# taz.de -- Steuerfreie 1.000-Euro-Prämie: Wen Schwarz-Rot entlasten will – und wer leer ausgeht
> Die Bundesregierung will Unternehmen ermöglichen, Beschäftigten
> steuerfrei eine Prämie auszuzahlen. Zahlreiche Menschen werden davon
> nichts haben.
(IMG) Bild: Renter*innen und andere gehen leer aus
Es ist eine der wenigen konkreten Maßnahmen, auf die sich die
Koalitionsspitzen [1][auf ihrem Gipfeltreffen am Wochenende] verständigen
konnten: Falls Arbeitgeber sich dafür entscheiden, ihren Beschäftigten in
diesem Jahr eine „Entlastungsprämie“ zu zahlen, müssen sie darauf bis zu
einer Höhe von 1.000 Euro keine Steuern und Sozialabgaben zahlen. Unklar
ist allerdings, wie viele Arbeitnehmer:innen von diesem Angebot werden
profitieren können.
Fest steht nur, wer auf jeden Fall nichts davon haben wird: alle, die nicht
abhängig beschäftigt sind. Erwerbslose, Studierende, Rentner:innen und
auch Selbstständige bleiben also außen vor. Allerdings werden auch
zahlreiche Arbeitnehmer:innen leer ausgehen. „Die geplante steuer- und
abgabenfrei Prämie von bis zu 1.000 Euro davon abhängig zu machen, ob
einzelne Arbeitgeber diese gnädigerweise bezahlen oder nicht, ist eine
völlig verfehlte Konstruktion“, kritisiert der Verdi-Vorsitzende Frank
Werneke. Viele Beschäftigte, deren Betriebe nicht zahlen wollen oder
können, würden daher nicht profitieren. „So treibt man die Spaltung der
Gesellschaft munter weiter voran“, so der Gewerkschafter.
Diplomatischer formuliert es die DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi. Die
geplante Entlastungsprämie könne „Tarifverhandlungen gut flankieren – aber
nur, wenn sie zusätzlich zum normalen Lohn gezahlt wird.“ Außerdem sei eine
Verlängerung des Bezugszeitraums sinnvoll, um angesichts verschiedener
Laufzeiten von Tarifverträgen möglichst vielen Beschäftigten den Zugang zu
ermöglichen.
„Das Problem ist, dass für viele Beschäftigte dieses Jahr gar keine
Tarifverhandlungen mehr stattfinden“, konstatiert Sebastian Dullien, der
wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie und
Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung. Auch er plädiert
dafür, dass die Bundesregierung die Möglichkeit schaffen sollte, die Prämie
auch noch über dieses Jahr hinaus auszahlen zu können, damit sie wirken
könne und keinen Unmut schafft. Dass „Laufzeiten von Tarifverträgen und
eine unbürokratische Umsetzung berücksichtigt werden“ müssten, fordert auch
Steffen Kampeter, der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der
Deutschen Arbeitgeberverbände.
## Die Koalition scheint nicht davon auszugehen, dass viele die
Entlastungsprämie erhalten werden
Der Bezug auf die Tarifverhandlungen verweist allerdings auf zwei weitere
Probleme. Bereits 2022 räumte die seinerzeitige Ampelkoalition den
Arbeitgebern die Möglichkeit einer steuer- und abgabenfreien
„Inflationsausgleichsprämie“ ein, damals in Höhe von bis zu 3.000 Euro und
für einen Zeitraum bis 2024. [2][Laut einer IMK-Studie] erhielten rund 69
Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, etwa 23,9
Millionen, eine solche Prämie, deren Höhe allerdings im Durchschnitt knapp
unter 2.000 Euro lag.
Dabei wurde die Inflationsausgleichsprämie an Beschäftigte mit Tarifvertrag
deutlich häufiger gezahlt, als an Beschäftigte in Unternehmen ohne
Tarifbindung (77 versus 61 Prozent). Außerdem fiel die Höhe der Prämie in
tarifvertraglich gebundenen Unternehmen höher aus (2.272 versus 1.838 Euro
pro Vollzeiterwerbstätigen). Auch diesmal wird es wohl wieder so sein, dass
tarifungebundene Beschäftigte seltener und weniger von der
Entlastungsprämie profitieren werden.
Die Erfahrungen mit der „Inflationsausgleichsprämie“ von 2022 zeigen zudem,
dass es auch für die Beschäftigten mit Tarifvertrag einen Wermutstropfen
geben dürfte. Denn damals bekamen sie die Prämie in der Regel nicht
zusätzlich, sondern sie wurde von den Arbeitgebern genutzt, [3][um
geforderte Tariferhöhungen zu drücken]. Das heißt, die Beschäftigten
bezahlten die Prämie de facto mit geringeren dauerhaften Lohnsteigerungen.
Damit diente der Inflationsausgleich vielfach weniger der Entlastung der
Beschäftigten als der Unternehmen.
Ohnehin scheint die schwarz-rote Koalition jetzt nicht davon auszugehen,
dass viele Beschäftigte die vorgeschlagene Entlastungsprämie erhalten
werden. Denn sonst würde sie nicht glauben, dass es ausreicht, zur
Gegenfinanzierung der steuerlichen Mindereinnahmen die Tabaksteuer schon im
Jahr 2026 zu erhöhen. Die Erhöhung der Tabaksteuer sollte im kommenden Jahr
1,2 Milliarden Euro in die Staatskasse spülen. Sie jetzt vorzuziehen,
brächte eine Mehreinnahme für dieses Jahr von weniger als 1 Milliarde. Die
staatlichen Mindereinnahmen aus der Inflationsausgleichsprämie von 2022 hat
das IMK auf rund 40 Milliarden Euro geschätzt.
14 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Entlastungen-bei-den-Energiepreisen/!6170173
(DIR) [2] https://www.imk-boeckler.de/de/faust-detail.htm?sync_id=HBS-008899
(DIR) [3] /Tarifeinigung-im-oeffentlichen-Dienst/!5927175
## AUTOREN
(DIR) Pascal Beucker
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