# taz.de -- Migration nach Ceuta: Marokkanische NGO fordert Untersuchung
       
       > Die marokkanische Menschenrechtsorganisation AMDH fordert, die
       > Geschehnisse in Ceuta aufzuarbeiten. Sánchez und Klingbeil mahnen
       > europäische Solidarität an.
       
 (IMG) Bild: Menschen im Wasser vor der spanischen Exklave Ceuta (31. 7. 2026)
       
       afp/rtr/dpa | Die marokkanische Menschenrechtsorganisation AMDH dringt nach
       dem Ankommen Zehntausender Migranten in der spanischen Exklave Ceuta in
       Nordafrika auf eine Untersuchung zum Auslöser des Geschehens. Eine „seriöse
       und unabhängige Untersuchung“ sei nötig, um „vollständige Klarheit über die
       Umstände und Ursachen“ zu gewinnen, erklärte die
       Nichtregierungsorganisation (NGO) am Samstag. Auch müssten
       „Verantwortlichkeiten“ festgestellt werden.
       
       Die AMDH spricht von „fast 130 Opfern“ und Dutzenden Vermissten im Zuge der
       Geschehnisse in der an Marokko grenzenden spanischen Exklave. Nach Angaben
       der spanischen Regierung kamen mindestens 67 Migranten auf dem Weg nach
       Ceuta ums Leben. Seit Wochenbeginn waren bis zu 60.000 Menschen von Marokko
       auf dem Land- oder Seeweg in das Gebiet gekommen, wie der spanische
       Innenminister Fernando Grande-Marlaska sagte. Nach Angaben seines
       Ministeriums [1][kehrte mittlerweile „fast die Gesamtheit“ der angekommenen
       Migranten nach Marokko zurück].
       
       Die oppositionelle marokkanische Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung
       (PJD) forderte ihrerseits die Einsetzung einer „nationalen Kommission“ zur
       „unparteiischen und transparenten Untersuchung“ der Ereignisse. Die
       gemäßigt konservative Partei des früheren Regierungschefs Abdelilah
       Benkirane verurteilte „mit Nachdruck das Schweigen der Regierung angesichts
       dieser schmerzhaften und bedauerlichen Ereignisse“.
       
       Die dramatischen Geschehnisse in Ceuta ließen Gräben in der EU bei der
       Migrationspolitik zutage treten. Mehrere Mitgliedstaaten forderten eine
       Dringlichkeitssitzung der Innenminister, um „massenhafte und
       unkontrollierte Grenzübertritte“ künftig zu verhindern. Die Sitzung soll
       [2][am Dienstag stattfinden].
       
       ## Sánchez spricht von „rechtswidriger“ Reaktion Italiens
       
       Spaniens Regierungschef Sánchez erhob seinerseits Vorwürfe. Besonders
       kritisierte er die Entscheidung Italiens vom Freitag, [3][das
       Schengen-Abkommen für Reisen nach Madrid für ‌einen Monat auszusetzen]. „Im
       aktuellen internationalen Kontext kann sich die EU diese Art von
       egoistischer, polarisierender und rechtswidriger Reaktion nicht leisten“,
       schrieb Sánchez in einem Brief an die Präsidenten der EU-Kommission und des
       Europäischen Rates.
       
       Unterstützend äußerte sich der deutsche Vizekanzler und SPD-Vorsitzende
       Lars Klingbeil. Das in Nordafrika gelegene Ceuta sei „Ziel einer offenbar
       gesteuerten Migrationsbewegung“ geworden, erklärte Klingbeil am Samstag in
       Berlin. Die Menschen seien instrumentalisiert worden „in dem Versuch,
       Europa zu spalten“. Deshalb stehe „die Geschlossenheit Europas und die
       Solidarität mit Spanien jetzt an erster Stelle“.
       
       Auch forderte er, genau zu klären, „was zu dieser Bewegung geführt hat und
       wer dafür verantwortlich war“. Zudem verwies der SPD-Chef darauf, dass
       viele Kritiker Spaniens bewusst ignorierten, „dass von Ceuta aus keine
       Einreise ohne Grenzkontrollen auf das europäische Festland möglich ist“.
       
       ## Spaniens migrationspolitischer Kurs
       
       Spanien verfolgt im ⁠Gegensatz zu vielen anderen europäischen Ländern einen
       offeneren Kurs in der Migrationspolitik und plant, mehr als 500.000
       Menschen ohne Papiere ein Aufenthaltsrecht zu gewähren. ‌Die Regierung wies
       jedoch Vorwürfe zurück, dieses Programm ‌habe den Ansturm ausgelöst.
       Antragsteller müssten nachweisen, dass sie bereits vor dem 1. Januar 2026
       in Spanien gelebt hätten.
       
       Auch hatte der spanische Oberste Gerichtshof zuletzt geurteilt, dass
       denjenigen Menschen eine Einzelprüfung auf Asyl zustehe, die beim
       irregulären Grenzübertritt über einen unbefestigten Abschnitt wie das Meer
       nach Spanien gelangen. Eine sofortige Zurückweisung von Migranten ist
       demnach nur dann zulässig, wenn ein Zaun oder eine andere Sperre überwunden
       werden muss.
       
       [Anm. d. Red.: In einer verirrten Überschrift wurde Trump erwähnt, ohne,
       dass er im Artikel vorgekommen ist. Wir versuchen tunlichst, den orangen
       Elefanten im Weißen Haus möglichst selten zu erwähnen und haben das
       korrigiert.]
       
       2 Aug 2026
       
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