# taz.de -- EU-Parlament schwächt Lieferkettengesetz: Jetzt muss die SPD standhaft bleiben
> Brüssel hat der Entkernung der Lieferkettenrichtlinie zugestimmt. Nun ist
> es an der SPD, eine Schwächung des deutschen Gesetzes zu verhindern.
(IMG) Bild: Die SPD, werden sie der sozialdemokratischen Tradition treu bleiben oder werden sie standhaft bleiben?
Es fällt schwer, die positive Nachricht anzuerkennen, aber es gibt sie: Mit
der Abstimmung im Europäischen Parlament ist endlich klar, es wird ein
europäisches Lieferkettengesetz geben. Sehr, sehr, sehr große Unternehmen
sind in Zukunft verpflichtet, auf Menschenrechtsverstöße in ihren
Lieferketten zu reagieren.
Sie dürfen nicht mehr wegsehen, wenn ihre Profite durch Zwangsarbeit oder
Umweltverschmutzung steigen. Und Gewerkschafterinnen und Menschenrechtler
haben [1][eine Grundlage, auf der sie sich bei diesen wenigen Unternehmen
und Behörden beschweren können], auf der sie auf Verbesserungen drängen
können.
Das ist nicht selbstverständlich. Denn zahlreiche Wirtschaftslobbyverbände
haben von Anfang an sehr viel Geld investiert, um dieses Vorhaben zu
kippen. Und sie haben viel erreicht. Zu Beginn der Verhandlungen sollten
die Regelungen noch für alle Unternehmen gelten, bis ins letzte
Lieferkettenglied, wo die schwersten Menschenrechtsverstöße stattfinden.
Jetzt sollen sie nun nur noch für Unternehmen mit mehr als 5.000
Mitarbeitenden und einem Jahresumsatz von mindestens 1,5 Milliarden Euro
gelten. In Deutschland wären das etwa 150 Unternehmen.
Sie sollen nur noch ihren ersten Zulieferer überprüfen. Auch die
Vereinfachung des Zivilrechts, um Geschädigten die Möglichkeit zu geben,
auf Wiedergutmachung zu klagen, wurde gestrichen. Stattdessen soll es bei
einem undurchsichtigen juristischen Dschungel für Betroffene – aber auch
Unternehmen – bleiben.
## Bündnis von Rechts und Rechtsaußen
Ein starkes europäisches Lieferkettengesetz, das für viele Unternehmen
gilt, hatte großes Potenzial – auch deswegen war es so hart umkämpft. Für
diese Abschwächung war der Verhandlungsführer und Fraktionschef der
Konservativen, Manfred Weber (CSU), auch bereit, [2][mit den ultrarechten
Fraktionen zu kooperieren].
Immerhin steht jetzt aber ein Gerüst, auf das weitsichtigere
Politiker*innen aufbauen können. Für Deutschland kommt es jetzt darauf
an, dass die SPD sich gegen den Koalitionspartner durchsetzt und das
deutsche, strengere Lieferkettengesetz nun nicht weiter abschwächt.
16 Dec 2025
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(DIR) Leila van Rinsum
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