# taz.de -- Nach Äußerungen über Israel: Linken-Fraktionsspitze geht auf Distanz zu Vanessa Emde
> Die Berliner Linken-Abgeordnete Vanessa Emde hält an umstrittenen
> Aussagen zum Existenzrecht Israels und dem Nahostkonflikt fest. Womit
> muss sie rechnen?
(IMG) Bild: Linken-Fraktionsvorsitzender Tobias Schulze: „Wir müssen feststellen, dass wir uns mit einer Abgeordneten konstituiert haben, die nicht mit der Partei kooperiert“
dpa/afp | Die Fraktionsspitze der Berliner Linken geht auf Distanz zu der
Neuköllner Abgeordneten Vanessa Emde. „Wir müssen feststellen, dass wir uns
mit einer Abgeordneten konstituiert haben, die nicht mit der Partei
kooperiert“, teilte der Linken-Fraktionsvorsitzende Tobias Schulze am
Nachmittag mit.
Eine gemeinsame Arbeitsgrundlage sei nicht gegeben. „Dazu gehört neben
anderen Vorgängen auch die Erklärung in einem Social-Media-Post, mit der
die Unterschrift unter die Konstituierungserklärung der Fraktion faktisch
zurückgezogen wurde“, so Schulze. Bei der Fraktionsvorstandssitzung am
Dienstag solle über das weitere Vorgehen beraten und dazu Vanessa Emde
eingeladen werden.
Emde hatte [1][am Donnerstagabend umstrittene Äußerungen zum Existenzrecht
Israels in einem Instagram-Video ausdrücklich wiederholt]. Im Wahlkampf
hatte Emde stark auf das Thema Palästina-Solidarität gesetzt und wegen
ihrer israelkritischen Positionen mehrfach Diskussionen ausgelöst. Am
Donnerstagabend sagte die Linke-Abgeordnete aus Neukölln, sie habe vor
einigen Monaten in einem Video davon gesprochen, dass es kein Existenzrecht
für Staaten gebe, sondern nur für Menschen.
„Ich stehe zu meinen Aussagen, und ich nehme keine einzige dieser Aussagen
zurück“, erklärte sie dazu nun. „Und ich werde mich davon weder durch
mediale Hetze oder durch Fraktionsausschlussdrohungen und auch nicht durch
bürokratische Tricks abhalten lassen.“
## Emde kritisiert die Fraktionserklärung zum Antisemitismus
Kritiker werfen der Linken-Abgeordneten vor, nicht zum [2][Existenzrecht
Israels] zu stehen. Vor dem Hintergrund war spekuliert worden, dass sie
womöglich gar nicht Teil der neuen Linke-Fraktion im Berliner
Landesparlament werden könnte.
Am Dienstag bekannte sich die Fraktion bei ihrer konstituierenden Sitzung
ausdrücklich zum Kampf gegen [3][Antisemitismus], zum Schutz jüdischen
Lebens und zum Existenzrecht Israels. Alle Abgeordneten, auch Emde,
unterzeichneten eine entsprechende Erklärung.
In ihrem Instagram-Video kritisierte sie die Erklärung allerdings und
bemängelte unter anderem, sie nenne nur selektiv Details aus
Parteibeschlüssen zu dem Themenkomplex.
Nicht erwähnt werde darin etwa ein Beschluss der Linken, die das
israelische Vorgehen im Gazakrieg seit einem Parteitag im Juni offiziell
als „Völkermord“ bezeichnet. Zum Umgang mit ihr sagte Emde, sie sei
unfreiwillig zur Protagonistin eines Schmierentheaters geworden, inszeniert
unter anderem von SPD und Grünen. Die beiden Parteien führen aktuell
Sondierungsgespräche mit der Linken über eine mögliche
Regierungszusammenarbeit.
Die Berliner CDU erneuerte am Freitag ihre Kritik an den Sondierungen
zwischen Linkspartei, SPD und Grünen. Die zwischen den drei Parteien
geschlossene Antisemitismusvereinbarung sei „das Papier nicht wert, auf dem
sie steht“, erklärte deren kommissarischer Generalsekretär Lukas Krieger
unter Verweis auf Emdes neuen Post. Die Frage an SPD und Grüne sei, „wie
lange sie sich noch vorführen lassen wollen“.
Die Berliner CDU wirbt für ein Regierungsbündnis mit SPD und Grünen unter
ihrer Führung, was nach der Abgeordnetenhauswahl rechnerisch ebenfalls
möglich wäre. Auch die Bundes-CDU kritisiert die Linke in Berlin scharf und
wirft ihr Antisemitismus vor. Parteichef Friedrich Merz (CDU) rief SPD und
Grüne etwa auf, die Sondierungen zu beenden.
16 Oct 2026
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