# taz.de -- EU-Reaktion auf Ceuta: Alle gegen Spanien
> Nach der Ceuta-Krise gerät Pedro Sánchez unter Druck. EU-Staaten fordern
> eine härtere Migrationspolitik, Spaniens Rechte spricht von einer
> „Invasion“.
(IMG) Bild: Spanische Soldaten befragen eine Person in Ceuta am 1. August
Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez fühlt sich verraten. Länder wie
Italien oder Finnland hätten Spanien nach dem Massenansturm von über 50.000
Immigranten auf die Exklave Ceuta an der nordafrikanischen Küste im Stich
gelassen, angetrieben von „Vorurteilen, Falschmeldungen, Unwissenheit oder
politischen Interessen“, schimpft der Chef einer Linkskoalition, nachdem
beide forderten, Spanien vom Schengenabkommen auszuschließen. Auf Betreiben
der rechtsextremen italienischen Regierung unter Giorgia Meloni
unterzeichneten zudem 22 der 27 EU-Staaten – darunter Deutschland – einen
Brief, in dem sie die spanische Migrationspolitik kritisierten und Brüssel
zu einem härteren Vorgehen gegen irreguläre Migration aufforderten.
„Wir haben die Pflicht, irreguläre Migration wirksam abzuschrecken und
unerbittlich zu bekämpfen“, betonten die europäischen Staats- und
Regierungschefs in ihrem Schreiben und werfen Spanien eine Politik vor, die
Immigranten anziehe, da sie „als Anreiz dient, wie etwa die Regularisierung
einer sehr großen Anzahl irregulärer Einwanderer“. Spanien hatte zu
Jahresbeginn einen Prozess gestartet, bei dem bis zu einer Million bereits
seit längerem im Lande lebende und arbeitende Immigranten Papiere erhalten
werden. Sánchez verteidigt dies immer wieder als Frage der „sozialen
Gerechtigkeit“.
„Die Europäische Union kann eine derart egoistische, polarisierende und
illegale Reaktion nicht zulassen“, beschwert sich der spanische Premier in
einem eigenen Schreiben an die EU. Darin verweist er auf die Statistiken,
denen zufolge zwischen 2021 und 2026 über Italien 478.600 irreguläre
Einwanderer in die EU kamen, über Spanien nur knapp halb so viele. Außerdem
erklärt er, dass für die restlichen EU-Länder keinerlei Gefahr bestand.
Denn die beiden spanischen Exklaven an der nordafrikanischen Küste, Ceuta
und Melilla, gehören nicht zum Schengenraum. Wer von dort auf die iberische
Halbinsel reist, muss die Schengen-Außengrenze passieren und wird deshalb
streng kontrolliert.
## Sánchez forderte ein dringendes Treffen
Sánchez forderte ein dringendes Treffen mit den EU-Innenministern, um zu
bekräftigen, dass die Sicherheit der EU-Außengrenzen eine gemeinsame
Verantwortung aller Mitgliedstaaten sei. Am Dienstag wird es nun zu einer
Videokonferenz und damit einem direkten Schlagabtausch kommen. Zu Hause
verliert die rechte und rechtsextreme Opposition kein Wort über die
Verantwortung Marokkos an der Krise. Stattdessen schießt sie sich auf
Sánchez ein und wirft ihm „verspätetes Handeln“ vor. So etwa der Chef der
größten Oppositionspartei, der konservativen PP, Alberto Núñez Feijóo. Er
reist zwei Tage nach dem Massenansturm pressewirksam nach Ceuta – als die
meisten Immigrant:innen die Stadt bereits wieder verlassen haben und
weitgehend Normalität herrscht.
Parallel zu Feijóos Besuch trafen auch mehrere Dutzend spanische Nazis in
Ceuta ein. Sie demonstrierten unter Polizeischutz gegen Sánchez und dem,
was sie „muslimische Invasion“ nennen. Es versammelten sich Hunderte
Gegendemonstranten. Ein bunter Haufen aller Kulturen und Religion, die in
Ceuta zu Hause sind – „Christen, Muslime, Atheisten gegen Faschisten“,
erklärte eine Teilnehmerin vor laufenden Kameras. „Ceuta vereint und nicht
geteilt“, riefen die überwiegend jungen Teilnehmer immer wieder.
Feijóos PP regiert in vier Regionen – Andalusien, Aragonien, Kastilien und
León sowie Extremadura – mit der rechtsextremen Vox. Gemeinsam kündigten
sie an, Hilfsorganisationen wie der Caritas die Förderung zu streichen, um
„zu verhindern, dass auch nur ein Euro öffentlicher Gelder an diejenigen
fließt, die diese Invasion unterstützen“. Vox fordert seit Jahren die
„Remigration“ von acht Millionen Menschen – auch von Eingebürgerten.
Parteichef Santiago Abascal droht: „Wenn die Regierung die Einwanderer
nicht ausweist, werden es die Spanier tun.“
2 Aug 2026
## AUTOREN
(DIR) Reiner Wandler
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