# taz.de -- Bundeshaushalt 2027: Kredite, Krieg und Zucker
> Die Bundesregierung beschließt am Mittwoch die Eckwerte für den Haushalt
> 2027. Die Ausgaben sind so hoch wie noch nie. Einige Probleme zeichnen
> sich bereits ab.
(IMG) Bild: Bundeshaushalt: Die Regierung will unter anderem Bahnstrecken und Brücken sanieren
Spätestens im Bundeshaushalt 2027 muss sich abbilden, was die Koalition aus
Union und SPD zuwege bringen will und kann. Tatsächlich zeigen sich erste
Ansätze ihrer Reformpläne in den Eckpunkten für den Etat, der die Mitte der
Legislaturperiode markiert.
Das Kabinett will an diesem Mittwoch die Eckpunkte für den Haushalt 2027
und die Finanzplanung bis 2030 beschließen – zusammen mit einem
[1][Gesetzentwurf zur Reform der Krankenkassen]. Dabei geht es auch darum,
ob der Bund den Kassen bestimmte Kosten abnimmt. Solche Entlastungen
könnten verhindern, dass die Sozialbeiträge für Beschäftigte und
Unternehmen weiter steigen.
Auch die ab 2027 geplante Steuerreform steht auf der Agenda.
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) und sein Team wollen vor allem
kleine und mittlere Einkommen entlasten. Klingbeil strebt eine
kostenneutrale Reform an: Höhere Steuern für Spitzenverdiener sollen die
Entlastung finanzieren. Ob das gelingt, bleibt offen.
[2][Die Union will eine Reform, die auch wohlhabende Haushalte begünstigt],
zeigt aber Bereitschaft, höhere Steuersätze für Topverdiener zu
akzeptieren. Gleichzeitig fordern Unionspolitiker wie Fraktionsvize Mathias
Middelberg, die Entlastung durch Einsparungen, etwa bei
Klimaschutzprogrammen, zu ermöglichen. Von den aktuellen Eckpunkten bis zum
Kabinettsbeschluss über den Haushalt im kommenden Juli und den folgenden
Verhandlungen im Bundestag muss die Koalition noch einige Probleme aus dem
Weg räumen.
## 200 Milliarden Euro neue Schulden
Die Ausgaben im Etat 2027 sollen im Vergleich zu diesem Jahr deutlich
steigen. Statt 525 Milliarden Euro könnten 543 Milliarden Euro zur
Verfügung stehen – allerdings nur im Kernhaushalt. Hinzu kommen Ausgaben
aus Sondervermögen wie dem [3][Klima- und Transformationsfonds], dem
Bundeswehr-Sondervermögen und dem Infrastrukturfonds. Insgesamt plant die
Regierung mit über 650 Milliarden Euro.
Davon stammen rund 200 Milliarden Euro aus neuen Schulden, finanziert durch
Staatsanleihen. Damit liegt die Neuverschuldung bei einem Drittel der
Gesamtausgaben – ein Niveau, das früher oft deutlich niedriger war. Möglich
wird dies, weil die Koalition Teile der Militärausgaben und des
Infrastrukturfonds von der Schuldenbremse ausgenommen hat. Die
Regierungsparteien „haben mit zu optimistischen Wachstumsannahmen geplant
und wollen den Haushalt nun mit noch mehr Schulden ohne Wachstumsrendite
zusammenhalten“, sagte der grüne Finanzpolitiker Sebastian Schäfer, „das
rächt sich: Das Wachstum bleibt schwach, die Verschuldung steigt weiter,
und der Bundeshaushalt steht massiv unter Druck.“
Ein großer Kostenblock ist die Bundeswehr. Verteidigungsminister Boris
Pistorius (SPD) Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) wird 2027 rund
130 Milliarden zur Verfügung haben, etwa 20 Prozent aller Ausgaben.
Begründung: Deutschland und Europa müssen sich gegen tatsächliche und
erwartete Aggressionen durch Russland wehren können. Bis 2030 sollen die
Militärausgaben auf 180 Milliarden Euro jährlich steigen.
Auch die Investitionen wachsen deutlich. Im Kernhaushalt sind für 2027
knapp 50 Milliarden Euro vorgesehen, dazu kommt eine ähnliche Summe aus dem
Infrastrukturfonds. Damit will die Regierung unter anderem Bahnstrecken und
Brücken sanieren. Aus dem Klimafonds fließen weitere 23 Milliarden Euro in
Investitionen.
Die vor Monaten noch klaffende Lücke zwischen hohen Ausgaben und geringeren
Steuereinnahmen hat das Finanzministerium inzwischen rechnerisch
geschlossen. Einen Dienst erweisen dabei die Regierungsbeschlüsse vom
zweiten Aprilwochenende in der Villa Borsig. Diese finden nun Eingang in
die Haushaltsplanung in Gestalt sogenannter Globalpositionen –
Milliardensummen und Maßnahmen, die noch zu konkretisieren sind.
Klar ist, dass die Zuschüsse des Bundes zur Pflege- und Rentenversicherung
sinken sollen. Wie die Einsparungen dort genau aussehen, bleibt offen. Auch
der Klimafonds wird wohl gekürzt. Zusätzliche Einnahmen könnten neue
Abgaben auf Plastik und Zucker in Getränken bringen.
28 Apr 2026
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