# taz.de -- Partnerschaft zwischen Kyjiw und Berlin: Mit Drohnen und Kultur zur Freundschaft
       
       > Nach rund 20 Jahren finden erstmals wieder deutsch-ukrainische
       > Regierungskonsultationen statt. Botschaft: Rüstungsgeschäfte und die
       > Zukunft Europas.
       
 (IMG) Bild: Deutsch-ukrainische Freundschaft, es wird luftig
       
       Es ist wahrlich nicht der erste Besuch, den der ukrainische Präsident
       Wolodymyr Selenskyj Berlin abstattet. Doch es könnte einer der
       bedeutendsten werden. Genau zwei Tage nach der [1][Abwahl Viktor Orbáns],
       des ungarischen Ministerpräsidenten, Russlandfreunds und Blockierers
       weiterer EU-Milliarden für die Ukraine, trifft Selenskyj auf den deutschen
       Bundeskanzler Friedrich Merz. Es ist der Auftakt für die ersten
       deutsch-ukrainischen Regierungskonsultationen seit rund 20 Jahren.
       
       Und an diesem Dienstag besiegeln Berlin und Kyjiw ihre strategische
       Partnerschaft. Es geht um Rüstungskooperationen, um gemeinsame Projekte zum
       Wiederaufbau des Landes in Kriegszeiten, um Energieversorgung,
       Digitalisierungsvorhaben und um ein deutsch-ukrainisches Kulturjahr 2027.
       
       Aus ihrer Freude über den [2][Wahlsieg Péter Magyars in Ungarn] machen
       beide Staatschefs keinen Hehl. Der Machtwechsel in Budapest könnte nun
       endlich auf europäischer Ebene wieder Türen für die Ukraine öffnen. Merz
       drängte in Berlin auf eine rasche Freigabe des 90-Milliarden-Euro-Kredits,
       der – so der deutsche Kanzler – die Ukraine langfristig unterstützen wird.
       Bereits bei einem informellen EU-Gipfel in Zypern in rund zwei Wochen soll
       es dazu Gespräche geben, die das Ende der ungarischen Blockade einläuten.
       Rund 60 Milliarden Euro will die Ukraine in Rüstung investieren. Zudem soll
       das 20. Sanktionspaket gegen Russland auf den Weg gebracht werden.
       
       ## Keine Nato light und keine EU light
       
       Und auch der Beitritt der Ukraine zur EU könnte die nächste Hürde nehmen.
       „Wir haben keine Zweifel an diesem Ziel“, sagte Merz. Wann es Zeit sei für
       den Beitritt hänge vom Reformwillen der Ukraine ab, etwa beim Thema Kampf
       gegen Korruption. Das Wort Nato nimmt Merz an diesem Dienstag nicht
       öffentlich in den Mund. Aber Selenskyj. Die Ukraine habe eine starke Armee,
       eine Nato light und eine EU light kämen nicht infrage.
       
       Während sich Selenskyj und Merz in Berlin besprechen, [3][greift Russland]
       die ukrainische Industriestadt Dnipro mit Raketen an. Laut Angaben des
       Gouverneurs starben mindestens 5 Menschen, 25 Zivilisten wurden verletzt.
       Merz betont in Berlin, dass es in Russlands Hand liege, den Krieg so
       schnell wie möglich zu beenden. Und er macht erneut klar, dass es keine
       Verabredung zwischen den USA, Russland und der Ukraine geben werde ohne die
       Europäer. Deutschlands Teilnahme sei unverzichtbar und sei auch Teil des
       Wiederaufbaus der Nachkriegsordnung.
       
       Anders als bei anderen Treffen Selenskyjs mit internationalen Staats- und
       Regierungschefs ist der ukrainische Präsident bei Merz nicht der
       Bittsteller. Die Ukraine sei Partner für ein sicheres Europa und ihre
       technische Leistungsfähigkeit sei auf einem Niveau, das nicht nur der
       Ukraine nutze, sondern auch der eigenen Sicherheit, lobt der Kanzler. Keine
       Gesellschaft sei resilienter, keine Verteidigungsindustrie effizienter. So
       effizient, dass am Dienstag gleich eine ganze Reihe gemeinsamer
       Rüstungsvorhaben unterzeichnet wurden.
       
       Unter anderem geht es um die Lieferung von mehreren Hundert Patriot-Raketen
       oder um Startgeräte für Iris-T-Luftabwehrsysteme. Auch [4][Drohnen mit
       mittlerer und langer Reichweite] will Deutschland gemeinsam mit der Ukraine
       bauen. Es ist eine Win-win-Situation: Die ukrainischen Streitkräfte sollen
       in ihrem Kampf gegen den russischen Aggressor gestärkt werden, die
       Bundeswehr soll von den technologischen Innovationen profitieren und ihre
       Kapazitäten perspektivisch ausbauen. Unterzeichnet wurde zudem eine
       Vereinbarung über den Austausch von Gefechtsdaten.
       
       ## Wehrfähige Männer zurück an die Front
       
       Es gibt noch ein Thema, das beide Staatschefs umtreibt. Selenskyj hat seit
       Monaten Probleme, ausreichend Soldaten für den Einsatz an der Front zu
       rekrutieren. Merz will Ukrainer:innen, die in Deutschland vor dem Krieg
       Zuflucht gesucht haben, zur Rückkehr bewegen.
       
       Anlässlich der Regierungskonsultationen eröffneten Bundesinnenminister
       Alexander Dobrindt und der ukrainische Sozialminister Denis Uljutin ein
       neues Beratungszentrum. Die Anlaufstelle mit dem markigen Namen „Unity Hub“
       soll die „Verbundenheit mit der Ukraine stärken und die Bereitschaft zu
       einer Rückkehr fördern“. Mit Kulturangeboten und Jobmöglichkeiten daheim.
       Teil der strategischen Partnerschaft ist also auch sanfter Druck seitens
       der Bundesregierung auf die Ukraine.
       
       14 Apr 2026
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Tanja Tricarico
       
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