# taz.de -- Ökonom:innen zu Reformpaket: Leichter gesagt als gewachsen
> Helfen die Beschlüsse des Koalitionsausschusses, die wirtschaftlichen
> Probleme zu lösen? Ökonom:innen geben unterschiedliche Antworten.
(IMG) Bild: Wunschdenken? Die deutsche Wirtschaft soll dank der Reformen wieder in Schwung kommen
Die deutsche [1][Wirtschaft] hat momentan einige Probleme – die hohen
US-Zölle und die gesperrte Ölroute im Persischen Golf gehören dazu. Aber
auch zu Hause läuft es nicht rund: Der technische Fortschritt und die
Produktivität der Unternehmen lahmen. Das Arbeitsvolumen geht zurück. In
der Folge mangelt es an Wachstum, und überall fehlt Geld.
Diese Punkte will die Bundesregierung nun angehen. [2][Aber ist das
„Programm für Aufschwung und Beschäftigung“, das Union und SPD gerade
beschlossen haben, dafür geeignet?] „Ein positives Signal“, sieht Monika
Schnitzer, die Vorsitzende des Sachverständigenrates Wirtschaft, der
sogenannten Wirtschaftsweisen. Das Paket der Regierung enthalte einige
wachstumsfördernde Ansätze.
## Kostensenkung für Firmen
Als Beispiele nennt Schnitzer: Die Regierung wolle die staatliche
Verwaltung digitalisieren, den Unternehmen ersparen, bestimmte Berichte und
Dokumentationen zu verfassen, Stromkraftwerke schneller ans Netz bringen,
den Bau von Rechenzentren beschleunigen und den Einsatz von künstlicher
Intelligenz erleichtern. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln
sieht sogar einen „echten Paradigmenwechsel: Statt einzelne Regeln
herauszupicken, streicht die Koalition Berichts- und
Dokumentationspflichten pauschal und kehrt die Beweislast zugunsten der
Unternehmen um“.
Die Logik ist hier, dass die Kosten für Firmen sinken, wenn sie weniger
Zeit für Bürokratie aufwenden müssen, die staatliche Verwaltung effektiver
wird und KI schneller in die Arbeitsabläufe integriert wird. Außerdem
steigt dann die Produktivität, die Firmen verdienen mehr Geld, zahlen mehr
Steuern, stellen neue Leute ein.
## Arbeitsmarkt
Das Wirtschaftsinstitut lobt, dass die Koalition wieder mehr Befristungen
von Arbeitsverträgen erlauben will. In die gleiche Richtung gehe der Plan,
hoch verdienende Beschäftigte leichter kündigen und abfinden zu können.
Beides helfe Unternehmen, flexibel zu bleiben und die Qualifikationen des
Personals ihren Anforderungen anzupassen.
Das Kalkül an dieser Stelle: Firmen können sich schneller modernisieren,
wenn sie dafür die richtigen Leute haben. Auch das kann Produktivität und
Umsätze erhöhen. Schnitzers Wirtschaftsweisen-Kollege Achim Truger
kritisierte gegenüber dem Wirtschaftsmagazin Surplus allerdings, es handle
sich um ein „neoliberales Deregulierungsprogramm mit Entlastungen für
Unternehmen und Zumutungen für viele Beschäftigte“.
## Steuern
In den steuerlichen Änderungen erkennt Monika Schnitzer „kaum zusätzliche
Wachstumsimpulse“. Die Koalition hat beschlossen, den Grundfreibetrag zu
erhöhen, die jeweiligen Steuersätze erst bei leicht höheren Einkommen
anzuwenden und die Reichensteuer auf Verdienste ab 250.000 Euro pro Jahr
anzuheben. Auch Truger ist skeptisch. Die Reform bringe „vielleicht ein um
0,1 Prozent höheres Bruttoinlandsprodukt“, sagte er Surplus.
Hier lautet die ökonomische Logik: Wenn die Beschäftigten wegen niedrigerer
Steuern mehr von ihrem Lohn behalten können, arbeiten sie auch mehr,
wodurch das Wachstum anzieht. Diesen Effekt hat die Regierung wohl
verschenkt.
3 Jul 2026
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