# taz.de -- Bericht des „Spiegels“: Elif Eralp hat Angst
       
       > Laut einem internen Dokument äußert Elif Eralp Angst vor
       > Hamas-Sympathisanten. Offenbar war es versehentlich an das Magazin
       > geschickt worden.
       
 (IMG) Bild: Unter Druck: Elif Eralp
       
       afp/dpa | Die Berliner [1][Linken-Wahlsiegerin Elif Eralp] sieht einem
       Spiegel-Bericht zufolge die Sicherheit ihrer Familie in Gefahr, wenn sie
       sich explizit zu einem bekannten Palästina-Aktivisten äußert. Wie der
       Spiegel berichtet, geht das aus internen Anmerkungen zu einem Interview
       hervor, das das Magazin mit ihr geführt hat. Das Dokument wurde demnach
       versehentlich samt der Kommentare von Eralps Büro an den Spiegel geschickt.
       Eralp, die Regierende Bürgermeisterin von Berlin werden möchte, und die
       Linken-Landeschefin Kerstin Wolter wollten sich zunächst nicht äußern.
       
       Dem Bericht zufolge hat der Spiegel am Montag ein Interview mit Eralp
       geführt, die versucht, mit [2][Grünen] und SPD eine [3][Landesregierung] zu
       bilden. Am nächsten Tag habe man die schriftliche Fassung des Interviews
       zur Autorisierung an Eralps Sprecher geschickt. Einen Tag später sei das
       Interview mit Kommentaren und Anmerkungen zurückgekommen. Die Freigabe von
       Wortlaut-Interviews gehört in Deutschland oftmals zur journalistischen
       Praxis.
       
       In dem Gespräch war Eralps Linie zum Thema Antisemitismus in den Reihen der
       Linken dem Bericht zufolge, dass ihr das ganze Ausmaß des Problems nicht
       bewusst gewesen sei. Der Spiegel schreibt: „Sie habe natürlich gewusst, so
       Eralp, dass vor allem im Bezirksverband Neukölln viele ihrer Parteifreunde
       beim Thema Palästina sehr engagiert seien – aber sie habe nicht gedacht,
       dass es im Wahlkampf auch zu Grenzüberschreitungen auf einzelnen
       Veranstaltungen kommen könne.“
       
       ## Eine ganze Frage samt Antwort gestrichen
       
       Der Spiegel stellte nach eigenen Angaben eine Nachfrage: „Damit meinen Sie
       den Terrorsympathisanten Ibrahim Ibrahim, der den Chefplaner des
       Hamas-Überfalls auf Israel am 7. Oktober 2023 als „Märtyrerhelden“
       bezeichnet hat und in Neukölln auf der Wahlparty war.“ Eralp antwortet dem
       Bericht zufolge: Ja. In der autorisierten Fassung ist diese Frage laut
       Spiegel samt Antwort gestrichen.
       
       Hinzu kommen dem Bericht zufolge mehrere interne Anmerkungen Eralps, unter
       anderem mit Bezug auf Organisierte Kriminalität (OK): „Das LKA hat damals
       gesagt, sie empfehlen, nie konkrete Namen zu nennen. Damals ging es um OK.
       Jetzt geht’s um Leute mit Kontakten zur Hamas. Ich kann mich und meine
       Familie für den SPIEGEL nicht in Gefahr bringen. Was machen wir jetzt? Das
       ganze Interview stornieren?“, zitiert das Magazin aus den Anmerkungen. Und:
       „Ich habe bisher wenn die mehrere Vorfälle genannt haben u.a. Ibrahin
       (falsche Schreibweise im Originalzitat) das allgemein verurteilt, jetzt ist
       es einzeln präsent.“
       
       ## Seit Monaten täglich Beleidigungen und Anfeindungen ausgesetzt
       
       Nach Angaben des Vereins democ, der sich mit demokratiefeindlichen
       Bewegungen beschäftigt, ist Ibrahim Ibrahim ein langjähriger Aktivist der
       Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP), die in der EU und den USA
       als Terrororganisation eingestuft ist. Nach der Abgeordnetenhauswahl im
       September war er auf einer Wahlparty der Linken Neukölln.
       
