# taz.de -- Eralps „Spiegel“-Interview: Offenbarungseid – und Chance
       
       > Eralps Kommunikationspanne mit dem „Spiegel“ ist ein peinlicher Fauxpas.
       > Jetzt muss sie die Gelegenheit nutzen, Hamas-nahen Kräften den Kampf
       > anzusagen.
       
 (IMG) Bild: Macht weiter: Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp am Donnerstag
       
       Keine Angst!, will man Elif Eralp zurufen. Keine Angst, [1][Befürchtungen
       um die persönliche Sicherheit] auszusprechen. Keine Angst,
       Hamas-unterstützende Strukturen in Berlin zu benennen. Keine Angst,
       entschiedene Politik gegen Antisemitismus und Hamas-Sympathisanten zur
       Maxime des Regierens zu machen. Keine Angst, nach einem Fehler
       weiterzumachen. Keine Angst, dem Einfluss des Nahostkonflikts auf die
       Berliner Politik endlich Einhalt zu gebieten.
       
       Die Furcht einer potenziellen künftigen Regierenden Bürgermeisterin der
       Hauptstadt [2][vor einem Hamas-Freund] oder der Hamas-nahen Szene ist
       beileibe keine Bagatelle. Wenn Eralp in einer (vom Spiegel [3][gegen ihren
       Willen veröffentlichten]) internen Anmerkung schreibt, die Erwähnung von
       Ibrahim Ibrahim bringe sie und ihre Familie in Gefahr, dann drückt sie
       damit unfreiwillig öffentlich aus, was auch viele andere in der Stadt
       spüren: Diese Szene ist zu einer informellen Kraft in Berlin geworden und
       diskreditiert zugleich die Solidarität mit Palästina, mit den
       Palästinenser*innen und jene, die sich für ein friedliches
       Nebeneinander einsetzen.
       
       Niemand sollte Angst haben müssen, dies auszusprechen.
       
       Als Politikerin indes, die möglicherweise bald für die Sicherheit in der
       Stadt Verantwortung trägt, sollte Elif Eralp ein solcher Fauxpas nicht
       passieren. Dieser Umgang mit interner Kommunikation ist nicht nur
       unprofessionell. Die Handhabung und das Bekenntnis sind zusammengenommen
       ein politischer Offenbarungseid. Zu Recht stellt sich die Frage, wie diese
       Frau, die selbst Furcht vor jenen Strukturen hat, als Bürgermeisterin
       unerschrocken gegen dieselben vorgehen soll. Die Berliner Linke schafft es
       ja nicht einmal, [4][parteiinterne rote Linien auch als solche zu
       handhaben].
       
       Und nun? Es bleibt nur die Flucht nach vorne. „[5][Keine Angst“, dichtet
       der Sänger Danger Dan]. „Steh auf, wenn Du am Boden liegst“, singt die Band
       Die Toten Hosen. Wenn es jemandem zuzutrauen ist, nach solch einem Fehler
       wieder aufzustehen, dann wohl der kämpferischen Elif Eralp, die im
       Wahlkampf ein so gutes Gespür für das politische Momentum hatte.
       
       Sie muss allerdings – und hat jetzt die Chance –, sie muss schnell
       dazulernen und diesen Strukturen auch gegen den Widerstand aus Teilen ihrer
       eigenen Partei angstfrei und überzeugend den Kampf ansagen. Selbst wenn es
       sie Zustimmung bei ihrer Wähler*innenschaft kostet.
       
       Es geht schließlich um Größeres als nur um ein politisches Amt. Jetzt muss
       sich zeigen, ob sich eine moderne, aufgeklärte Linke von autoritären
       Kräften einschüchtern lässt. Elif Eralp sollte nicht bereit sein, [6][eine
       rot-grün-rote Koalition und eine soziale Politik] in Berlin am
       Nahostkonflikt scheitern zu lassen.
       
       29 Oct 2026
       
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