# taz.de -- Tankrabatt beschlossen, Preise steigen: Union, SPD und AfD machen Mineralöl-Konzernen eine Freude
> Bundestag und Bundesrat winken den Tankrabatt durch. Die Konzerne machen
> umgehend das Erwartbare: Sie erhöhen massiv die Preise für Diesel und
> Benzin.
(IMG) Bild: Finanzminister Klingbeil bei der Abstimmung im Bundestag zur Senkung der Energiesteuer
dpa/rtr/taz | Extrem teuer, ökonomisch ineffizient, klimapolitisch
verantwortungslos: Kritiker:innen lassen zu Recht kein gutes Haar an
der aktuellen Wiederauferstehung der Tankrabatt-Idee aus Ampel-Zeiten.
Dessen ungeachtet soll das schwarz-rote Geschenk an Deutschlands
Fahrer:innen von Verbrennern und – mehr noch – die Mineralölindustrie
zum 1. Mai kommen.
Am Freitagmittag hat der Bundestag die vorübergehenden Steuersenkungen
beschlossen. Neben Union und SPD stimmte auch die extrem rechte AfD dafür.
Kurz darauf gab auch der Bundesrat bei einer Sondersitzung mehrheitlich
grünes Licht.
Konkret sollen ab 1. Mai die Energiesteuern auf Diesel und Benzin wegen der
infolge des Irankriegs explodierten Preise um 14,04 Cent pro Liter sinken.
Das orientiert sich an der Mindestbesteuerung von Diesel. Weil auf die
wegfallende Energiesteuer auch keine Mehrwertsteuer anfällt, ergibt sich
insgesamt eine Steuerreduzierung um 16,7 Cent. Die Reduzierung soll bis
Ende Juni gelten.
Für einen durchschnittlichen Autofahrer dürfte der Rabatt in den zwei
Monaten zwar nur einen niedrigen zweistelligen Eurobetrag bringen. Dem
Staat entgehen durch die niedrigeren Steuern allerdings rund 1,6 Milliarden
Euro.
## Selbstlob von Klingbeil
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) lobte sich trotzdem für das
„wichtige Signal“ an die Bevölkerung. Man lasse die Menschen in dieser
Krise nicht im Stich, sagte der SPD-Co-Chef am Freitag in Berlin. Auch
mahnte er die Mineralölkonzerne an, die Steuersenkung von rund 17 Cent pro
Liter an die Verbraucher auch wirklich weiterzugeben. Mehr als mahnen kann
Klingbeil auch nicht. Faktisch haben die Konzerne in Deutschland freie
Hand.
Die machten dann auch, was Konzerne in solchen Situationen machen:
Unmittelbar nach dem Beschluss schossen die Spritpreise so stark nach oben
wie noch bei keinem Mittagssprung seit Einführung der 12-Uhr-Regel Anfang
April. Der ADAC ermittelte bei Superbenzin der Sorte E10 ein Plus von 14,1
Cent, bei Diesel von 16,3 Cent.
Die Spitzen von CDU, CSU und SPD hatten den Tankrabatt Mitte April
vereinbart. „Damit werden wir sehr schnell die Lage für die Autofahrer und
für die Betriebe im Land verbessern und vor allem für diejenigen, die vor
allem aus beruflichen Gründen sehr viel mit dem Auto unterwegs sind“, sagte
Kanzler Friedrich Merz (CDU).
Was Merz nicht sagt: Ökonom:innen wie Marcel Fratzscher vom Deutschen
Institut für Wirtschaftsforschung erwarten, dass durch den Tankrabatt die
Preise von Lebensmitteln oder Heizstoffen zusätzlich steigen könnten.
Schließlich bleibe Öl knapp und der Rabatt heize die Knappheit weiter an.
## Auch Entlastungsprämie beschlossen
Nicht minder umstritten ist die zweite sogenannte Entlastungsmaßnahme, die
am Freitag im Bundestag durchgewunken wurde: eine steuerfreie
Entlastungsprämie von bis zu 1.000 Euro für Beschäftigte. Das Parlament
beschloss mit den Stimmen der schwarz-roten Koalition eine Änderung des
Einkommensteuergesetzes. Dagegen votierten AfD und Linke, die Grünen
enthielten sich. Hier lässt sich der Bundesrat mit seiner Zustimmung Zeit.
Geplant ist das am 8. Mai.
Nach den Plänen der Koalition sollen Arbeitgeber Beschäftigten in diesem
Jahr sowie bis zum 30. Juni 2027 eine steuerfreie „Entlastungsprämie“ von
bis zu 1.000 Euro zahlen können. Zur Begründung heißt es im Gesetzentwurf,
der Irankrieg habe massive wirtschaftliche Verwerfungen mit sich gebracht
und werde für viele Bürgerinnen und Bürger in Deutschland zunehmend zu
einer großen Belastung.
Es handelt sich um eine freiwillige Leistung von Arbeitgebern. Die
Bundesländer haben bereits angekündigt, [1][dass ihre Angestellten von der
1.000-Euro-Prämie keinen Cent sehen werden]. Und auch ansonsten ist die
Befürchtung groß, dass die Entlastungsprämie zum Rohrkrepierer wird. Der
CDU-Abgeordnete Fritz Güntzler sagte im Bundestag, der Staat könne kein
Unternehmen verpflichten, diese Leistung zu erbringen.
## Unternehmensverbände bleiben zurückhaltend
Fraglich ist, ob viele Beschäftigte in der Privatwirtschaft die Prämie
bekommen. Für die Firmen wäre die Zahlung als Betriebsausgabe zwar
abzugsfähig, doch Wirtschaftsverbände und Unternehmen reagieren [2][sehr
zurückhaltend bis maximal desinteressiert]: Aufgrund der schwachen
Konjunktur könnten sich viele Firmen eine solche Prämie nicht leisten.
Aus Sicht des DGB kann die Prämie Tarifverhandlungen gut flankieren – aber
nur, wenn sie zusätzlich zum normalen Lohn gezahlt werde. Gewerkschaften
warnen zugleich davor, dass Einmalzahlungen wie die Prämie als Ersatz für
echte Entgelterhöhungen genutzt werden.
Den Staat kostet die Steuerfreiheit laut Gesetzentwurf bis zu rund 2,8
Milliarden Euro. Zur Gegenfinanzierung soll die Tabaksteuer erhöht werden.
Einzelheiten dazu gibt es allerdings noch nicht. Vorbild der Prämie sind
Regelungen während der Coronapandemie sowie in der [3][Energiepreiskrise
infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine].
Inzwischen rumort es selbst in der Union. Stefan Nacke, der Vorsitzende der
Arbeitnehmergruppe der Unionsfraktion, [4][sagte jetzt im Interview mit der
taz zu den Entlastungspaketen der Regierung]: „Diese Debatten überformen
derzeit alles, und mein Eindruck ist, damit wird von den eigentlichen
Problemen abgelenkt: den Sozialreformen.“ Dazu hätte er sich mehr vom
letzten Koalitionsausschuss erwartet. „Dann hätten wir jetzt weniger
hysterische Debatten über kurzfristige Maßnahmen“, so Nacke.
24 Apr 2026
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## AUTOREN
(DIR) Rainer Rutz
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