# taz.de -- Linkspartei nach der Berlin-Wahl: Die Linke muss sich ändern, wenn sie regieren will
       
       > Das Verhalten der Linkspartei erinnert in gewisser Weise an die
       > Unfähigkeit von Bundeskanzler Merz. Sicher ist: Sie muss schmerzhafte
       > Entscheidungen treffen.
       
 (IMG) Bild: Szenepartei in Berlin: Die Linke feiert wenige Tage nach der Landtagswahl
       
       Die Linkspartei in Berlin hat derzeit das gleiche Problem wie Friedrich
       Merz. Der war einst sozusagen [1][per Parteiplebiszit] als Kanzler für
       CDU-pur gekürt worden und kann seitdem nicht liefern. Bei der
       Bundestagswahl 2025 kam die CDU zusammen mit der CSU auf 28,6 Prozent, die
       Union wurde stärkste Fraktion im Bundestag. Das war es dann aber auch.
       
       Ganz ähnlich wie bei der Linken in Berlin, die zweifelsohne die Wahlen zum
       Abgeordnetenhaus gewonnen, neue Wähler:innenschichten erschlossen und
       durch ihre Spitzenkandidaten Elif Eralp eine identitätspolitische
       Repräsentanz im Angebot hatte wie keine andere Partei in Berlin.
       
       Darin ähnelt der Sieg der Linken auch dem von Manuela Schwesig (SPD) in
       Mecklenburg-Vorpommern, mit dem entscheidenden Unterschied, dass sich
       Schwesig von ihrer antiukrainischen Haltung gelöst hat und damit nach
       eigener – natürlich kalkulierter – Aussage, auf Stimmen aus dem sogenannten
       Friedenslager verzichtet hat. Das Wahlergebnis von 35 Prozent und eine
       konkrete, geräuschlose Regierungsoption sind ein Erfolg, von dem die Linken
       in Berlin derzeit nur träumen können.
       
       ## Dann schauen wir mal
       
       Denn Schwesigs Cleverness, den sie gleich am Wahlabend zeigte, fehlt der
       Linken und ihrer Spitzenkandidatin. Politiker:innen werden nicht
       gewählt, damit sie genau das umsetzen, was sie und ihre Partei so über die
       Jahre von sich gegeben haben. Sondern sie werden gewählt, damit sie
       regieren – und dann mal schauen, was geht. Dass sie dabei oft wie
       Sprechpuppen klingen, sei es hanseatisch wie einst Scholz oder
       populistenschwäbisch wie Özdemir, wird ihnen viel eher verziehen als das
       Herumeiern von Merz.
       
       Bei der Linken in Berlin kommt verschärfend hinzu, dass es sich um eine
       Szenepartei handelt. Was in der Szene an Personal und Diskurs noch strahlt,
       wirft plötzlich sehr dunkle Schatten, wenn die Machtfrage gestellt wird,
       also bislang Allmächtige und Besitzende um ihrer Pfründen fürchten müssen.
       
       Eine Szenepartei muss dafür einen Plan haben und den schmerzhaften Schritt
       gehen, diejenigen, die am meisten an den Erfolg geglaubt und möglicherweise
       auch am meisten für ihn geackert haben, rauszuschmeißen, wenn sie ihr
       schaden. Diese Leute standen gut in der Kneipe oder an manchem Wahlstand,
       aber das Scheinwerferlicht vertragen sie nicht.
       
       Dass die Linke diese Lektion aus der [2][Causa Andrej Holm] vor zehn Jahren
       nicht gelernt oder schlicht vergessen hat, ist bedauerlich. Mit dem
       fachlich fähigen Holm als Baustaatssekretär sähe der [3][Berliner
       Mietwohnungsmarkt] möglicherweise nicht ganz so kaputt aus, wie er heute
       ist. Aber der Mann mit SED- und MfS-Vergangenheit war als Person in dieser
       Position nicht haltbar.
       
       Was auch immer bei den laufenden Gesprächen zwischen Linken, Grünen und SPD
       herauskommt: Die Linke wird auf Dauer einer Legislaturperiode ohnehin nicht
       darum herumkommen, einen Teil ihrer Basis zu verraten. Wenn sie das nicht
       will oder kann, wäre sie nicht die erste Partei, die aus der Opposition
       heraus mehr bewirkt als in Regierungsverantwortung.
       
       1 Oct 2026
       
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