# taz.de -- Elif Eralp: Mehr Distanz als Angst geht nicht
       
       > Wieder einmal muss die angebliche Nähe der Linkspartei zu Antisemiten und
       > Islamisten als Warnung vor einem Linksbündnis in Berlin herhalten. Warum
       > eigentlich?
       
 (IMG) Bild: Wenn es um die Sicherheit ihrer Familie geht, sieht Eralp rot
       
       Die Aufregung kennt keine Grenzen. Die Berliner Linken-Fraktionschefin Elif
       Eralp hat in einer versehentlich an den Spiegel versendeten und von diesem
       veröffentlichten Notiz ihre [1][„Angst“ vor Leuten wie dem
       Palästina-Aktivisten Ibrahim Ibrahim offenbart]. Also vor Menschen, die,
       zumindest ideologisch, islamistische und terroristische Strukturen wie die
       Hamas unterstützen. Na und, möchte man sagen.
       
       Eralps Angst um sich und ihre Familie – und sei es nur vor verbalen
       Attacken – ist nachvollziehbar: Als Frau mit einer Einwanderungsgeschichte
       aus einem muslimischen Land, die sich deutlich für das Existenzrecht
       Israels und gegen Antisemitismus positioniert, ist sie keine Verbündete
       dieser Strukturen – im Gegenteil. Wenn es noch eines Beweises bedurft
       hätte, dass Eralp keine Nähe zu Terrorunterstützern hat, da ist er. Mehr
       Distanz als Angst geht nicht.
       
       In der rechten Kampagnenlogik, die eine Regierung unter Führung der Linken
       verhindern will, spielt das keine Rolle. Da sollte Eralp bislang nicht
       Regierende Bürgermeisterin werden, weil Ibrahim Ibrahim auf der Wahlparty
       der Linken Neukölln war.
       
       Nun soll sie es nicht werden, weil sie Angst vor ihm hat. Die
       Interpretation, dass Eralp als Regierende Bürgermeisterin in ihrem Handeln
       – und damit dem des Senats – erpressbar wäre durch gewaltaffine Milieus,
       wie es jetzt behauptet wird, ist durch nichts gedeckt. Auf die Stärkung der
       Sicherheitsbehörden im Kampf gegen Antisemitismus haben sich Linke, Grüne
       und SPD in ihren Sondierungen längst geeinigt. Doch den Gegner:innen
       einer linken Politik ist schon seit dem Wahlabend kein Argument zu plump
       und jedes Mittel recht.
       
       ## Keine neue Nachrichtenlage
       
       Eine neue Nachrichtenlage gibt es mit der Spiegel-Geschichte nicht. Es ist
       lange bekannt, dass Teile der Linken keine Angst vor Ibrahim Ibrahim haben
       und ihn sogar zu Veranstaltungen einladen, weil sie nicht fähig sind, einen
       Trennstrich zwischen gebotener Solidarität mit Palästina und der
       Legitimation von Terror zu ziehen. Für die Linkspartei bleibt das ein
       Problem, dem sie sich stellen muss, dringender denn je.
       
       In ihrer ersten Reaktion auf die Veröffentlichung hat Eralp angekündigt,
       sich [2][von niemandem einschüchtern zu lassen]. Sie sollte das jetzt auch
       in der Partei und Fraktion beweisen und sich dafür starkmachen, die
       [3][Neuköllner Abgeordnete Vanessa Emde aus der Fraktion auszuschließen].
       
       Wer mehr Solidarität mit Ibrahim Ibrahim aufbringen kann als mit Elif
       Eralp, hat in der Partei und ihrer Fraktion nichts mehr zu suchen.
       
       29 Oct 2026
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Erik Peter
       
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