# taz.de -- Wahl in Ungarn: Historische Wende in Budapest
       
       > Mit einer Zweidrittel-Mehrheit beendet Péter Magyar die 16-jährige
       > Herrschaft von Viktor Orbán. Das Ergebnis läutet eine Wende auch für die
       > EU ein.
       
 (IMG) Bild: Historischer Sieg für Péter Magyar, Budapest, 12. April 2026
       
       Ungarn hat gewählt und das Ergebnis könnte klarer nicht sein: [1][Péter
       Magyar und seine konservative Tisza-Partei haben deutlich gewonnen und
       sogar eine Zweidrittelmehrheit erreicht.] Ministerpräsident Viktor Orbán
       räumte seine Niederlage am Wahlabend bereits nach Auszählung der Hälfte der
       Stimmen ein. Er gratulierte Magyar und kündigte den Gang seiner
       Fidesz-Partei in die Opposition an.
       
       Nach Auszählung von knapp 99 Prozent der Stimmen kommt Tisza mit 53,1
       Prozent der Listenstimmen auf 138 der 199 Mandate im ungarischen Parlament.
       Fidesz stürzte mit nunmehr 38,4 Prozent der Listenstimmen von zuvor 133
       Sitzen auf nur noch 55 Mandate ab. Die rechtsextreme Mi Hazánk bleibt mit
       voraussichtlich 5,8 Prozent und sechs Sitzen im Parlament vertreten. Die
       liberale Demokratische Koalition und die linke Partei des Zweischwänzigen
       Hundes verfehlten mit 1,2 beziehungsweise 0,8 Prozent den Einzug in die
       Nationalversammlung.
       
       Bis spät in die Nacht haben Zehntausende Menschen in Budapest das
       Wahlergebnis ausgelassen gefeiert. „Gemeinsam haben wir das Orbán-Regime
       gestürzt. Wir haben Ungarn befreit, wir haben uns unsere Heimat
       zurückgeholt“, rief [2][Tisza-Vorsitzender Magyar] in seiner Siegesrede vor
       zehntausenden jubelnden Anhängern am Donauufer. Nie zuvor habe eine Partei
       ein solches Mandat vom Volk erhalten, sagte Magyar mit Verweis auf das
       Ergebnis und die Wahlbeteiligung von fast 80 Prozent – die höchste, seit es
       freie Wahlen in Ungarn gibt.
       
       Der 45-jährige Magyar kündigte in seiner Siegesrede an, die Ungarn wieder
       einen und die Rechtsstaatlichkeit sowie die Beziehungen zur EU und Nato
       wiederherstellen zu wollen. Auch wolle er die eingefrorenen rund 18
       Milliarden Euro an EU-Geldern wieder auftauen.
       
       ## Magyar fordert Rücktritte
       
       Magyar forderte zudem die Rücktritte zahlreicher Fidesz-Leute in den
       höchsten Staatspositionen, unter anderem von Staatspräsident Tamás Sulyok,
       der Präsidenten vom Verfassungs- und Obersten Gericht, der Führung von
       Rechnungshof, Wettbewerbsbehörde und anderer Institutionen. „Jene, die
       unser Land betrogen haben, werden zur Rechenschaft gezogen“, sagte Magyar.
       
       In den 16 Jahren seiner Amtszeit hat Orbán Ungarn zur illiberalen
       Demokratie umgebaut und fast ohne Kontrollinstanzen und Einschränkungen
       regiert. Für viele überraschend war daher, wie früh und offen Orbán seine
       Niederlage eingeräumt hat.
       
       „Das Ergebnis ist schmerzhaft für uns, aber eindeutig“, sagte der
       scheidende Ministerpräsident kurz nach 21 Uhr vor seinen Unterstützern.
       „Was dieses Wahlergebnis für das Schicksal der Heimat bedeutet, wird die
       Zeit zeigen. Aber wie auch immer es ausgeht: Wir werden dem Land auch aus
       der Opposition heraus dienen“, sagte der scheidende Regierungschef.
       
