# taz.de -- Flucht nach Europa über Ceuta: Mächtige Feinde
> Sánchez ist der letzte Linke an der Spitze eines großen EU-Landes. Ging
> es den Mächtigen beim Massenansturm auf Ceuta eher um ihn als um die
> Flüchtenden?
(IMG) Bild: Spanische Armeesoldaten blockieren am 31. Juli 2026 den Zugang für Menschen, die von Marokko nach Ceuta kommen
Etwa 60.000 Menschen umschwimmen den Grenzzaun zwischen Marokko und der
spanischen Exklave Ceuta, mindestens 57 sterben dabei. Zwei Fragen bleiben
danach: Wie verzweifelt muss man sein, um sich auf dieses Unterfangen
einzulassen? Und: Wie inhuman sind diejenigen, die eben diese Verzweiflung
für Machtinteressen ausnutzen?
Die erste Frage ist schnell beantwortet: Nirgends in der Welt ist an einer
Grenze das Wohlstandsgefälle so groß wie zwischen Marokko und Spanien. Die
Versuchung, [1][den Weg ins vermeintliche Paradies] zu suchen, ist groß.
Wenn dann das Gerücht kursiert, Spanien würde niemanden abschieben, zieht
das Zehntausende an.
Doch Marokko ist kein Ort, der für die Einhaltung von Menschenrechten
bekannt ist. Deshalb schauen viele weg, wenn sich Tausende Menschen auf den
Weg in Richtung Grenze nach Ceuta machen, während der allmächtige König
Mohammed VI. nur 30 Kilometer entfernt sein Thronfest feiert.
Eigentlich sind die diplomatischen Beziehungen zwischen Marokko und Spanien
gerade gut. Die Regierung von Pedro Sánchez hat die Autonomielösung für die
besetzte ehemalige spanische Kolonie Westsahara anerkannt und ist damit
weit auf Mohammed VI. zugegangen. Warum lässt Marokko also nun [2][den
Massenansturm auf Ceuta] zu?
## Ein politischer Gegner soll weg
Geht es um spanische Energiedeals mit dem Erzfeind Algerien? Wohl kaum, die
sind nicht neu. Was neu ist: Sánchez – Vorsitzender der Sozialistischen
Internationalen – ist für viele ein Politiker, dessen es sich zu entledigen
gilt.
Er ist der letzte Linke an der Spitze eines großen EU-Landes. US-Präsident
Donald Trump und Benjamin Netanjahu hassen Sánchez. Er weigert sich, die
US-Truppen von Basen in Spanien aus operieren zu lassen, und spricht vom
„illegalen Krieg gegen den Iran“.
Zudem verurteilte Sánchez die Entführung von Venezuelas Präsidenten Nicolás
Maduro, wofür er Drohungen von Trump erntete. Ähnlich beliebt ist Sánchez
bei Netanjahu, dem er Völkermord in Gaza vorwirft.
Sánchez hat sich zu einer linken Leitfigur über Spaniens Grenzen hinaus
entwickelt – und wurde so zur Zielscheibe vieler. Auch rechtsextreme
Regierungen in Italien und Finnland reagieren mit Grenzkontrollen, als läge
Ceuta nicht außerhalb Schengens und auf einem anderen Kontinent, sondern
gleich nebenan. Am Ende stellt sich daher eine andere Frage: Was, wenn der
marokkanische Monarch nur ein Instrument der neofaschistischen,
trumpistischen Internationalen ist?
Transparenzhinweis: Der Begriff „Massensturm“ wurde nachträglich geändert
zu „Massenansturm“.
1 Aug 2026
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(DIR) Reiner Wandler
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