen nicht in dieser Stadt
haben.“ Für eine Bewertung der im Spiegel beschriebenen Vorgänge sei es
aber noch zu früh.
## Krach eiert bei Lanz
Das Verhältnis der Linkspartei zu propalästinensischen Aktivisten war
bereits am Mittwochabend Thema bei der Talkshow von Markus Lanz. Dort hatte
Steffen Krach versucht, die Personalie Vanessa Emde herunterzuspielen.
Emde, die in Neukölln ein Direktmandat für die Linke erhalten hat, hatte
mehrfach betont, [8][dass Staaten kein Existenzrecht hätten].
Daraufhin hatte der Fraktionsvorstand der Linken Emde das Vertrauen
entzogen und erklärt, dass es „keine gemeinsame Arbeitsgrundlage“ gebe.
Über einen Fraktionsausschluss Emdes hatte die Linksfraktion am Dienstag
nicht beraten. Nächste Woche soll es einen erneuten Versuch geben, sie
auszuschließen. Ob die dafür nötige Zweidrittelmehrheit in der 44-köpfigen
Fraktion zusammenkommt, ist offen.
Nach mehrfachem Nachfragen von Lanz erklärte Krach am Mittwochabend, dass
es keine Koalition der SPD mit der Linken geben werde, sollte Emde Teil der
Fraktion sein. Am Donnerstag schwächt der SPD-Chef das wieder ab und
spricht davon, dass es mit Emde „keine Arbeitsgrundlage“ gebe.
Solidarisch mit Eralp zeigen sich die Grünen. „Es ist nicht hinnehmbar,
dass eine führende Politikerin um ihre Sicherheit fürchten muss“, sagt
Grünen-Fraktionschefin Bettina Jarasch. Man werde mit rechtsstaatlichen
Mitteln auf solche Bedrohungen reagieren. „Wir haben schon in unserem
Sondierungspapier vereinbart, dass wir bei Sicherheit nicht sparen werden“,
so Jarasch.
Geplatzt ist das Linksbündnis am Donnerstag nicht. Aber SPD und Grüne
werden ganz genau hinschauen, mit welcher Mehrheit sich [9][der
Linken-Parteitag am Samstag] für Koalitionsverhandlungen ausspricht.
Scheitern kann dieses Bündnis, so scheint es derzeit, vor allem an der
Linken selbst.
29 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Eralp-reagiert-auf-Spiegel-Bericht/!6226020
(DIR) [2] https://www.spiegel.de/politik/deutschland/linkenpolitikerin-elif-eralp-offenbart-angst-vor-terrorsympathisanten-a-94a0c067-ce3d-4435-9e5d-0d2dc2fbb81e
(DIR) [3] /Linkspartei-in-Berlin/!6214961
(DIR) [4] /Aktuelle-Debatte-um-Spiegel-Text-zu-Elif-Eralp-Am-Ende-sind-alle-so-schlau-wie-vorher/!6226061
(DIR) [5] /CDU-Spitzenkandidat-Stefan-Evers/!6195373
(DIR) [6] /Gruenen-Parteitag-stimmt-fuer-Rot-Gruen-Rot/!6222232
(DIR) [7] /Berlins-SPD-Chef-Steffen-Krach/!6223787
(DIR) [8] /Streit-um-Berliner-Linken-Abgeordnete/!6225627
(DIR) [9] /Gruenen-Parteitag-stimmt-fuer-Rot-Gruen-Rot/!6222232
## AUTOREN
(DIR) Uwe Rada
(DIR) Stefan Alberti
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