# taz.de -- EU-Reaktionen auf Ungarn-Wahl: Orbán verliert, Europa gratuliert
> Brüssel beglückwünscht Péter Magyar zu seinem Wahlsieg bei der
> Parlamentswahl in Ungarn. Doch die Beziehung zur Europäischen Union ist
> belastet.
(IMG) Bild: Erleichterung in der EU über das Wahlergebnis in Ungarn
Am schnellsten war Ursula von der Leyen. „Ungarn hat sich für Europa
entschieden“, erklärte die deutsche Chefin der Europäischen Kommission
bereits am Wahlabend in Brüssel. „Die Union wird stärker“, kommentierte von
der Leyen die [1][Niederlage von Regierungschef Viktor Orbán], der die EU
immer wieder ausgebremst hatte. Ungarn kehre auf den europäischen Weg
zurück, gab sich die CDU-Politikerin optimistisch.
Von der Leyen steht mit dieser Reaktion nicht allein da. Die gesamte
konservative Parteienfamilie (EVP), die vom deutschen CSU-Politiker Manfred
Weber angeführt wird, hatte auf Oppositionsführer Péter Magyar gesetzt.
„Bürgerliche, proeuropäische Politik gewinnt Wahlen“, erklärte Weber. „Die
Rechtspopulisten in Europa verlieren ihre Identifikationsfigur“, fügte er
mit Blick auf Orbán hinzu.
Die EVP hatte allerdings selbst lange zu Orbán und seiner Fidesz-Partei
gehalten. In der Asyl- und Migrationspolitik haben Weber und die EVP im
Europaparlament (EP) zuletzt sogar gemeinsame Sache mit Orbán und der
deutschen AfD gemacht. Deshalb hält sich die Freude über den Machtwechsel
in Ungarn im linken Lager der Europapolitik denn auch in Grenzen.
Es sei „mehr als erfreulich, dass das Regime Orbán demokratisch abgewählt
worden ist“, erklärte Martin Schirdewan, Co-Vorsitzender der Linken im EP.
Wer Orbáns Niederlage feiert, dürfe aber nicht vergessen, „wie lange sein
System politisch gefördert und gedeckt wurde – vor allem von der EVP und
Manfred Weber“. [2][Wahlsieger Magyar] müsse eine andere Politik machen.
## EP-Vizepräsidentin Barley äußert sich verhalten
Das fordert auch Daniel Freund von den Grünen. Er hat sich im EP als einer
der entschiedensten Gegner Orbáns profiliert und feiert nun „das Ende von
Orbáns korruptem Mafiastaat“. Trotz massiver Hilfe der Rechtspopulisten in
ganz Europa sei „die Ikone der illiberalen Europafeinde nun gescheitert –
an der desaströsen Wirtschaft, der Korruption und an seinem eigenen
unfairen Wahlsystem.“
Verhaltener äußerte sich die sozialdemokratische Vizepräsidentin des
Europaparlaments, [3][Katarina Barley]. Sie hoffe, dass die Zusammenarbeit
innerhalb der EU nun sehr viel einfacher werde, sagte die SPD-Politikerin
im Deutschlandfunk. Wahlsieger Magyar, der bisher selbst im Europaparlament
sitzt, arbeite dort konstruktiv mit. Allerdings werde er es nicht leicht
haben, meinte Barley.
„Ungarns Platz ist im Herzen Europas“, erklärte die Präsidentin des
Europäischen Parlaments, Roberta Metsola, die wie Weber und von der Leyen
der konservativen EVP angehört. EU-Ratspräsident António Costa schrieb,
dass er sich darauf freue, eng mit Magyar zusammenzuarbeiten, um Europa
stärker zu machen. Die hohe Wahlbeteiligung in Ungarn von fast 80 Prozent
spreche für den „demokratischen Geist“ des Landes.
Orbán hatte die EU vor allem im Rat – der Vertretung der 27 Mitgliedstaaten
– immer wieder blockiert. So stoppte er beim letzten EU-Gipfel einen
Hilfskredit für die Ukraine. Costa sprach daraufhin von Erpressung und von
einem Vertrauensbruch. Nun hofft er auf die schnelle Freigabe des
EU-Darlehens. Ohne die 90 Milliarden Euro aus Brüssel droht der Ukraine die
Staatspleite.
## Magyar steht vor Herausforderungen
Allerdings ist unklar, ob Magyar die Blockade schnell lösen kann. Denn
dahinter steht auch noch der Streit um die Druschba-Pipeline, durch die
russisches Öl über die Ukraine nach Ungarn fließt. Sie ist immer noch
gesperrt, ein Expertenteam der EU konnte sich bisher nicht wie geplant vor
Ort ein Bild von der Lage machen. Außerdem gibt es noch Streit mit Brüssel
über das EU-Budget.
Wegen Korruption und Rechtsstaatsmängeln hält die EU-Kommission rund 19
Milliarden Euro zurück, die eigentlich für Ungarn bestimmt waren.
Beobachter in Brüssel rechnen damit, dass Magyar zunächst versuchen dürfte,
die EU-Mittel loszueisen, bevor er die Blockaden in der Ukraine-Politik und
anderen umstrittenen Fragen löst. Orbán hinterlässt ein schweres Erbe –
auch und gerade für die EU.
13 Apr 2026
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## AUTOREN
(DIR) Eric Bonse
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