# taz.de -- Konsequenzen nach Wahlparty in Neukölln: Koçak sei „naiv“ und „überfordert“ gewesen
       
       > Nach Kritik gibt der linke Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak seinen Sitz
       > im Innenausschuss ab und räumt Fehler ein. Wie glaubwürdig ist das?
       
 (IMG) Bild: Ferat Koçak bei einer Rede über Antifa-Verbote im Bundestag
       
       Das ging schneller als bei manch anderem Politiker: Der Berliner
       Linken-Abgeordnete Ferat Koçak gesteht einen Fehler ein und kündigt an,
       seinen Sitz im Innenausschuss des Bundestags niederzulegen.
       
       „Ich bin weder kriminell, noch unterstütze ich organisierte Kriminalität“,
       schrieb er am Mittwochabend auf X. In dem Post betont er, dass er durch
       Kontakt zur Familie Remmo „weder Vorteile gewährt noch von ihnen Vorteile
       erhalten“ habe. Teile dieser Familie werden in Berlin mit Straftaten in
       Verbindung gebracht – vom Diebstahl einer 100 Kilo schweren Goldmünze aus
       dem Berliner Bode-Museum bis zum Einbruch in das Grüne Gewölbe in Dresden.
       
       Ein Mitglied der Familie, nämlich Issa Remmo, war bei der Linken-Wahlparty
       in Neukölln aufgetaucht und herausgeworfen worden, dessen Sohn
       veröffentlichte anschließend Chats mit Koçak aus der Vergangenheit. Dazu
       heißt es im Post des Abgeordneten: „Ich habe einen Fehler gemacht.“ Der
       Kontakt „entspreche nicht seinem Selbstverständnis“. Er sei „naiv“ und
       „überfordert“ gewesen.
       
       Der Zeit hat Koçak nun erzählt, wie er in Kontakt zu den Remmos gekommen
       sein will. Demnach habe er zu Beginn des Jahres einen Aufruf für einige
       Aktivist*innen gestartet, die neue Handys gebraucht hätten, nachdem die
       Polizei ihnen ihre eigenen weggenommen habe. Daraufhin soll Issa Remmo sich
       gemeldet haben, die Männer hätten sich verabredet und im Büro des Vaters
       getroffen.
       
       Erst dort hätte der Bundestagsabgeordnete Issa Remmo erkannt und auf seine
       Tätigkeit im Innenausschuss hingewiesen. Koçak habe gesagt, „dort arbeite
       er zum Thema Clankriminalität“ und dass er deshalb eigentlich gehen müsse.
       Nach spätestens 15 Minuten sei er wieder aus dem Büro draußen gewesen. Ob
       all das stimmt, ist schwer zu überprüfen.
       
       Die Tatsache, dass Koçak sich auch danach nicht von der Familie fernhielt,
       sondern Firas Remmo wenig später bat, eine seiner Bundestagsreden gegen den
       „Kampfbegriff Clan-Kriminalität“ zu teilen, bezeichnet er im Nachhinein
       „vielleicht“ als „Fehler“, heißt es in dem Bericht. Anschließend wurde der
       Abgeordnete zur Hochzeit von Remmos Bruder eingeladen, sei aber nicht
       hingegangen. Ob die Chats so verliefen, ist nicht abschließend bewiesen.
       
       ## Mehrmals getroffen, aber nicht erkannt
       
       Klar ist jedoch: Koçak hat am Wahlabend auch ein Selfie mit einem Mann
       gemacht, der den Drahtzieher des 7. Oktober als „heldenhaften Märtyrer“
       bezeichnet, [1][wie ein Video der NGO Democ] zeigt. Bei dem Mann handelt es
       sich um Ibrahim Ibrahim. Er vertritt das Vereinigte Palästinensische
       Nationalkomitee (VPNK) in Deutschland, das sowohl mit der Hamas als auch
       der Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP) zusammenarbeiten soll.
       Mitglieder der PFLP haben sich [2][ebenfalls am 7. Oktober beteiligt], die
       Organisation bezeichnet Ibrahim auf ihrer Website als „Genosse“.
       
       Obwohl Koçak in der Vergangenheit zusammen mit Ibrahim auf einer
       Demonstration in Neukölln aufgetreten ist und gegenüber der Welt bereits
       2025 behauptete, Ibrahim Ibrahim nicht zu kennen, sagte er der Zeit nun
       erneut, den Mann bei der Wahlparty nicht erkannt zu haben. „Ist Koçak nur
       naiv, oder erzählt er nicht die Wahrheit?“, fragt der Bericht. Was die
       Partei oder Fraktion der Linken über das Statement denkt, war am
       Mittwochabend nicht mehr herauszufinden. Auch Koçak selbst hat auf
       taz-Anfragen zuletzt nicht geantwortet.
       
       Um die „wichtige parlamentarische Arbeit“ seiner Fraktion im Bundestag
       nicht zu gefährden, lasse er seine Ausschusstätigkeit ruhen, teilte der
       Neuköllner auf X mit. Mit diesem Schachzug stellt Koçak bestimmt nicht alle
       Wähler*innen der Linken zufrieden, von denen [3][manche seinen
       vollständigen Rückzug gefordert hatten]. Die Grünen hatten seinen
       Ausschluss aus der Linksfraktion verlangt. Zugleich zieht der
       Linken-Abgeordnete damit eine deutlichere Konsequenz, als es andere
       Abgeordnete nach Skandalen tun – sei es [4][Philipp Amthor, der einen
       Rechtsradikalen beschäftigte], sei es [5][Olaf Scholz, der mit Cum-Ex in
       einen Milliardenskandal] verwickelt war.
       
       30 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://x.com/democ_de/status/1978445413620318643?s=20
 (DIR) [2] /Debatte-nach-Wahlsieg/!6211074
 (DIR) [3] /Wie-Berliner-Juden-und-Juedinnen-auf-die-Linke-schauen/!6216148
 (DIR) [4] /Philipp-Amthor-beschaeftigt-Mitglied-einer-extrem-rechten-Burschenschaft/!6107417
 (DIR) [5] /Verwicklungen-der-SPD/!5871477
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Lotte Laloire
       
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