# taz.de -- Koalitionsausschuss zur Energiekrise: Deutsches Erdgas noch ohne Mehrheit
> Die Spitzen von Schwarz-Rot wollen mehr heimisches Erdgas fördern. In
> Bundestag und Bundesrat wird es bald ernst – im Streit um Bohrungen vor
> Borkum.
(IMG) Bild: Klima-Aktivist*innen im September 2025 vor Borkum: Bei Fridays for Future steht die Mehrheit gegen Gasbohrungen
Nach dem Koalitionsschuss [1][dominiert am Montag der angekündigte
Tankrabatt die Schlagzeilen]. Die Abhängigkeit von fossilen Energien wollen
die Regierungsparteien aber noch mit einer weiteren Maßnahme verlängern.
Das Energieangebot müsse ausgeweitet werden, heißt es auf der zweiten Seite
des schwarz-roten Ergebnispapiers. „Dazu gehört auch die Nutzung heimischer
Energiequellen, z. B. die Erschließung ausgewählter heimischer
Gasvorkommen.“
Vor der Presse bestärkte CSU-Chef Markus Söder am Morgen diese Absicht. Die
Gasförderung im Inland habe man „das erste Mal so klar fixiert“. Es könne
nicht so weitergehen, dass „wir in Schönheit sterben und bei uns nichts
tun, obwohl wir Gasvorkommen haben und woanders teuerstes Gas dann
einkaufen“.
Massive Kritik an der Ankündigung kommt von Fridays for Future. „Was die
Koalition gerade plant, ist eine Zerstörung der Energiewende. Wer es ernst
meint mit erneuerbaren Energien, der setzt nicht weiter auf Gas – erst
recht nicht auf neue Gasbohrungen“, sagte die Aktivistin Nele Evers der
taz.
Derzeit werden nach Branchenangaben rund fünf Prozent des in Deutschland
verbrauchten Erdgases auch hierzulande gefördert, der Großteil davon in
Niedersachsen. Vervielfachen ließe sich die Menge laut Bundesverband
Erdgas, Erdöl und Geoenergie, wenn die Politik das geltende Fracking-Verbot
aufheben würde. In geringerem Ausmaß ließe sich aber auch mit
konventionellen Methoden mehr Gas fördern.
## Parlamente müssen bald entscheiden
Akut sind Gasbohrungen vor der Nordsee-Insel Borkum Thema. Der
niederländische Energiekonzern One-Dyas hat mit den Arbeiten schon
begonnen, in Bundestag und Bundesrat stehen demnächst aber noch
Entscheidungen an: Ein völkerrechtliches Abkommen mit den Niederlanden muss
vom Parlament bestätigt werden. Ob das geförderte Gas [2][ohne dieses
Abkommen genutzt werden darf, ist umstritten].
Und ob es die nötigen Mehrheiten bekommt, ist ebenfalls unklar. Im
Bundesrat liegt das momentan noch nicht mal in den Händen von Union und
SPD: Verweigern Landesregierungen mit Beteiligung von Grünen und Linken
ihre Zustimmung, ist das Abkommen bei den jetzigen Mehrheitsverhältnissen
gescheitert.
Die Linke, die in Bremen und Mecklenburg-Vorpommern mitregiert,
positionierte sich am Montag auf Nachfrage klar. Parteichef Jan van Aken
sagte der taz: „Heimische Gasbohrungen zu fördern und gleichzeitig das
Verbrenner-Aus zu kippen – das zeigt, dass diese Koalition überhaupt nicht
verstanden hat, was dringend angebracht wäre: Unsere Abhängigkeit bei
fossiler Energie endlich zu beenden.“
Die Koalition beschere ihren „Konzern-Buddies“ zusätzliche Gewinne und
blende die Schäden für Natur, Klima und Arbeitsplätze im Tourismus aus.
„Die Linke wird diesem Vorhaben im Bundesrat nicht zustimmen. Jetzt liegt
es an den Grünen, ob vor Borkum gebohrt wird oder nicht“, sagte van Aken
weiter.
## Auch Grüne kritisch – im Grundsatz
Bei den Grünen äußerte sich Parteichefin Franziska Brantner grundsätzlich
ebenfalls kritisch. „Man geht mit mehr Gas gegen die Gaskrise vor, mit dem
Verbrenner gegen die Ölkrise“, sagte sie. Das sei „an Absurdität kaum noch
zu glauben“.
Zur Borkum-Frage legte sie sich aber nicht stellvertretend für die grünen
Länder fest. Stattdessen verwies sie darauf, dass das Abkommen derzeit im
Bundestag feststeckt und dem Bundesrat noch nicht zur Abstimmung vorgelegt
wurde. „Unser Eindruck ist, dass das ein bisschen davon abhängt, dass es
eine neue Regierung in Rheinland-Pfalz geben wird“, sagte Brantner.
Worauf sie damit anspielt: Die in Rheinland-Pfalz abgewählte
Ampel-Regierung wird wohl nur noch eine Bundesratssitzung erleben, danach
[3][übernimmt in Mainz voraussichtlich Schwarz-Rot]. Grüne und Linke hätten
dann nicht mehr genug Stimmen, um das Borkum-Abkommen alleine zu stoppen.
Klima-Aktivist*innen hoffen auf einige Länder mit SPD-Regierung, aus denen
in den vergangenen Monaten ebenfalls Kritik an dem Abkommen kam. Auf
Anfrage legte sich am Montag keines von ihnen fest: Man entscheide über das
Abstimmungsverhalten, wenn das Thema auf der Tagesordnung steht.
## SPD-Abgeordnete kritisieren Koalitionsspitzen
Zuvor ist aber eben noch der Bundestag an der Reihe – und das die
Abstimmung dort noch nicht angesetzt wurde, könnte entgegen der grünen
Vermutung nicht nur taktische Gründe haben.
Am Montagnachmittag kritisierte die zuständige SPD-Abgeordnete Nina Scheer
in einer Pressemitteilung zusammen mit zwei Fraktionskolleg*innen die
Ergebnisse des Koalitionsausschusses. Sie äußerten sich nicht zu Borkum im
Speziellen, aber zu neuen Gasförderungen im Allgemeinen. Diese stünden „für
eine verlängerte statt eine verkürzte Nutzung von Erdgas“. Sie würden
„unsere strukturelle Abhängigkeit“ vertiefen und Mittel binden, die für die
Energiewende gebraucht würden.
Klingt nicht gerade danach, dass mit dem Beschluss der Koalitionsspitzen
schon das letzte Wort gesprochen ist.
13 Apr 2026
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## AUTOREN
(DIR) Tobias Schulze
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