# taz.de -- Neue Vorwürfe gegen Elif Eralp: Die Rote Hilfe ist wichtiger denn je
       
       > Eine linke Juristin war Mitglied einer linken juristischen Organisation,
       > wo ist der Skandal? Elif Eralp muss sich für nichts schämen – im
       > Gegenteil.
       
 (IMG) Bild: Stabile Linke unterstützen die Rote Hilfe
       
       Die Bemühungen bürgerlich-konservativer bis rechter Kräfte, eine von der
       Linkspartei geführte Landesregierung [1][in Berlin zu verhindern], sind
       fast schon lächerlich, so durchsichtig und verzweifelt muten sie an. Der
       neueste „Skandal“: Die Linke-Spitzenkandidatin Elif Eralp [2][war Mitglied
       der Roten Hilfe]. Schockschwerenot, eine linke Juristin ist Mitglied einer
       linken juristischen Organisation, wo gibt’s denn so was?
       
       Als Mitglied der Roten Hilfe sage ich: Das klingt sympathisch. Schließlich
       ist es in Zeiten des allgemeinen Rechtsrucks wichtiger denn je, [3][sich
       für linke Aktivist:innen einzusetzen], die unter politischer
       Verfolgung, Polizeigewalt, rechtem Terror leiden. Antifaschismus steht
       derzeit massiv unter Druck, dagegen ist Solidarität die wichtigste Waffe.
       Zumal juristischer Beistand für angeklagte Personen in einer Demokratie
       selbstverständlich und wünschenswert ist, auch wenn es um Linke geht, denen
       Straftaten vorgeworfen werden. Lobbyarbeit für die eigene Sache ist in der
       Zivilgesellschaft ebenfalls ganz normal, auch wenn die Sache Antifaschismus
       heißt.
       
       Warum also die Aufregung? Weil der Verfassungsschutz die Rote Hilfe als
       „linksextremistisch“ einstuft. Nun ist diese Einschätzung einer Behörde,
       die seit dem Nationalsozialismus von Nazis durchwandert ist wie keine
       andere, deren Aufgabe darin besteht, rechten Terror zu verharmlosen und
       Antifaschismus zu kriminalisieren, wenig überraschend. Für Linke sind
       Einschätzungen des Verfassungsschutzes, der [4][längst abgeschafft gehört,]
       nichts wert. Auch wenn sich scheinheiligerweise trotzdem positiv auf sie
       bezogen wird, sobald es um ein AfD-Verbot geht.
       
       Auch wenn der Verfassungsschutz das anders sieht: Links oder auch
       linksradikal zu sein, für eine andere, bessere, solidarische Gesellschaft
       einzutreten, ist nicht per se verfassungsfeindlich. Im Grundgesetz ist
       nicht festgeschrieben, dass wir für immer in einer kapitalistischen,
       inhumanen Ellbogengesellschaft leben müssen. Auch wenn manche das glauben
       machen möchten.
       
       Die Rote Hilfe ist nicht verboten, eine Mitgliedschaft darf daher kein
       Ausschlusskriterium für ein Regierungsamt sein, wie derzeit kolportiert
       wird. Schade also, dass Eralp in vorauseilendem Gehorsam vor einem Jahr
       dort ausgetreten ist und sich für ihre Mitgliedschaft rechtfertigt, statt
       den Verein weiterhin zu unterstützen.
       
       Im Gegensatz zum CDU-Politiker Kurt Georg Kiesinger, der Mitglied der NSDAP
       war, muss sich Eralp für nichts schämen – und Kiesinger ist sogar
       Bundeskanzler geworden. Im Gegenteil: Den Einsatz gegen rechts, dem die
       Anwält:innen der Roten Hilfe [5][und ihrer Vorgängerorganisation] seit
       der NS-Zeit verpflichtet sind, würde man sich auch von so manchem Politiker
       wünschen. Dann würden sich sicher auch die Wahlerfolge rechtsextremer
       Parteien in Grenzen halten. Die sind eine weitaus größere Gefahr für die
       Demokratie als antifaschistische Jurist:innen.
       
       30 Sep 2026
       
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