# taz.de -- Aushöhlung des Lieferkettengesetzes: Reiche in Habecks Fußstapfen
> Im Interesse großer Konzerne wird die Lieferkettenrichtlinie Schritt für
> Schritt zurückgeschraubt. Was unter den Grünen anfing, geht mit der Union
> weiter.
(IMG) Bild: Textilfabrik in Bangladesch – durchgesetzt hat sich das Prinzip: Profit vor Menschenrechten
Wieder einmal und wenig überraschend richtet Wirtschaftsministerin
Katherina Reiche (CDU) ihre Politik nach den Wünschen der fossilen Lobby
aus. Wie Recherchen von der Frankfurter Rundschau und FragDenStaat zeigen,
nahm sie an mehreren Treffen mit einer Lobbygruppe teil, die [1][die
europäische Lieferkettenrichtlinie aushöhlen wollte.]
Zur Erinnerung: [2][Das Gesetz] verpflichtet Unternehmen dazu, entlang
ihrer Lieferketten für die Einhaltung von Menschenrechten zu sorgen. In
einem Schreiben fordern die Erdölkonzerne ExxonMobil, Chevron und Koch
Industries die Ministerin dazu auf, die Richtlinie so zu ändern, dass sie
nur Unternehmen mit einem Jahresumsatz ab 1,5 Milliarden Euro betrifft –
wenn Reiche die Regeln schon nicht ganz absägen kann.
Dieser Wunsch schaffte es dann auch in die Neuauflage der Richtlinie der
Europäischen Union, die Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU)
veranlasste – und die der deutsche CSU-Politiker Manfred Weber mit den
Rechtsextremen Ende 2025 durchs Parlament brachte.
Das Lieferkettengesetz ist ein Paradebeispiel dafür, wie Deutschland immer
wieder die Interessen der besonders mächtigen Wirtschaftslobby durchsetzt,
der fossilen oder auch der großen Verbände der Industrie (BDI und DIHK),
der Arbeitgeber (BDA), der Autos (VDA). Die waren von Anfang an gegen das
deutsche Lieferkettengesetz und die europäischen Regeln.
## Überall offene Türen
Die Lobby der Großkonzerne rennt aber bei Weitem nicht nur bei FDP- und
CDU-Spitzenpolitiker*innen offene Türen ein. Auch ein Robert Habeck
(Grüne), der sich eigentlich lieber an Küchentischen in deutschen
Wohnzimmern inszeniert, stand Ende 2024 – noch als Vizekanzler und
Wirtschaftsminister – auf großer Bühne vor CEOs und Managern und sagte, das
Lieferkettengesetz könne nicht verbessert werden, da helfe nur noch, „die
Kettensäge anzuwerfen und das ganze Ding wegzubolzen“. Unterstützung hatte
er auch von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD).
Bereits unter Habeck blockierte das Wirtschaftsministerium die
Kontrollbehörde Bafa und zog Personal ab, das zur Umsetzung des
Lieferkettengesetzes arbeiten sollte. Habeck verschob die Berichtspflichten
der Unternehmen per Weisung. Noch krasser geht es unter Merz und Reiche
weiter, heute arbeitet nur noch die Hälfte der Mitarbeitenden bei der Bafa,
das Wirtschaftsministerium hat angewiesen, Gesetzesverstöße nur noch in
Ausnahmefällen zu sanktionieren und Berichtspflichten zu streichen.
Die EU-Richtlinie ist auch dank des deutschen Einsatzes so weit abgesägt,
dass nur noch ein Kettenglied übrig ist, und es ist so klein, dass es in
Friedrich Merz’ Hosentasche passt. Es gilt nur noch für die allergrößten
Konzerne, die ihre direkten Zulieferer überprüfen sollen – in Deutschland
sind es dann 150 Unternehmen. Wie so häufig im Kapitalismus hat sich auch
hier wieder das Prinzip durchgesetzt: Profit vor Menschenrechten.
22 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Pflichten-fuer-Unternehmen/!6205777
(DIR) [2] /Zwei-Jahre-Lieferkettengesetz/!6060684
## AUTOREN
(DIR) Leila van Rinsum
## TAGS
(DIR) Katherina Reiche
(DIR) Lieferketten
(DIR) Reiche
(DIR) Wirtschaftspolitik
(DIR) Menschenrechte
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Lieferketten
(DIR) Ölkonzern
(DIR) Lieferketten
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Pflichten für Unternehmen: Wirtschaftsministerium sabotiert Lieferkettengesetz
Personalmangel, Weisungen von oben: Die Behörde, die die Achtung der
Menschenrechte in der Lieferkette sichern soll, arbeitet offenbar
eingeschränkt.
(DIR) Wer vom Krieg profitiert: Ölkonzern BP verdoppelt Gewinn
Der britische Konzern macht genauso wie andere Ölgiganten extrem hohe
Profite. Eine Übergewinnsteuer müssen sie in Deutschland bisher nicht
fürchten.
(DIR) Reformpaket der Koalition: Gesetz für 150 Unternehmen
Die Koalition hat in ihrem Reformpaket beschlossen, dass nur noch wenige
große Unternehmen auf Menschenrechte in der Lieferkette achten müssen.