# taz.de -- Migration nach Spanien: Sturm auf Ceuta
> Bis zu 49.000 Menschen, vielleicht mehr, sollen innerhalb von 24 Stunden
> nach Ceuta gekommen sein. Es ist die bislang größte Krise um die
> spanische Exklave.
(IMG) Bild: Viele junge Menschen aus Marokko haben sich auf den Weg nach Ceuta gemacht, 30. Juli
Der seit Donnerstag anhaltende Ansturm von Migrant:innen auf Ceuta geht
auch Freitag weiter. Nach Angaben des spanischen Innenministeriums sind
innerhalb der letzten 24 Stunden bis zu 49.000 Menschen in der spanischen
Exklave angekommen. Juan Jesus Vivas, Präsident der autonomen Stadt Ceuta,
spricht von 34 Toten. Die meisten von ihnen starben bei dem Versuch,
schwimmend nach Ceuta zu gelangen.
Vivas schätzt die Zahl [1][der über das Meer und über die zeitweise
verwaisten Grenzübergänge gekommenen Menschen] sogar auf 60.000.
Marokkanische Grenzbeamte hatten ihre Posten an dem durchschnittlich sechs
Meter hohen und mit Stacheldraht bewehrten Zaun am Donnerstag vorübergehend
verlassen. Ihren spanischen Kollegen auf der anderen Seite blieb nichts
anderes übrig, als die auf sie zu stürmenden Menschen gewähren zu lassen.
Nach Konsultationen der marokkanischen und spanischen Regierungen sollen
mittlerweile beide Seiten des Grenzzauns wieder von bewaffneten Posten
bewacht werden.
## Junge Männer, Mütter mit Kindern, Migranten aus Subsahara
In Fnideq, einer neben Ceuta liegenden marokkanischen Kleinstadt, warteten
am Freitagnachmittag noch Tausende darauf, ebenfalls über das Meer nach
Ceuta zu gelangen. Darunter sind neben jungen Männern laut lokalen
Freiwilligen des Roten Halbmondes auch viele Mütter mit Kindern und viele
Migranten aus Subsahara-Afrika. [2][Wegen der mit europäischen Geldern
modernisierten Küstenwachen Tunesiens und Libyens] versuchen auch
[3][Bürgerkriegsflüchtlinge aus dem Sudan] seit Jahresbeginn vermehrt, über
Marokko nach Europa zu gelangen.
Diejenigen, die es am Donnerstag nach Ceuta geschafft hatten, kamen meist
nur mit dem, was sie am Leibe trugen. In der Nacht auf Freitag
übernachteten Tausende auf den Bürgersteigen und Stränden der
83.000-Einwohner-Stadt. Nach nur einem Tag der Krise werden bereits die
Lebensmittel knapp, warnen lokale Hilfsorganisationen.
Soldaten patrouillieren mit gepanzerten Fahrzeugen und Maschinengewehren
auf den Hauptstraßen. Die Ausrufung des nationalen Notstandes ist für diese
Situation gesetzlich nicht vorgesehen. Es sollen aber weitere
Militäreinheiten nach Ceuta verlegt werden. Am Freitag reiste
Premierminister Pedro Sánchez selbst in die Exklave und beriet sich mit den
lokalen Behörden.
## Bisher größte Krise um umstrittene Exklave Ceuta
Sánchez gibt sich, wie auch der marokkanische König Mohammed VI., bisher
auffällig schweigsam. Dabei ist dies die bisher wohl größte Krise um die
Exklave, die wie auch Melilla zwischen den beiden Ländern höchst umstritten
ist.
Marokko fordert seit Langem die [4][Übergabe von Ceuta und Melilla].
Spanien versucht mit einem Annäherungskurs gegenüber Marokkos Erzfeind
Algerien zu kontern. Erst vor einer Woche war Premier Sanchez in Algier, um
die Ausweitung der Öl- und Gaslieferungen aus dem rohstoffreichen Land zu
vereinbaren.
Da Algerien die marokkanische Annexion der Westsahara ablehnt und den dort
aktiven Rebellen der „Frente Polisario“ Schutz bietet, befinden sich
Marokko und Algerien in einem kalten Krieg.
## Ursachen für Massenansturm unklar
Spanien hatte sich jahrelang auf die algerische Seite geschlagen. [5][Bis
im Mai 2021 mehr als 8.000 Menschen auf ähnlichen Wegen wie jetzt in
Spaniens Exklaven strömten]. Das Druckmittel wirkte. Mittlerweile
unterstützt Madrid, das bis 1975 die Westsahara als Kolonialmacht
ausbeutete, den marokkanischen Autonomieplan. Und damit de facto den
Verbleib des uranreichen Wüstengebietes bei Marokko.
Die Bewohner von Fnideq berichten von heftigen Auseinandersetzungen
zwischen den aus dem ganzen Land herbeigeströmten Jugendlichen und lokalen
Polizeieinheiten. Diese hatten am Donnerstagmorgen versucht, daraufhin die
Stadt zu räumen. Die Wracks der bei den folgenden Straßenschlachten
angezündeten Polizeiautos zeugen davon, dass es dieses Mal wohl nicht
Marokko war, das politischen Druck auf Spanien machen will.
In marokkanischen Staatsmedien ist von kriminellen Banden die Rede, die auf
sozialen Medien junge Marokkaner und Migranten nach Ceuta gelockt hätten.
Andere halten einen spanischen Gerichtsbeschluss für die Ursache. Demnach
dürfen schwimmend angekommene Migranten nicht ohne individuelle Prüfung
abgeschoben werden. Das Urteil dürfte [6][dem am Freitag getroffenen
Abkommen zwischen Madrid und Tanger] im Weg stehen, das die Rückkehr aller
Migranten in Ceuta nach Marokko vorsieht.
31 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Migration/!6200609
(DIR) [2] /Angriff-auf-Sea-Watch-5/!6178997
(DIR) [3] /Neue-Zuspitzung-in-Sudans-Krieg/!6193695
(DIR) [4] /Spaniens-Grenze-zu-Marokko/!5885690
(DIR) [5] /Marokkaner-erreichen-spanische-Exklave/!5767682
(DIR) [6] https://www.moroccoworldnews.com/2026/07/332039/spain-morocco-agree-on-return-of-migrants-who-entered-ceuta-irregularly/
## AUTOREN
(DIR) Mirco Keilberth
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