# taz.de -- Vorgespräch über ein Linksbündnis: Nichts Genaues weiß man nicht
       
       > Linkspartei, Grüne und SPD vertagen sich. Neuköllns SPD-Bürgermeister
       > Hikel warnt vor Linksbündnis und fordert Mitgliederentscheid seiner
       > Partei.
       
 (IMG) Bild: Findet sich im Plenarsaal des Abgeordnetenhauses eine rot-grün-rote Koalition? Das sollten erste Gespräche klären
       
       Das Vorgespräch zu [1][Sondierungen zwischen Linkspartei, Grünen und SPD]
       ist am Donnerstag ohne Ergebnis zu Ende gegangen. Nach einem fünfstündigen
       Gespräch im Haus der Statistik nahe des Alexanderplatzes hieß es von den
       Verhandlern der drei Parteien, man wolle das vertrauliche Gespräch
       fortsetzen. Ob man sich bei dem als „konstruktiv“ bezeichneten Treffen beim
       Hauptthema annäherte, dem Umgang mit Antisemitismus in der Linkspartei,
       blieb genau offen wie ein nächster Gesprächstermin.
       
       Den SPDlern, die sich am Donnerstagmorgen auf den Weg zum Haus der
       Statistik gemacht hatten, gab ihr vormaliger Landeschef. Martin Hikel, via
       Interview noch eine Warnung vor einem Linksbündnis mit auf den Weg. „Das
       wird das Land Berlin in den Ruin treiben“, sagte der Süddeutschen Zeitung
       der Mann, den die SPD-Mitgliedschaft – nicht ein linksdominierter Parteitag
       – [2][2024 zum Vorsitzenden gemacht hatte].
       
       Hikel wandte sich gegen die Einschätzung, Kritik komme orchestriert von
       konservativen Kräften: „Was wir erleben, ist keine Hetzkampagne gegen die
       Linke, wie manche unken. Die Zivilgesellschaft hat Fragen“, sagte Hikel,
       der den Landesvorsitz und eine erneute Bürgermeisterkandidatur in Neukölln
       Ende 2025 niederlegte, [3][als er in seinem dortigen Kreisverband zu wenig
       Rückhalt sah].
       
       In dem Interview mit der Süddeutschen drängt Hikel darauf, die komplette,
       rund 17.500 Mitglieder starke Basis der Berliner SPD über ein Linksbündnis
       entscheiden zu lassen, so wie 2024 über den Parteivorsitz.
       
       ## Kritik auch von Grünen-Fraktionschefin und Bischof
       
       Anders als [4][gut zwei Dutzend frühere Führungskräfte] der Berliner SPD
       wenige Tage nach der Abgeordnetenhauswahl stellt sich Hikel zwar nicht
       gegen Gespräche – die ehemaligen Regierungsmitglieder und früheren
       SPD-Landesvorsitzenden hatten die abgelehnt. „Man muss mit den Linken
       sprechen“, sagte er, beschränkte das aber auf Sondierungen. „Aber es muss
       bereits vor der Aufnahme von Koalitionsverhandlungen zwingend ein
       Mitgliedervotum geben“, forderte Hikel.
       
       Die Vertreter der Grünen wiederum dürften zu Beginn des Vorgesprächs
       gekannt haben, was ihre Bundestagsfraktionschefin Katharina Dröge am Morgen
       den Fernsehsendern RTL und ntv sagte. „Das sind keine Einzelfälle, das ist
       ein strukturelles Problem“, äußerte sie sich zu Antisemitismusvorwürfen
       gegen die Linkspartei. Bedingungen für Gespräche über eine gemeinsame
       Landesregierung seien noch nicht erfüllt. „Wenn die Linke nicht deutlich
       macht, dass sie da wirklich mit aller Entschlossenheit und aller Härte
       gegen vorgeht, dann kann es diese Gespräche aus unserer Sicht so nicht
       geben“, sagte Dröge, die zum linken Parteiflügel der Grünen gehört.
       
       Was die Verhandler höchstens in ihren Gesprächsraum hereingereicht bekamen,
       war eine Positionierung des ranghöchsten deutschen Katholiken am späteren
       Vormittag. In der parallelen Pressekonferenz zu einem Treffen der deutschen
       Bischöfe in Fulda äußerte sich der Vorsitzende der Bischofskonferenz,
       Heiner Wilmer.
       
       Auf den Wahlsieg der Linkspartei angesprochen, sagt er: „Was mich sehr
       nachdenklich stimmt, ist, wie die Linke in Berlin mit der jüdischen
       Gemeinschaft umgeht. Wie plötzlich antisemitische Parolen und
       antisemitisches Verhalten nach vorne gebracht werden.“ Die katholische
       Kirche werde das nicht dulden. „Es kann nicht sein, dass Judenhass, egal ob
       von rechts oder von links, hier wieder eine Plattform bekommt.“
       
       1 Oct 2026
       
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