# taz.de -- Berliner Remmo-Familie: Der Kriminelle als neutrale Quelle
       
       > Im Kuddelmuddel um Kontakte des Berliner Linken-Politikers Ferat Koçak
       > sollte eines nicht vergessen werden: Die Familie Remmo hat eigene
       > Interessen.
       
 (IMG) Bild: Clan-Chef Issa Remmo auf der Beerdigung von Nidal R
       
       Diskreditierungskampagnen funktionieren deshalb so gut, weil man die
       Gegenseite damit beschäftigt hält, Vorwürfe zu entkräften. Das ist
       aufwendig, denn die meisten gut geführten Kampagnen sind überzeugend. Und
       die meisten schaffen es zumindest, ein Bild zu färben. Und es war inmitten
       des konservativen Kulturkampfs, wie es manche Medien nannten, absehbar,
       dass das Negative Campaigning gegen die Linke erst recht nicht mit ihrem
       Wahlsieg aufhören würde.
       
       Sicher ist es sinnvoll, sich die einzelnen Kritikpunkte gegen die Berliner
       Linke anzusehen. Aber weder handelte es sich größtenteils um sachlich
       vorgetragene Kritik [1][– Elif Eralp, die Spitzenkandidatin der Berliner
       Linken] wurde vom baden-württembergischen Innenminister der CDU
       „Clan-Bürgermeisterin“ genannt, noch ist dieser Moment politischen
       Wahnsinns als ein für sich stehendes Schauspiel zu betrachten.
       
       Das Unbehagen und die Zweifel wurden seitens der bürgerlichen Medien aber
       auch linken Akteur*innen so häufig artikuliert, dass im
       Mainstreamdiskurs hängen blieb: Antisemitismus macht die Partei
       regierungsunfähig. Zig Journalist*innen und Aktivist*innen
       versuchten zeitgleich, dagegenzuhalten und das mediale Framing sowie die
       antilinken Bashings zu analysieren.
       
       Jetzt lassen sich Fotos und Screenshots schlecht entkräften, erst recht,
       wenn sie belegen, dass [2][Ferat Koçak], Linken-Parteimitglied und MdB
       wissentlich mit dem Sohn einer Größe der Organisierten Kriminalität (OK)
       chattet. Ich finde es nicht verwunderlich, dass Politiker*innen
       [3][mit Personen aus dem OK-Bereich Berührungspunkte] haben. Das mag
       abgebrüht klingen. Aber jahrzehntelanger Rassismus und die ethnischen
       Einfärbungen von Clankriminalität ließen es sicher zu, dass man sich in
       schwachen Momenten gemeinsamer Anti-Establishment-Gedanken plötzlich auf
       einer Seite wähnte.
       
       ## Organisierte Kriminalität ein Polizeibegriff
       
       Der Skandal, der folgte, ist teilweise auch nachvollziehbar. So „divers“
       die Organisierte Kriminalität in Deutschland ist, so sehr ist sie
       gekennzeichnet von faschistischen, patriarchalen und streng konservativen
       Ideologien. Damit sollte man als politische Linke natürlich nicht flirten.
       Hier sei angemerkt, dass Organisierte Kriminalität ein Polizeibegriff ist,
       den man kritisch betrachten muss.
       
       Aber der, der die Chats postete, war kein neutraler Mitspieler. Es war
       Firas Remmo selbst. Und meine Frage ist: Warum? Wie profitiert der Sohn von
       Issa Remmo davon, die Chats mit Ferat Koçak zu posten? Wenn da eine
       politische oder kollegiale Nähe wäre, dann würde man sich gegenseitig doch
       nicht in die Pfanne hauen?
       
       Kein einziger Artikel, kein Kommentar erwähnt kritisch, dass das Motiv
       dieser Chat-Offenbarung unklar ist. Und dass Firas Remmo die Diffamierung
       gegen Ferat Koçak damit vorantreibt. Und altlinke Akteur*innen springen
       aufgescheucht auf den Zug auf. Es wird der Parteiausschluss von Koçak
       gefordert und eine Distanzierung der Parteispitze. Und so werden die
       gefährlichen Remmos, die man eigentlich meiden sollte, zur neutralen Quelle
       ohne Eigenmotiv.
       
       Dabei verstehen Issa Remmo und sein Sohn doch ganz klar, wie ihre Präsenz
       auf einer Wahlparty oder ihr Kontakt mit der Linken medial eingeordnet
       wird. Dennoch haben Medien aller politischen Richtungen die Vorfälle so
       behandelt, als wären sie Anzeichen oder direkt Anlass für eine innerlinke
       Auseinandersetzung.
       
       Dabei sieht es nach einer Strategie aus, die Linke genauso wie die CDU als
       eine Partei zu behandeln, die man für die eigenen Interessen nutzen will.
       
       2 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Die-gefaehrlichste-Frau-Deutschlands/!6215638
 (DIR) [2] /Konsequenzen-fuer-Kocak/!6218425
 (DIR) [3] https://www.morgenpost.de/berlin/article413222262/issa-remmo-berlin-clan-cdu-linke-abgeordnetenhaus-besuch.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Yasemin Said
       
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