       Eralps Sprecher habe dem Spiegel in einer späteren Mail mitgeteilt, dass
       die Politikerin als Bürgermeisterkandidatin seit Monaten täglich
       Beleidigungen, Drohungen und Anfeindungen ausgesetzt sei, so das Magazin.
       Dann zitiert der Spiegel wörtlich: „Angesichts dieser allgemeinen
       Bedrohungslage raten Sicherheitsbehörden dazu, in öffentlichen
       Stellungnahmen politische Probleme nicht an einzelnen Personen
       festzumachen, insbesondere wenn über deren mutmaßliche Verbindungen zu
       Organisierter Kriminalität oder Terrororganisationen medial berichtet
       wurde.“
       
       ## Krach: „Will diese Terroristen nicht in dieser Stadt haben“
       
       Der Berliner SPD-Vorsitzende Steffen Krach sieht sich durch den
       „Spiegel“-Bericht über die Sorge der Linken-Wahlsiegerin um die Sicherheit
       ihrer Familie bestätigt. „Erstmal erschüttert mich das, denn es zeigt, dass
       wir ein ernsthaftes Problem mit organisierter Kriminalität in dieser Stadt
       haben“, sagte Krach in Berlin. „Deswegen hat die SPD von Anfang an gesagt,
       wir müssen den Verfassungsschutz stärken, wir müssen die Polizei stärken.“
       
       Es dürfe keinen Platz für organisierte Kriminalität in Berlin geben. Und:
       „Es darf auch keine Hamas-Sympathisanten hier in dieser Stadt geben, die
       sich hier frei bewegen können. Ich will diese Terroristen nicht in dieser
       Stadt haben.“
       
       Für eine Bewertung der im „Spiegel“ beschriebenen Vorgänge sei es noch zu
       früh. „Ich habe mit Frau Eralp persönlich noch überhaupt nicht darüber
       gesprochen und es gehört sich auch so, dass man das erstmal abwartet, wie
       die eigentliche Situation auch ist“, so Krach. Es sei zu früh, das bis ins
       letzte Detail zu bewerten.
       
       ## Nach „Spiegel“-Bericht zu Eralp: Evers fordert Konsequenzen von SPD und
       Grünen
       
       Nach dem „Spiegel“-Bericht über die Angst der Berliner
       Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp vor Hamas-Sympathisanten hat der
       CDU-Bürgermeisterkandidat Stefan Evers politische Konsequenzen gefordert.
       Evers appellierte in der „Bild“-Zeitung am Donnerstag an SPD und Grüne, vor
       Beginn von Koalitionsverhandlungen die „Warnsignale“ wahrzunehmen und zu
       reagieren. „Noch ist es nicht zu spät, Konsequenzen zu ziehen.“
       
       Linke, Grüne und SPD haben nach der Wahl zum Abgeordnetenhaus
       Sondierungsgespräche geführt und könnten nach Zustimmung eines
       Linken-Parteitags am Samstag zeitnah Koalitionsverhandlungen aufnehmen –
       allerdings hätte auch eine Koalition unter CDU-Führung eine Mehrheit.
       
       Evers sagte, „die heutigen Enthüllungen verstärken die große Sorge vor
       einer Landesregierung unter Führung der Berliner Linkspartei.“ Es stelle
       sich die Frage, wie Eralp als Regierende Bürgermeisterin von Berlin die
       Sicherheit von Millionen Menschen gewährleisten wolle, wenn sie selbst
       „Angst vor dem islamistischen Umfeld ihrer Partei hat“.
       
       ## Müller über „Spiegel“-Bericht: Dann wäre Eralp erpressbar
       
       Berlins ehemaliger SPD-Bürgermeister Michael Müller hält die
       Linken-Wahlsiegerin Elif Eralp nach dem „Spiegel“-Bericht über ihre Sorge
       um die Sicherheit ihrer Familie möglicherweise für erpressbar. Wenn Eralp
       sich nicht traue, in einem Interview klar zu benennen, wogegen sie vorgehen
       möchte – „das würde bedeuten, dass die Regierende Bürgermeisterin
       erpressbar ist. Das muss man so klar sagen“, sagte Müller im Fernsehsender
       Phoenix.
       
       In einem solchen Fall sei sie nicht frei in ihrer Amtsführung. „Sollte das
       so stimmen, gibt es da erheblichen Klärungsbedarf und ich glaube eine
       erneute große Hürde auf dem Weg zu einer Koalition mit dieser Partei.“
       
       29 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
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