# taz.de -- Nach Wahl in Berlin: Linke sondiert mit sich alleine
> Am Dienstag kommt die Linksfraktion in Berlin zu ihrer konstituierenden
> Sitzung zusammen. Unklar ist, ob alle gewählten Abgeordneten der neuen
> Fraktion angehören werden.
(IMG) Bild: Vanessa Emde auf dem Weg zur Fraktionssitzung
Es ist vielleicht der wichtigste Termin der laufenden Sondierungen, und er
findet ganz ohne Beteiligung von SPD und Grünen statt. Am
Dienstagnachmittag ist die Linksfraktion zu ihrer konstituierenden Sitzung
im Abgeordnetenhaus zusammengekommen. Und dabei steht die Frage im Raum:
Werden all ihre gewählten 45 Abgeordneten in die neue Fraktion aufgenommen
oder werden einzelne von ihnen ausgeschlossen?
Konkret geht es dabei insbesondere um die Neuköllner Linken-Abgeordnete
Vanessa Emde. Sie gilt als die kompromissloseste antiisraelische Stimme
unter den neu gewählten Abgeordneten. Vorgehalten wird ihr dabei, dass sie
durch ihr Eintreten für eine Einstaatenlösung das Existenzrecht Israels
infrage stellt. Im Mai dieses Jahres hatte Emde auf einer
propalästinensischen Kundgebung gesagt: „Es gibt kein Existenzrecht für
Staaten – Menschen haben ein Recht zu existieren.“
Die Linksfraktion will sich nun am Dienstag eine Satzung geben, die den
Passus enthält: „Die Fraktionsmitglieder erkennen das politische Primat der
Partei an und sichern zu, ihr politisches Handeln, insbesondere im
Abgeordnetenhaus, an den demokratisch gefassten Beschlüssen der Partei
auszurichten.“ Zu den Beschlüssen der Partei gehört das Eintreten für
Israels Existenzrecht. Ob sich Emde daran gebunden fühlt, ist unklar. Über
ihre Aufnahme in die Fraktion entscheiden die Abgeordneten schließlich mit
einfacher Mehrheit.
Im Zuge der Vorabsondierungen, in denen sich die drei Parteien Ende
vergangener Woche [1][auf ein Papier zum Umgang mit Antisemitismus geeinigt
hatten], sollen SPD und Grüne auf die Nichtaufnahme von Emde in die
Linksfraktion gedrängt haben. Sollte die Linke Emde dennoch in die Fraktion
aufnehmen, könnten die Sondierungsgespräche mit Grünen und SPD daran
scheitern.
## Schwierige Gespräche
Die [2][Gespräche der drei Parteien], die am Dienstag aussetzten, sind
bislang nicht so vorangekommen, wie ursprünglich gedacht. Die Linke
verschob am Dienstag ihren für Freitag geplanten Parteitag, der über das
Sondierungspapier und den Eintritt in Koalitionsverhandlungen beraten
sollte. Nicht mehr zu halten war die Vorgabe, dass den Abgeordneten die
Sondierungsergebnisse 72 Stunden vorher vorliegen, denn mit Ergebnissen
wird nicht vor Ende der Woche gerechnet. Der Parteitag soll nun, auch
aufgrund der dann beginnenden Herbstferien, zwei Wochen später stattfinden.
Dem Vernehmen nach hakt es in den Gesprächen vor allem am Thema der
Vergesellschaftung. Die Linkspartei hatte die Umsetzung des Volksentscheids
zur Bedingung für eine Koalition gemacht, SPD-Chef Steffen Krach, der kein
Amt in einem zukünftigen Senat anstrebt, hatte genau das im Wahlkampf
ausgeschlossen. Auch das Thema Finanzen gestalten sich wohl schwierig. Der
aktuelle Haushalt hat ein strukturelles Defizit von 5 Milliarden Euro. Die
Finanzierung neuer Projekte, mit denen die Parteien eigene inhaltliche
Schwerpunkte setzen können, steht damit vor einer großen Herausforderung.
Elif Eralp kritisierte am Rande der Sitzung eines Einmischung von
Bundeskanzler Friedrich Merz in die Berliner Sondierungen. Merz hatte am
Montag in Richtung von SPD und Grünen gefordert, die Gespräche mit „dieser
linksradikalen Partei“ zu beenden. Eralp sagte dazu: „Das halte ich für
nicht akzeptabel.“
13 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Einigung-von-Linken-Gruenen-und-SPD/!6220022
(DIR) [2] /Gespraeche-ueber-ein-Linksbuendnis/!6220308
## AUTOREN
(DIR) Erik Peter
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