# taz.de -- Nach Sitzung der Berliner Linksfraktion: SPD und Grüne setzen Sondierungen aus
> Vanessa Emde wird Teil der Linksfraktion, nachdem sie sich gegen
> Antisemitismus ausgesprochen hat. SPD und Grüne fordern von der Linken
> eine Erklärung.
(IMG) Bild: Linken-Spitzenfrau Elif Eralp und Fraktionschef Tobias Schulze vor dem Beginn der Fraktionssitzung
Die Sondierungen für ein Linksbündnis in Berlin stehen auf der Kippe. Am
Dienstagabend erklärten die Spitzenkandidaten der SPD und Grünen, Steffen
Krach und Werner Graf, in einer gemeinsamen Mitteilung, „dass wir an dieser
Stelle die Sondierungen unterbrechen müssen“.
Grund für diesen Schritt sei, so SPD und Grüne, „dass die Linke in ihrer
Fraktion zu anderen Verabredungen gekommen ist“. Man müsse deshalb
bewerten, ob die Vereinbarung aus der vergangenen Woche noch gelte. „Wir
erwarten, dass die Linke uns deutlich macht, inwiefern sie unsere
getroffenen Vereinbarungen erstnehmen und umsetzen wollen“, so Krach und
Graf.
Die Verabredung, von der SPD und Grüne sprechen, ist die „Berliner
Vereinbarung zum Start der Sondierungen“, die am vergagenen Donnerstag im
Haus der Statistik vorgestellt worden war. Allerdings hatten SPD und Grüne
darüber hinaus auch verlangt, dass die umstrittene Abgeordnete Vanessa Emde
nicht Teil der Linksfraktion werden dürfe.
Emde, die in Neukölln ihren Wahlreis mit 46,2 Prozent direkt gewonnen
hatte, hatte auf einer Kundgebung vor einiger Zeit erklärt, Staaten hätten
kein Existenzrecht. Für SPD und Grüne ist damit klar, dass Emde das
Existenzrecht Israels geleugnet hat. Auch vor der konstituierenden
Fraktionssitzung der Linken am Dienstag hatten sie ihre Forderung nach
einem Fraktionsausschluss von Emde erneuert.
## Emde unterschreibt Fraktionserklärung
Vor Beginn der Sitzung um 14 Uhr hatte sich Linken-Spitzenkandidatin und
Co-Fraktionschefin Elif Eralp gegen öffentliche Warnungen von Kanzler
Friedrich Merz (CDU) vor einer von ihrer Partei geführten Landesregierung
verwahrt. „Was aus meiner Sicht nicht geht, ist, dass sich ein Herr
Bundeskanzler Merz hier in die Gespräche zur Regierungsbildung in Berlin
einmischt“, sagte sie. „Das halte ich für nicht akzeptabel.“
Auf ihrer Sitzung einigten sich alle anwesenden 44 Abgeordneten, eine
fehlte krankheitsbedingt, auf eine gemeinsame Erklärung, die die
Parteitagsbeschlüsse zum Schutz jüdischen Lebens und zum Existenzrecht
Israels noch einmal betonen. Auch Emde hat für diese Erklärung gestimmt.
In der Erklärung heißt es: „Wir sichern zu, unser politisches Handeln im
Abgeordnetenhaus an den demokratisch gefassten (grundsätzlichen)
Beschlüssen und Leitfäden unseres Landesverbandes und Bundesverbandes
auszurichten.“
Gemeint sind damit auch „Beschlüsse zu Antisemitismus, Rassismus, zum
Schutz jüdischen und palästinensischen Lebens und jeden Lebens sowie die zu
Israel und Palästina“. In einem weiteren Punkt heißt es: „Wir stehen zum
Existenzrecht Israels und für gleiche Rechte aller Menschen in Israel.“
Umgekehrt gelte dies auch für Palästina.
Eine klare Abgrenzung wird in dem Papier zur Hamas und anderen
islamistischen Terror-Gruppen vorgenommen, deren Gewalt verurteilt wird.
