# taz.de -- Nach Ansturm auf spanische Exklave: Nahezu alle Migranten haben Ceuta wieder verlassen
> Mehr als 50.000 Menschen drängten nach Ceuta – jetzt sind laut spanischer
> Regierung fast alle zurück in Marokko. Die EU bewertet die Entwicklungen.
(IMG) Bild: Ceuta: Spanische Polizei eskortiert Geflüchtete zurück zur Grenze nach Marokko
afp/dpa | Die Migrationskrise in der spanischen Nordafrika-Exklave Ceuta
ist nach Angaben der spanischen Regierung [1][nach dem Andrang von
mindestens 50.000 Menschen] nun praktisch überwunden. „Nahezu alle, die in
Ceuta angekommen waren, sind inzwischen wieder nach Marokko zurückgekehrt“,
schrieb Außenminister José Manuel Albares auf X. Mindestens 67 Migranten
seien bei Grenzüberquerung nach Ceuta gestorben, so Spaniens Innenminister
Fernando Grande-Marlaska.
Die Integrität des Schengen-Raums sei gewährleistet. Es sei nicht möglich,
auf das spanische Festland zu gelangen, ohne sich auszuweisen, erklärte
Albares nach Kritik anderer Staaten der Europäischen Union. Er kritisierte
die „interessengeleitete Verwirrung“ rund um die Krise – ohne direkt auf
eine bestimmte Regierung hinzuweisen. Zuvor hatte Italien angekündigt, das
Schengen-Abkommen über den freien Personenverkehr in der EU gegenüber
Spanien vorübergehend auszusetzen.
## EU will die Entwicklungen in Ceuta bewerten
EU-Migrationskommissar Magnus Brunner schrieb auf X, Albares habe ihm in
einem Telefonat erzählt, dass „praktisch alle, die nach Ceuta eingereist
waren, zurückgekehrt sind“. „Keine einzige Person hat die Grenze zum
EU-Festland überschritten.“ Man bleibe in engem Kontakt.
Am Samstag wollen sich Experten der EU-Mitgliedstaaten über die
Entwicklungen austauschen, wie ein Sprecher der irischen
Ratspräsidentschaft zuvor mitgeteilt hatte. Am Montag folge ein Treffen der
Botschafter der EU-Staaten, um die Entwicklungen zu bewerten und die
Koordinierung zu erleichtern.
## Freiwillig die Rückreise angetreten
Angesichts kaum vorhandener Aussichten auf eine Weiterreise sowie fehlender
Unterkunft und Versorgung hätten die Menschen enttäuscht und freiwillig die
Rückreise angetreten, berichtete die Zeitung El País. Trotzdem versuchten
am Freitag weitere Hunderte Menschen, in die beiden spanischen Exklaven
Ceuta und Melilla zu gelangen, wie Medien berichteten.
[2][An der Grenze zwischen Marokko] und Melilla kam es laut dem staatlichen
Fernsehsender RTVE zu Auseinandersetzungen mit Beamten. Mehrere Menschen
hätten Steine auf die Sicherheitskräfte geschleudert, während diese
Tränengas eingesetzt hätten. Zunächst war unklar, ob einige der Migranten
nach Melilla gelangt waren. In Ceuta, wo die Menschen in den vergangenen
Tagen überwiegend schwimmend ankamen, verhinderten spanische Soldaten den
Zugang vom Meer zum Strand.
## Spanien: Solidarität ist freiwillig, europäische Verträge nicht
Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez konterte die Kritik einiger
EU-Mitgliedstaaten an der spanischen Migrationspolitik. Er rief dazu auf,
an einem starken und geeinten Europa weiterzubauen – und Europa nicht zu
spalten. „Solidarität und Mitgefühl sind freiwillig“, schrieb er auf der
Plattform X. Die Achtung der europäischen Verträge sei es jedoch nicht.
Italien hat nach Angaben der rechten Regierung in Rom das Schengen-Abkommen
über den freien Personenverkehr in der EU gegenüber Spanien vorübergehend
ausgesetzt. Bei Reisen mit dem Flugzeug oder Schiff sollen wieder
Grenzkontrollen durchgeführt werden.
## Was ist der Schengen-Raum?
Der Schengen-Raum ist ein Gebiet in Europa, in dem Menschen grundsätzlich
ohne Grenzkontrollen reisen können. Dazu gehören insgesamt 29 Länder,
darunter EU-Staaten wie Deutschland und Frankreich, aber auch
Nicht-EU-Länder wie die Schweiz, Norwegen, Island und Liechtenstein. Ceuta
und Melilla gehören nicht zum Schengen-Raum. Ein dauerhafter Ausschluss
eines Landes aus dem Schengen-Raum gegen dessen Willen ist in den EU-Regeln
nicht vorgesehen.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bekundete Solidarität mit Spanien,
ließ aber zugleich die Kontrollen an der gemeinsamen Grenze verstärken.
Bundeskanzler Friedrich Merz forderte die spanische Regierung auf, die
Situation schnellstmöglich wieder in den Griff zu bekommen. „Der Schutz der
Außengrenzen der Europäischen Union ist entscheidend für die Bekämpfung
illegaler Migration“, betonte der CDU-Politiker.
## Barley dringt nach Migranten-Ankunft in Ceuta auf EU-Unterstützung für
Spanien
Die Vizepräsidentin des EU-Parlaments, Katarina Barley (SPD), drängte auf
Unterstützung der Europäischen Union für Spanien. „Möglicherweise wird
Migration von interessierter Seite strategisch als Druckmittel eingesetzt“,
sagte Barley der Funke Mediengruppe (Samstagausgaben). „Deshalb sollte die
EU jetzt geeint an der Seite Spaniens stehen und das Land dabei
unterstützen, die Situation vor Ort unter Kontrolle zu bekommen.“
Die FDP-Europapolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann forderte Spanien
dagegen auf, seine Grenzen zu schützen. „Die gesamte Außengrenze der
Europäischen Union zu schützen, ist die Voraussetzung für einen
funktionierenden Schengenraum“, sagte Strack-Zimmermann den Zeitungen der
Funke-Medien. Spanien müsse deswegen dafür Sorge tragen, „dass seine
Grenzen entsprechend geschützt sind“.
Wer den Grenzzaun von Ceuta überwinde, befindet sich noch nicht automatisch
im EU-Raum des freien Personenverkehrs, sondern müsse vor der Weiterreise
eine zusätzliche Grenzkontrolle passieren, sagte die FDP-Politikerin
weiter. „Und genau da liegt die Verantwortung Spaniens.“ Sollte Spanien
dabei die EU um Hilfe bitten, sollte die EU dem nachkommen, fügte
Strack-Zimmermann hinzu, „denn es gibt viele Instrumente der Unterstützung
für Spanien sowohl durch die EU als auch bilateral durch die
EU-Mitgliedsstaaten.“
## Ceuta ist kleiner als der Frankfurter Flughafen
Ceuta hat weniger als 85.000 Einwohner und ist mit einer Fläche von nur
18,5 Quadratkilometern etwas kleiner als der Frankfurter Flughafen. In der
Nacht auf Freitag hatten Tausende Migranten in Ceuta auf den Straßen
übernachtet.
1 Aug 2026
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