# taz.de -- Folgen des Irankriegs: Ölpreise auf Achterbahnfahrt
> Die Ölpreise schwanken wild, in Europa verhängen erste Regierungen
> Preisdeckel. Ob der Klimaschutz von den hohen Preisen profitiert, bleibt
> fraglich.
(IMG) Bild: Die Mineralölraffinerie Oberrhein (MiRO) zählt zu den bedeutenden Standorten der Mineralölverarbeitung in Deutschland
Auf und Ab an den Energiemärkten: [1][Der Ölpreis spiegelt] die fragile
geopolitische Lage. Erst stieg er steil an, dann stellte US-Präsident
Donald Trump ein schnelles Ende des Krieges gegen Iran in Aussicht – und
der Ölpreis sank, wenn auch bei Weitem nicht auf das Vorkriegsniveau.
Wieder emporschnellen kann er jederzeit. Und: Preisrückgänge kommen bei
Verbraucher:innen nicht so schnell an wie Erhöhungen.
An den Zapfsäulen könnten die Preise „leider nicht so schnell sinken, wie
sie steigen“, erklärte der deutsche Wirtschaftsverband Fuels und Energie am
Dienstag. Denn für die Preise an den Tankstellen seien die Produktkosten
für Benzin und Diesel in Europa ausschlaggebend, nicht die Rohölpreise.
Hohe Ölpreise sind extrem ansteckend: Sie treiben die Gas- und Strompreise,
die Produktions- und Transportkosten hoch – und damit die Inflation
insgesamt. Störungen auf dem Weltmarkt wirken sich global aus. Durch die
[2][Straße von Hormus im Persischen Golf] werden rund 20 Prozent des
weltweit gehandelten Öls und Flüssiggases transportiert. Das meiste geht
nach Asien. Die zurzeit blockierte Menge fehlt aber auf dem Weltmarkt,
weshalb die Preise überall steigen. „Entwicklungsländer könnten besonders
betroffen sein, da hohe Schuldenlasten und steigende Kreditkosten ihre
Fähigkeit einschränken, neue Preisschocks abzufedern“, warnt die
UN-Organisation für Handel und Entwicklung (UNCTAD).
Westliche Industriestaaten dagegen haben viele Möglichkeiten, die
steigenden Energiekosten zu dämpfen. Nach der Ölkrise 1973 haben sie große
Ölreserven aufgebaut, um bei Engpässen handlungsfähig zu bleiben. Am Montag
haben die G7-Staaten – USA, Kanada, Japan, Deutschland, Frankreich, Italien
und Großbritannien – darüber beraten, ob sie ihre Ölreserven auf den Markt
bringen sollen, um die Preise zu senken. Die G7 haben sich dagegen
entschieden, doch offenbar hat schon die Diskussion darüber neben Trumps
Ankündigung eines schnellen Kriegsendes zu einer Preissenkung beigetragen.
Am Dienstagnachmittag rief außerdem die [3][Internationale Energieagentur]
eine Sondersitzung ein, um über die nationalen Ölreserven zu beraten. Das
zeigt, wie angespannt die Lage ist.
Ungarn und Kroatien sind die ersten EU-Staaten, die Maßnahmen gegen die
hohen Preise an den Tankstellen ergriffen haben. In Kroatien gibt es seit
Dienstag eine Obergrenze von 1,50 Euro pro Liter Benzin und 1,55 Euro pro
Liter Diesel. Sie soll zunächst für zwei Wochen gelten. Ohne diesen
Eingriff würden die Preise nach Angaben der kroatischen Regierung derzeit
bei 1,55 Euro pro Liter Benzin und bei 1,72 Euro pro Liter Diesel liegen.
Die ungarische Regierung will einen Preisdeckel einführen. Das kündigte
Ministerpräsident [4][Viktor Orbán, der kurz vor Wahlen steht,] in den
sozialen Medien an. Der Preisdeckel soll in der Nacht zu Mittwoch in Kraft
treten. Außerdem will Orbán staatliche Ölreserven freigeben, die zu einer
Preissenkung führen sollen.
## Rufe nach Preisdämpfung in Deutschland
Auch in Deutschland werden Rufe nach preisdämpfenden Initiativen lauter.
