# taz.de -- Reformpaket der Koalition: Gesetz für 150 Unternehmen
> Die Koalition hat in ihrem Reformpaket beschlossen, dass nur noch wenige
> große Unternehmen auf Menschenrechte in der Lieferkette achten müssen.
(IMG) Bild: Für die Menschen in den Texttilfabriken wird sich durch das neue Gesetz nichts weiter verbessern – im Gegenteil
Die SPD konnte sich nicht durchsetzen gegen den Koalitionspartner: Das
Lieferkettengesetz soll in Zukunft nur noch für wenige Unternehmen gelten.
In dem am Donnerstag vorgestellten Beschluss des Koalitionsausschusses, in
dem die Regierung ihre Reformvorhaben präsentierte, gibt es nur einen
kleinen Absatz dazu.
Die [1][Ende letzten Jahres beschlossene EU-Lieferkettenrichtlinie] soll
eins zu eins umgesetzt werden, heißt es dort. In Deutschland gibt es mit
dem Lieferkettengesetz bereits ähnliche Regeln, die Unternehmen dazu
verpflichten, ihre Lieferketten nach Umwelt- oder Menschenrechtsrisiken zu
überprüfen, ein Beschwerdesystem einzurichten und auf Verstöße zu
reagieren.
Die CDU hatte sich in Europa dafür eingesetzt, dass die europäischen
Regeln, die dann alle Mitgliedstaaten umsetzen müssen, stark abgeschwächt
werden – mit Erfolg: Sie sollen nun nur noch für Unternehmen mit mindestens
5.000 Beschäftigten und einem weltweiten Jahresnettoumsatz von mehr als 1,5
Milliarden Euro gelten.
Es gibt eine Klausel in der europäischen Richtlinie, die eigentlich eine
Schwächung bestehender Gesetze verhindern soll. Ein [2][Gutachten im
Auftrag des zivilgesellschaftlichen Bündnisses „Initiative
Lieferkettengesetz“] hält die Abschwächung daher für rechtswidrig. Denn
eine Eins-zu-eins-Umsetzung heißt: Zukünftig sollen nur noch etwa 150
Unternehmen ihre Lieferketten kontrollieren – etwa 10 Prozent der Firmen,
die einst verpflichtet wurden.
Die zuständige Kontrollbehörde hat bislang positive Bilanz gezogen, die
Unternehmen hätten sich überwiegend an die Umsetzung der Vorgaben gemacht.
Ökonomen betonen, Transparenz führe zu resilienteren Lieferketten. Auch
Menschenrechtsorganisationen erklären, das Gesetz wirke. Es habe etwa dazu
geführt, dass [3][Unternehmen erstmals mit Gewerkschaften ins Gespräch
kamen].
Cornelia Heydenreich von der NGO Germanwatch kritisierte den Beschluss als
Symbolpolitik, der an den tatsächlichen Ursachen der wirtschaftlichen
Schwäche in Deutschland vorbeigehe. Sofie Kreusch, Koordinatorin der
Initiative Lieferkettengesetz kommentiert den Beschluss als „Schlag ins
Gesicht“ für Betroffene von Menschenrechtsverletzungen, Gewerkschaften und
Arbeiter*innen weltweit.
3 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] /EU-Parlament-schwaecht-Lieferkettengesetz/!6138820
(DIR) [2] https://lieferkettengesetz.de/wp-content/uploads/2026/03/260325_Rechtsgutachten_Umsetzung_CSDDD_in_DE.pdf
(DIR) [3] /Test-fuers-Lieferkettengesetz/!6162831
## AUTOREN
(DIR) Leila van Rinsum
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