# taz.de -- Linken-Abgeordnete Vanessa Emde: Warum macht sie das?
> Die Neuköllner Linken-Abgeordnete Vanessa Emde gefährdet eine
> rot-grün-rote Koalition in Berlin – mit einem erneuten Bekenntnis gegen
> ein Existenzrecht Israels.
(IMG) Bild: Vanessa Emde (Linke) im Berliner Abgeordnetenhaus
Sie hat es wieder getan. Vanessa Emde, direkt gewählte Linken-Abgeordnete
aus Neukölln, hat [1][in einem frisch auf Instagram geposteten Video] das
Existenzrecht Israels geleugnet. Schließlich ist es ein „völkerrechtlicher
No-Brainer“, wie sie es dort nennt: „Es gibt kein Existenzrecht für Staaten
– Menschen haben ein Recht zu existieren.“
Dass sie damit möglicherweise erneut eine rot-grün-rote Koalition
gefährdet, ist ihr offenkundig egal. Vielmehr scheint sie es geradezu
darauf anzulegen, SPD und Grünen den nächsten Anlass zu geben, die
Gespräche zu beenden. Erst am Dienstagabend hatten sich die
Verhandlungsführer ihrer eigenen Partei mit Grünen und SPD wieder
zusammengerauft, nachdem die Sondierungen auch wegen solcher Aussagen – und
der Frage, wie die Linke damit umgeht – [2][kurz vor dem Aus gestanden
hatten].
[3][Emde selbst hatte am Dienstag in der Sitzung der Linksfraktion ein
Papier unterschrieben], in dem es unter Punkt 1 heißt: „Wir stehen zum
Existenzrecht Israels und für gleiche Rechte aller Menschen in Israel.“
Dass dies für sie nur ein Lippenbekenntnis war, sagt sie im Video recht
eindeutig. Die Erklärung der Linksfraktion, die für sie voller
„bürokratischer Tricks“ ist, da sie selektiv aus Parteibeschlüssen zitiere,
bringe den „Bekenntniszwang zur Zweistaatenlösung“ den „Wahlverlierern als
Koalitionsgeschenk“.
Ihren Fraktionschefs Elif Eralp und Tobias Schulze tut sie damit keinen
Gefallen, im Gegenteil. [4][Wie der Tagesspiegel berichtet, kam der
Fraktionsvorstand Freitagmittag wegen des Videos zu einer Sondersitzungh
zusammen – SPD und Grüne halten sich noch mit Kommentaren zurück.] Würde
die „Berliner Erklärung“ zu Antisemitismus, die Rot-Grün-Rot vorige Woche
verabredet hat, schon gelten – sie soll Teil des Koalitionsvertrages
werden, so dieser denn zustande kommt –, hätten Grüne und SPD nach diesem
Video guten Grund zu verlangen, dass Emde aus der Fraktion ausgeschlossen
wird.
Dieses Mal mögen sie sich noch herausreden können, dass die Koalition samt
„Berliner Erklärung“ noch nicht steht. Aber da Emde ja offenbar selbst
unter Bekenntniszwang leidet und das Mantra von der Nichtexistenzrecht von
Staaten manisch vor sich und ihren Fans herbeten muss, wird die nächste
Provokation unvermeidlich kommen.
## Linkes Bündnis wieder aufs Spiel gesetzt
Die Frage ist: Warum macht Emde das? Warum gefährdet sie ein linkes Bündnis
für Berlin, in dem es um sehr vieles, sehr Wichtiges geht, auch für ihre
Wähler – aber auf keinen Fall darum, den Nahostkonflikt zu lösen?
Und völlig unbenommen von der völkerrechtlichen, also juristischen Frage,
ob Staaten an sich ein Existenzrecht haben: Auch wenn Emde offenkundig
nicht einsieht, dass das konkrete Existenzrecht Israels aufgrund der
deutschen Geschichte ein Essential hierzulande ist, muss doch auch sie den
Kontext begreifen, in den ihre Nichtexistenzrecht-These eingebettet ist.
Dieser Kontext ist der Gazakrieg, den Emde ebenso bekenntniszwanghaft als
Genozid durch Israel bezeichnet, obwohl er in genozidaler Absicht von der
Hamas ausgelöst wurde, die seit ihrer Gründungscharta von 1988 die
Vernichtung Israels propagiert.
Um es deutlich zu sagen: Sicher will Emde nicht Israels Vernichtung, sie
redet von der Ein-Staat-Lösung. Aber abgesehen davon, dass sie diese zwar
wollen, aber den Israelis und Palästinensern nicht aufzwingen kann: Eine
Antwort darauf, wie Israel einen Staat machen soll mit Organisationen und
den dahinterstehenden Menschen, die alle Juden ins Meer treiben wollen,
gibt sie nicht. Kurz: Auch wenn sie so tut – eine zündende Idee für die
Lösung des Nahostkonflikts hat auch Emde nicht.
Und so ist es letztlich wohl nicht mehr als Prinzipienreiterei, die sie zu
ihrem Bekenntniszwang treibt. Emde meint, die Wahrheit erkannt zu haben,
und kann nicht von ihr lassen. Alle anderen sind (abfällig gemeint)
„Freunde der Staatsräson“, denen sie ein Schnippchen schlagen will, koste
es, was es wolle – ein Linksbündnis für Berlin ist ihr offenkundig kein zu
hoher Preis. „Keine Fraktion ohne Aktion. Freiheit für Palästina“, schreibt
sie am Ende ihres Videoposts.
Hoffentlich bald als „keine Fraktion“ – dann kann Emde allein im
Abgeordnetenhaus für ein freies Palästina kämpfen.
16 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.instagram.com/reel/DehbjkbIYkS/
(DIR) [2] /Nach-Sitzung-der-Berliner-Linksfraktion/!6221370
(DIR) [3] /Treffen-im-Abgeordnetenhaus/!6221160
(DIR) [4] /Koalitionsbildung-in-Berlin/!6222236
## AUTOREN
(DIR) Susanne Memarnia
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