# taz.de -- Situation der Berliner Linken: Die Basis diskutiert den Austritt
> Eine Podiumsdiskussion sollte für die linke Basis klären, ob sie sich
> gegen eine linke Regierung stellt. Diskutiert wurde dann aber die
> Revolution.
(IMG) Bild: Die radikalen Diskussionsteilnehmer*innen: Chiara Stenger, Simin Jawabreh, Fabian Lehr und Luis Cortés
Sollten sich radikal-linke Kräfte von der Linkspartei abspalten? Das war
eigentlich nicht die Frage, die am Dienstagabend im FMP1 besprochen werden
sollte. Dort, im Verlagshaus des Neuen Deutschlands, wollten linke
Basisorganisationen und Interessierte eigentlich diskutieren, ob sich
[1][die Linke an einer Regierung mit Grünen und SPD beteiligen] sollte. In
dem mit über 150 Personen brechend vollen Seminarraum schien in dieser
Frage allerdings schon von vornherein Einigkeit zu bestehen: nein.
Unter dem Motto „Regieren um jeden Preis?“ debattierten auf dem Podium
Linksradikale verschiedener Strömungen. Organisiert wurde es von LidL
(Linke in der Linken). Auch die Palästina-Aktivistin Hannah Bruns wirkte
mit. Die Linke prüft aktuell ihren Ausschluss aus der Partei.
Auf dem Podium moderierte der kommunistische Podcaster Fabian Lehr. Neben
ihm diskutierten Linke-Mitglied Chiara Stenger, die marxistische
Politologin Simin Jawabreh und Luis Cortés, Politikdoktorand und
BDS‑Unterstützer. Die BDS-Kampagne fordert den akademischen,
wirtschaftlichen und politischen Boykott Israels aufgrund der Unterdrückung
von Palästinensern, Kritiker werfen ihr Antisemitismus vor.
## Linken-Mitglied am wenigsten radikal
Schon eingangs wurde ersichtlich, dass sich niemand für eine Beteiligung an
einer rot-grün-roten Regierung einsetzen würde. Denn LidL-Unterstützerin
Stenger erklärte, dass ihr Zusammenschluss regierungskritische
Parteimitglieder bündele – womit sie noch die am wenigsten radikale
Position auf dem Podium unterstützte. „Einige von uns sagen grundsätzlich,
dass ein Bündnis mit anderen Parteien nicht funktioniert. Andere denken,
dass es nur in der aktuellen Haushaltslage keinen Sinn ergibt“, erklärt
sie.
Lehr, Jawabreh und Cortés gaben hingegen alle zu verstehen, dass die Linke
generell keine sozialistische Partei werden könne. „Die Jugend wünscht sich
einen radikalen Wandel. Aber die Linke ist dafür nicht die Partei“, meinte
Jawabreh. „Das reformistische Programm von heute ermöglicht den Faschismus
von morgen“, sagte Cortés und ging damit noch einen Schritt weiter. Als
Beispiel nannte er seine Heimat Chile. In dem südamerikanischen Land
[2][bekleidet aktuell der ultrarechte Sohn eines Nazis das Amt des
Präsidenten].
## Wohl doch keine Abspaltung
Nach zwei Stunden ging die Veranstaltung in eine Publikumsdiskussion über.
Linke der verschiedenen Organisationen diskutierten darüber, ob es sich
lohne, in der Partei zu bleiben. Unterstützer von LidL, Sol (Sozialistische
Organisation Solidarität) und Klasse gegen Klasse argumentierten für einen
Verbleib. Andere meinten, das sei „widersprüchlich“ und eine „falsche
Hoffnung“.
Ein Mann sprach aber auch die Gefahren einer Spaltung an: „Dass die KPD die
SPD in der Weimarer Republik zum Hauptfeind erklärt hat, machte linke
Kräfte schwach.“ Dann schaltete sich Hannah Bruns ein: Sie verkündete, dass
SPD und Grüne die [3][Sondierungsgespräche aufgrund der Teilnahme von
Vanessa Emde an der Linken-Fraktion unterbrechen]. Das Publikum jubelte und
klatschte.
Lehr, der im Vorhinein in einem Podcast seine Einschätzung verkündet hatte,
dass sich bald ein sozialistischer Flügel von der Linkspartei abspalten
werde, glaubte nach dieser Nachricht, dass „die Wahrscheinlichkeit dafür
drastisch gesunken“ sei. Es gibt also erst einmal keine U-Linke oder WASG
2.0.
14 Oct 2026
## LINKS
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## AUTOREN
(DIR) Malte Steinmüller
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