# taz.de -- Chancenungleichheit in Deutschland: Ein Desaster für Jugendliche und den Staat
       
       > Der Chancenmonitor attestiert anhaltend ungleiche Bildungschancen. Wer
       > hofft, das ändere die Prioritätensetzung der Bundesregierung, liegt
       > falsch.
       
 (IMG) Bild: Die anhaltend ungleichen Bildungschancen sind für die betroffenen Kinder ein Desaster
       
       Das nennt man wohl perfektes Timing. Just in der Woche, in der die
       Bundesregierung die Weichen für eine bessere Zukunft stellen will, erinnert
       der „Chancenmonitor“ an das noch immer nicht eingelöste
       Aufstiegsversprechen im Land. Die Ergebnisse sind eine Mahnung, die sich
       Bund und Länder endlich zu Herzen nehmen müssen: Die anhaltend ungleichen
       Bildungschancen sind nicht nur für die betroffenen Kinder und Jugendlichen
       ein Desaster, sondern auch für den Staat. Ihm entgehen viele Milliarden
       Euro an späteren Steuern, die gut ausgebildete Erwachsene dann bezahlen
       würden – ganz zu schweigen von Transferzahlungen, die dann wegfallen.
       
       Doch wer glaubt, diese Aussicht würde dazu führen, dass Investitionen in
       Kitas und Schulen in Deutschland Priorität hätten, irrt. Das zeigen nicht
       nur [1][die Sparorgien in den Bundesländern], die vielerorts dazu führen,
       dass Schulsozialarbeit wegfällt oder Kitafachkräften gekündigt wird. Man
       sieht das auch daran, dass Bildung immer schnell unter die Räder kommt,
       weil was anderes dann doch wichtiger ist. Oder verschiedene
       Bildungsbereiche auch noch untereinander um die wenigen Haushaltsmittel
       konkurrieren. Wie bei den 4 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen, die der
       Bund ursprünglich für den zusätzlichen Kitaausbau angedacht hatte – und
       dann [2][für die Sanierung maroder Unigebäude] öffnete. Letzte Woche kam
       raus: Die meisten Ministerien stecken die Kohle lieber in die chronisch
       unterfinanzierten Unis.
       
       Eine ähnliche Pleite droht dem vom Bund angekündigten Programm für Kitas im
       sozialen Brennpunkt, das 2027 starten soll. Eine super Sache, wenn es nicht
       – wie zu befürchten – mit anderen Handlungsfeldern des neuen Kitagesetzes
       konkurrieren muss. Ob die Länder dann gezielt in Chancengerechtigkeit –
       oder in längere Öffnungszeiten an allen Kitas investieren, entscheiden sie
       selbst. Noch liegt kein Gesetzentwurf vor. Union und SPD können beweisen,
       dass sie der Chancengerechtigkeit doch noch Priorität einräumen. Es wäre
       überfällig.
       
       28 Apr 2026
       
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