Der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Sepp
Müller, will gegen die seiner Meinung nach „freche Preisabzocke an unseren
Zapfsäulen“ das Bundeskartellamt in Anschlag bringen. Auch
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat eine Prüfung durch
die Wettbewerbshüter:innen angekündigt.
Tatsächlich hat die Behörde nach einer Verschärfung des Kartellrechts durch
den früheren Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) mehr
Eingriffsmöglichkeiten als früher. Sie kann Unternehmen mit Geldstrafen
belegen und bei extremem Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung
sogar zerschlagen – allerdings ganz sicher nicht innerhalb weniger Wochen
oder Monate. Maßnahmen müssen aber schnell kommen, wenn soziale Unwuchten
und wirtschaftliche Schäden gedämpft werden sollen.
## Tankrabatt wäre Geschenk für Konzerne, urteilt Ökonomin
An Ideen für preissenkende Schritte mangelt es nicht. Finanzminister Lars
Klingbeil (SPD) hat vorgeschlagen, dass Tankstellen nur einmal am Tag die
Preise erhöhen dürfen. Jetzt können sie das mehrfach am Tag und so bei
Erhöhungen der Konkurrenz nachlegen. SPD-Fraktionsvize Armand Zorn hält
auch eine Preisdeckelung für möglich.
Grüne und die Linkspartei sind für eine Senkung der Stromsteuer auch für
Privathaushalte und kleine Firmen. Die Bundesregierung hatte entgegen
anderer Ankündigungen diese Abgabe nur für Großverbraucher gesenkt. Die
Linkspartei fordert darüber hinaus ebenfalls einen Preisdeckel und eine
Übergewinnsteuer für Konzerne, die durch die Preissteigerungen übermäßig
viel Profit machen.
Einzelne Stimmen rufen nach Steuersenkungen für Sprit, etwa der bayrische
Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler). Das wäre ein
„Tankrabatt“, wie es ihn im Sommer 2022 nach Ausbruch des Ukrainekriegs
gab.
Der hat sich allerdings als Flop ins kollektive Gedächtnis eingegraben.
„Man hat während der Energiekrise 2022 gesehen, dass ein Tankrabatt nicht
bei den Verbraucherinnen ankommt“, sagt Claudia Kemfert, Ökonomin am
Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung DIW. Stattdessen hätten die
Mineralölkonzerne die eigenen Margen erhöht. „Ein teures Mitnahmegeschenk“
nennt Kemfert die Idee deshalb.
Sie schlägt vor, ein Energie- oder Klimageld auszuzahlen, ein Tempolimit
einzuführen und den öffentlichen Nahverkehr zu stärken. „Wir haben 2022
gesehen, welche enormen Vorteile ein 9-Euro-Ticket hat“, sagt sie. „Das
ließe sich auch kurzfristig wieder einführen.“
## Ölpreise haben zwiespältigen Einfluss auf Klimaschutz
Ein Tempolimit und der Ausbau des Nahverkehrs als Reaktion auf die hohen
Ölpreise würden auch den Klimaschutz in Deutschland voranbringen, während
ein Tankrabatt den Verbrauch klimaschädlicher Brennstoffe vergünstigt.
„Grundsätzlich sind höhere Ölpreise oft ein Anlass für weitere fossile
Subventionen, aber auch für Investitionen in Alternativen wie erneuerbare
Energien“, sagt Kemfert. Ein dauerhaft hoher Ölpreis bedeute, dass es
attraktiver wird, in neue Ölförderstätten zu investieren.
„Die fossilen Unternehmen profitieren sehr stark von hohen Kriegsgewinnen“,
kritisiert die Forscherin. „Die Frage ist, ob die Entwicklung kippt, sodass
viele Länder sich entscheiden, noch schneller vom Öl wegzukommen.“
Belastbare Aussagen dazu ließen sich aber noch nicht treffen.
10 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Oelpreis/!t5008367
(DIR) [2] /Strasse-von-Hormus/!6159021
(DIR) [3] https://www.iea.org/
(DIR) [4] /Ungarn-vor-der-Wahl/!6158226
## AUTOREN
(DIR) Anja Krüger
(DIR) Jonas Waack
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