„Antisemitische Hassparolen, die Billigung des Terrors der Hamas oder
Forderungen nach der Auslöschung Israels“ seien zu unterbinden.
„Gruppierungen, die sich so äußern, werden niemals Partnerinnen der Linken
sein oder mit uns gemeinsam auf die Straße gehen.“
Gleichzeitig verteidigt die Linke die Versammlungsfreiheit: Es müsse
möglich sein, auf Demonstrationen für Frieden zu demonstrieren.
## Emde wird nicht ausgeschlossen
Vor dem Abschluss der dreieinhalb Stunden dauernden Fraktionssitzung waren
die Fraktionschefs Tobias Schulze und Elif Eralp noch einmal vor die Presse
getreten und hatten die Bedeutung der Vereinbarung in der Fraktion betont:
„Diese Erklärung ist die Grundlage unserer gemeinsamen Arbeit“, so Schulze
Zu Vanessa Emde erklärte Fraktionschef Schulze: „Sie ist jetzt Abgeordnete
und muss die Bedeutung, die sie als Abgeordnete für unsere Landespartei
hat, anerkennen.“ Mit ihrer Unterschrift habe sie dies getan. Elif Eralp
ergänzte, mit diesem Statement wolle man „in die weiteren Gespräche darüber
gehen, wie man die zentralen Probleme Berlins angehen und die Mietenkrise“
lösen kann.
Das nächste Treffen in den laufenden Sondierungen mit Grünen und SPD war
noch für den Abend angesetzt. SPD und Grüne haben dem nun einen Strich
durch die Rechnung gemacht. Wie es nun weitergeht, ist völlig unklar. Schon
am Montagabend hatte die Linke ihren ursprünglich für Freitag vorgesehenen
Parteitag um zwei Wochen verschoben, um sich mehr Zeit für Sondierungen
nehmen zu können.
Der Neuköllner Abgeordnete Rouzbeh Taheri sagte der taz im Anschluss an die
Fraktionssitzung, die Sondierungen hätten gezeigt, „egal, was man macht,
die SPD will immer mehr“. Gleichzeitig sagte er, das beschlossene Papier
sei „unbestritten“ gewesen, da es „die Beschlüsse der Partei“ zur Grundlage
habe. „Wenn die SPD mit dieser Erklärung nicht leben kann, ist es das
Problem der SPD“, so Taheri.
Schon vor der Entscheidung der Linksfraktion hatte sich die Reinickendorfer
SPD am Dienstag gegen eine Regierungsbeteiligung der Sozialdemokraten an
einem Bündnis mit Linkspartei und Grünen ausgesprochen. „Das Wahlergebnis
vom 20. September kann unmöglich als Regierungsauftrag an die SPD
verstanden werden“, wird SPD-Kreischef Gilbert Collé in einer Mitteilung
des Kreisverbandes zitiert. Die Partei solle stattdessen eine
Minderheitsregierung von Linken und Grünen dulden.
In einer Resolution heißt es, einer gemeinsamen Koalition fehle die
inhaltliche und finanzielle Grundlage: „Um den eigenen roten Linien und
inhaltlichen Überzeugungen treu zu bleiben, kann die SPD zum derzeitigen
Zeitpunkt auch keine Koalition mit Linken und Grünen eingehen.“
Auch Noch-Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey, die Teil der
Sondierungsgespräche ist, hatte sich zuletzt gegen ein Linksbündnis
ausgesprochen. Am Dienstag erklärte sie derweil ihre Bereitschaft, auch
weiterhin als Wirtschaftssenatorin zur Verfügung zu stehen. Dem Portal
web.de sagte sie auf die Frage, ob sie zur Verfügung stehe:
„Selbstverständlich. Das ist doch meine Stadt und es gibt noch genug zu
tun.“
13 Oct 2026
## AUTOREN
(DIR) Erik Peter
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