# taz.de -- Überteuerte Schulranzen: 300 Euro für einen Plastikkanister mit Tragegurten? Tsssss
> Schultaschen sind teuer. Dabei taugen sie allenfalls dazu, Kindern zu
> zeigen, wer arm ist und wer reich.
(IMG) Bild: Miese Stücke: Schulranzen sind verdammt teuer
Der Schulranzen ist ein mieses Stück, in vielerlei Hinsicht. Es fängt schon
damit an, dass er jetzt wieder massenhaft in den Schaufenstern der
einschlägigen Geschäfte ausliegt und in allen Farben signalhaft rumschreit:
Kauft jetzt Schulranzen! Ihr braucht mich! Dabei liegen zu Hause noch
diverse Kinderwanderrucksäcke rum, die es auch täten. Aber was wäre der
[1][Kapitalismus ohne Bedarfsweckung]?
Bald ist Sommer, nach dem Sommer werden wieder soundsoviel Tausend Kinder
eingeschult. Sie sind es, die die Hersteller im Blick haben bzw. deren
Eltern oder Großeltern als Finanziers. Entscheiden aber dürfen natürlich
die Kids, und das ist das nächste Problem: Die Ranzen von Herstellerfirmen
wie Scout, Step by Step oder Ergobag sind optisch ganz auf den Geschmack
der Kleinen abgestimmt.
Das Miese daran ist: Kindergeschmack ändert sich, sobald die Kleinen ihre
Kreise weiten, sie nicht mehr ganz klein sind: Wer sich als Sechsjährige
für den „ZauBärwelt cubo“ von Ergobag mit dem süßen Einhorn und den
türkis-grün-gelben Blubberblasen entscheidet, findet ihn spätestens ab der
dritten Klasse voll peinlich; Jungs, die den „Cloud Schulranzen Bagger
Rocco“ auswählen, werden sich auch ungefähr ab Klasse drei fragen, was sie
an diesem grobschlächtigen Schaufelradbagger damals so toll fanden.
So schleppen sie den peinlichen Ranzen aus der Phase eins des Lebens noch
immer mit sich herum und wollen bald einen neuen.
## Wucherpreise
Das größte Problem dabei: Schulranzen sind unfassbar teuer. Man braucht
schon Gutverdienereltern oder reiche Rentner als Großeltern, um als Kind in
den Genuss eines Schulranzen zu kommen, mit dem man bei der Einschulung,
dem großen Schaulaufen zu Beginn der Schulzeit, so richtig glänzen und
gleich mal klarmachen kann, wer man ist.
Scout Neo Exklusiv LED: 309,90 Euro.
Step by Step Cloud Spiegelburg Pferdefreunde: 329,99 Euro.
Ergobag DrachenbezwingBär cubo: 279,99 Euro.
Ergobag ExBärdition 279,99 Euro.
Scout Neo Schulranzen Water Lily: 289,99 Euro.
Das ist eine Menge Geld für eine mit Tragegurten ausgestattete
Kunststoffhülle zum Befördern von Schulbüchern, Heften, Stiften, Pausenbrot
und Trinkflasche. Zugegeben: Die Preise beziehen sich auf Sets, zu denen
neben Ranzen noch Federtasche, Sportbeutel und Stiftetui gehören. Aber
trotzdem: um die 300 Euro wird man los. Und wer sie nicht hat, muss mit dem
abgeranzten, untrendigen Tornister aus dem Second-Hand-Shop klarkommen oder
dem Billigding von Lidl. Kinder haben ein Gespür für die feinen
Unterschiede und sehen sofort, wer dazugehört und wer nicht. Wer sich
Scout, Ergobag und Step by Step leisten kann und wer nicht. Wer reich ist
und wer arm.
## Ranzen als Distinktionsmerkmal
Und das passiert ausgerechnet zu der Zeit im Leben von Kindern, in der sie
– zumindest theoretisch und wenn man etwa Wohnorte als Auslesefaktor
beiseite lässt – noch zusammen lernen, über [2][Klassen- und
Schichtengrenzen] hinweg. Migrantische Kinder und nicht migrantische,
reiche und arme, bildungsnahe und bildungsferne, egal, welche der
Kategorien man anwenden möchte.
Schulranzen nehmen also vorweg, was nach der Grundschule unser
[3][zergliedertes Schulsystem] fortführt, wenn sich die Wege der Kinder
nach der Grundschule trennen und sie milieuspezifisch wegsortiert werden:
die rich kids aufs Gymnasium, die anderen auf die Resterampe.
Der Schulranzen hat dann seine Funktion als Distinktionsmerkmal erfüllt,
ist stylemäßig eh längst peinlich geworden und kann weg.
2 May 2026
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