# taz.de -- Ende der Orbán-Ära in Ungarn: Fairer Verlierer
       
       > Viktor Orbán hat Ungarn zu einer Autokratie formen wollen. Dass der
       > Machtwechsel bislang so glatt abläuft, zeigt: Die Demokratie in Ungarn
       > lebt.
       
 (IMG) Bild: Viktor Orbán nach der Veröffentlichung der ersten Wahlergebnisse am Abend des 12. April in Budapest
       
       Hupkonzerte, geköpfte Sektflaschen, Menschen im Freudentaumel auf den
       Straßen. Budapest feierte bis spät in die Nacht einen historischen Wahltag.
       [1][Das Ergebnis der gestrigen Parlamentswahl war eindeutiger als erwartet]
       – weswegen Ministerpräsident Viktor Orbán kaum eine Wahl hatte, als die
       Niederlage noch früh am Abend einzuräumen und seinem Herausforderer Péter
       Magyar zu gratulieren.
       
       Dass alles friedlich und geordnet ablief, war keineswegs sicher. Orbán
       behauptete noch wenige Tage vor der Wahl eine angebliche „Sabotageaktion“
       der Ukraine an einer für Ungarn wichtigen Pipeline. Er warnte bei jeder
       Gelegenheit vor einer Verwicklung seiner Landsleute in den Ukrainekrieg.
       Statt auf die wahren Sorgen der Menschen einzugehen, von der ausgehöhlten
       Sozialpolitik bis zum heruntergewirtschafteten Staat, setzte er auf Angst
       und Spaltung.
       
       Ganz anders [2][die Botschaft Magyars, der für ein geeintes Ungarn
       auftrat]. Er kritisierte die Korruption des Regierungslagers und dessen
       Kartenhaus aus Lügen. Magyar weiß, wovon er spricht: Er war selbst lange
       Jahre Teil von Orbáns Fidesz, wendete sich aber glaubhaft davon ab. Er
       mache damit früheren Orbán-Unterstützern ein gesichtswahrendes Angebot,
       sich ebenfalls politisch umzuorientieren. Damit schaffte Magyar, was kaum
       jemand mehr für möglich gehalten hätte: Die Ungarinnen und Ungarn wieder
       für Politik zu begeistern und eine glaubhafte Alternative anzubieten. Die
       bisherige Opposition hat das, auch aus eigenem Verschulden, nie vermocht.
       
       Nun steht Magyar vor einer Herkulesaufgabe: Es gilt, Orbáns 16-jährige
       Verwandlung Ungarns in eine illiberale Demokratie rückgängig zu machen. Das
       Beispiel Polen, wo die illiberale PiS von Jarosław Kaczyński acht Jahre
       lang regierte, zeigt, wie schwer das geht. Rechtsstaatlichkeit und
       Medienpluralismus lassen sich nicht so leicht wiederherstellen.
       
       ## Zweidrittelmehrheit für Magyar
       
       Zugute kommt Magyar die Zweidrittelmehrheit, die seiner Partei Tisza
       erlaubt, Verfassungsgesetze aufzuheben und neue zu erlassen. Eben diese
       Mehrheit war es, die es Orbán erlaubte, ohne jeden Widerstand und ohne
       Kontrollinstanzen durchzuregieren.
       
       Magyar trägt eine große Verantwortung, nicht wie Orbán dieser ungeheuren
       Machtfülle zu verfallen. Er kündigte bereits Amtszeitbeschränkungen für den
       Ministerpräsidenten an. Ebenso nötig ist eine Reform des Wahlsystems, das
       die siegreiche Partei strukturell bevorzugt – nur so konnte Orbán mit
       teilweise unter 50 Prozent der Stimmen eine Zweidrittelmehrheit erlangen.
       Jetzt kam dieses System Magyars Partei zugute, was es aber nicht besser
       macht.
       
       Am Wahlabend zeigte sich Viktor Orbán als überraschend guter Verlierer. In
       den kommenden Wochen wird sich zeigen, ob er wirklich ein solcher ist –
       oder ob er den künftigen Regierungschef mit seiner Noch-Parlamentsmehrheit
       nach Kräften sabotiert.
       
       13 Apr 2026
       
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