       Bis zuletzt war nicht klar, ob Orbán sich mit einer Niederlage abfinden
       würde. Noch am Sonntagvormittag sprach der ungarische Regierungssprecher
       Zoltan Kovacs von „693 Wahlverstößen und 74 Polizeianzeigen“, für die er
       Tisza verantwortlich machte. Wer Verstöße mitbekommt, solle sich bei einer
       Nummer der Fidesz-Partei – und nicht etwa den zuständigen Behörden –
       melden, schrieb Kovacs in den sozialen Medien. Mit diesen unbelegten
       Behauptungen stand durchaus auch eine Wahlanfechtung im Raum.
       
       ## Glückwünsche aus Europa
       
       Auch die Möglichkeit einer inszenierten Sicherheitsbedrohung wurde Orbán
       zugetraut. Vor einer Woche sprach der er von einer ukrainischen
       „Sabotageaktion“ nahe einer für Ungarn wichtigen Pipeline in Serbien. Der
       serbische Geheimdienstchef widersprach jedoch der Darstellung Orbáns, auch
       die Ukraine dementierte.
       
       Ähnliches war auch für das Wahlwochenende selbst befürchtet worden, um im
       letzten Moment das Ruder für das Regierungslager zu drehen. Dazu kam es
       nicht mehr. Zwar gingen in drei Wahllokalen Bombendrohungen von unbekannter
       Seite ein, es kam aber zu keinen nennenswerten Störungen.
       
       Umgehend nach dem Eingeständnis seiner Niederlage kamen [3][internationale
       Glückwünsche für Magyar]. „Ungarn hat Europa gewählt. Ein Land hat seinen
       europäischen Weg wiedergefunden“, schrieb EU-Kommissionspräsidenten Ursula
       von der Leyen.
       
       „Herzlichen Glückwunsch zur gewonnenen Wahl, lieber Péter Magyar. Ich freue
       mich auf die Zusammenarbeit für ein starkes, sicheres und vor allem
       geeintes Europa“, schrieb Bundeskanzler Friedrich Merz, dessen CDU/CSU
       gemeinsam mit Tisza in der EVP-Fraktion des Europäischen Parlaments sitzt.
       
       ## Unterstützung aus USA und Russland für Orbán vergeblich
       
       US-Präsident Donald Trump und der russische Präsident Wladimir Putin haben
       sich bisher nicht zum Wahlergebnis geäußert. Beide Seiten haben im
       Wahlkampf Orbán unter die Arme gegriffen: die USA offen durch eine
       Wahlempfehlung von Trump sowie einen Last-Minute-Wahlkampfbesuch von
       Vizepräsident J. D. Vance; Russland verdeckt, unter anderem durch die
       Entsendung mehrerer Desinformations-Spezialisten nach Budapest, um den
       Wahlkampf für Orbán noch zu drehen.
       
       Auch aus der Ukraine kamen Glückwünsche. „Wir gratulieren Magyar und Tisza
       zu ihrem überwältigenden Sieg. Es ist wichtig, wenn sich ein konstruktiver
       Ansatz durchsetzt“, schrieb Präsident Wolodymyr Selenskyj in Anspielung auf
       die weniger konstruktive Politik der scheidenden Orbán-Regierung. Diese
       trat offen prorussisch auf und hatte unverhohlen die Ukraine zum Feindbild
       erklärt. Dieses Verhältnis dürfte sich nun wieder verbessern. „Die Ukraine
       hat immer gute nachbarschaftliche Beziehungen zu Ungarn gesucht und ist
       bereit, die Zusammenarbeit zu vertiefen“, schrieb Selenskyj weiter.
       
       Orbán bleibt weiterhin im Amt, bis Staatspräsident Tamás Sulyok das neue
       Parlament einberuft. Dafür hat er bis zu 30 Tage nach der Wahl Zeit. Bis
       dahin sitzt Fidesz mit seiner Zweidrittelmehrheit im Parlament und kann
       Magyar Steine in den Weg legen – oder für eine geordnete Machtübergabe
       sorgen.
       
       13 Apr 2026
       
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