# taz.de -- Vorwürfe gegen Kupferhütte Aurubis: Verursacht Kupfer aus Hamburg Krebserkrankungen in Peru?
       
       > Aurubis-Konzern will die Herkunft seines Kupfers nicht offenlegen.
       > Behörden prüfen nun, ob ein Verstoß gegen das Lieferkettengesetz
       > vorliegt.
       
 (IMG) Bild: Vorfahrt für den Profit: Die Mine Antapaccay steht unter Verdacht, das Trinkwasser zu verseuchen
       
       Zur Aktionärsversammlung am Donnerstag droht der Hamburger Kupferhütte
       Aurubis Ärger: Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa)
       prüft Vorwürfe, nach denen Europas größter Kupferproduzent über Jahre
       Kupfererz von Bergbauunternehmen in Peru bezogen haben soll, das unter
       Verletzung von Menschen- und Umweltrechten gefördert, verarbeitetet und
       verschifft wurde. Damit hätte Aurubis gegen das deutsche Lieferkettengesetz
       verstoßen.
       
       Vieles deutet darauf hin, dass das der Fall ist. Das katholische Hilfswerk
       Misereor hat deswegen beim Bafa Beschwerde eingereicht. Nicht gegen die
       peruanischen Bergbaukonzerne, die über das Unternehmen Antamina den
       Verladehafen Puerto Huarmey betreiben, dreihundert Kilometer nördlich der
       Hauptstadt Lima gelegen. Sondern gegen die Hamburger Firma Aurubis, Europas
       größten Kupferimporteur und -recycler.
       
       Peruanische Nichtregierungsorganisationen wie CooperAcción und Red Muqui
       haben seit 2015 immer wieder an das Hamburger Unternehmen appelliert,
       offenzulegen, aus welchen Minen es sein Kupfererz bekommt. Gegen mehrere
       Minen, aus denen Aurubis mutmaßlich Kupfererz bezogen hat, wie Las Bambas
       oder Antapaccay, liefen und laufen Verfahren wegen der Kontaminierung von
       Trinkwasserquellen.
       
       Bei Protesten 2012 und 2015 gegen die beiden genannten Minen starben
       wiederholt Menschen, sagt Jaime Borda, Koordinator des Red Muqui. Borda,
       aber auch mehrere seiner Kollegen von CooperAcción, einer in Lima
       ansässigen kritischen Entwicklungsorganisation, sind mehrfach mit Aurubis
       in Kontakt getreten. „Wir haben das Unternehmen aufgefordert, transparent
       zu machen, woher es sein Kupfererz bezieht“, so Borda.
       
       ## Lippenbekenntnis zu „Verantwortung in der Lieferkette“
       
       Das hat Aurubis immer wieder verweigert, auf Aktionärsversammlungen genauso
       wie beim direkten Gespräch. „Betriebsgeheimnis“, heißt es auch auf Anfrage
       der taz lapidar aus der Firmenzentrale auf der Hamburger Elbinsel Peute.
       
       Dabei gehört zur Nachhaltigkeitsstrategie des 2024 mit dem Deutschen
       Nachhaltigkeitspreis ausgezeichneten Kupferkonzerns „die Verantwortung in
       der Lieferkette“. Doch in der Realität muten diese Aussagen wie Worthülsen
       an. Das Unternehmen hat zwar ausdrücklich für lokale Bevölkerungsgruppen in
       der Nähe von Minen einen Beschwerdemechanismus eingerichtet. Doch für die
       Mitglieder indigener Gemeinden, die oft nur die lokale Sprache Quechua
       sprechen, ist er kaum zugänglich.
       
       Seit der Einführung des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes am 1. Januar
       2023 sind deutsche Unternehmen ab 1.000 Beschäftigten zudem verpflichtet,
       bestimmte menschenrechtliche und umweltbezogene Standards in ihrer
       Lieferkette einzuhalten. Aurubis mit rund 7.000 Beschäftigen und einem
       Umsatz von rund 14 Milliarden Euro gehört dazu.
       
       Deshalb war Jaime Borda vom Red Muqui im Februar 2023 zuversichtlich, dass
       Aurubis nun Einblick in seine Lieferkette geben und klarstellen würde,
       woher das Kupfer kommt, welches es aus Peru bezieht. Doch Aurubis, das
       zwischen 2019 und 2023 laut Recherchen der Christlichen Initiative Romero
       Tausende Tonnen Kupfererz aus einer Mine in Panama importiert hat, die Ende
       2023 vom Verfassungsgericht wegen Umweltrisiken geschlossen wurde, weigerte
       sich. Aus „wettbewerbsrechtlichen und vertraglichen Gründen“ veröffentliche
       man keine Informationen zu „Lieferanten, konkreten Minen und Bezugsmengen“,
       so heißt es aus der Presseabteilung des Unternehmens.
       
       Gründe, weshalb das Red Muqui und CooperAcción weiter recherchierten und
       die Mine Antamina unter die Lupe nahmen. Sie trafen auf Estela Rojas, die
       seit 2011 mit Schilddrüsenkrebs lebt. Ihr Mann leidet an Darmkrebs. Wie die
       beiden haben Dutzende Bewohner der kleinen Hafenstadt Puerto Huarmey bei
       ihren Blutwerten hohe Schwermetallwerte. „Jeden Monat stirbt bei uns ein
       Mensch an seiner Vergiftung“, sagt Rojas.
       
       „Bei sehr vielen Kindern und Erwachsenen unserer Gemeinden konnte Arsen im
       Blut festgestellt werden und die Ärzte empfehlen uns dringend, unsere
       Heimat zu verlassen“, erklärt Rojas gegenüber dem Red Muqui und Misereor.
       Die beiden Organisationen haben im November 2025 zwei Beschwerden gegen den
       Hamburger Metall-Konzern Aurubis beim Bundesamt für Wirtschaft und
       Ausfuhrkontrolle eingereicht.
       
       „Die ist vor wenigen Tagen als begründet angenommen worden“, sagt Mattes
       Tempelmann, Misereor-Berater für Bergbau, Ökologie und Menschenrechte, der
       taz. Nun wird das Bundesamt eine Prüfung in die Wege leiten. Wahrscheinlich
       ist, dass Aurubis dann Einblick in die Einkaufspraxis geben und nachweisen
       muss, ob und wie es seinen Sorgfaltspflichten zur Wahrung der
       Menschenrechte und der Umwelt in und um Puerto Huarmey nachgekommen ist.
       Ein erster Etappenerfolg aus Perspektive der Opfer, die nun hoffen dürfen,
       dass die Ursachen der Kontaminierung abgestellt werden und ihnen
       Entschädigungen zugebilligt werden.
       
       Für die Aktionäre von Aurubis ist das keine gute Nachricht, zumal zwei
       weitere Beschwerden im Rahmen des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes
       anhängig sind: eine in Peru und eine in Mexiko. Das Pochen auf
       vermeintliche Geschäftsgeheimnisse könnte den Kupferkonzern noch teuer zu
       stehen kommen.
       
       10 Feb 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Knut Henkel
       
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