# taz.de -- Operation Wüstenskorpion: Griechischer Geheimdienst spioniert Iraner aus
> Athen fürchtet in den Irankrieg hineingezogen zu werden – und verschärft
> Sicherheitsmaßnahmen. Griechenland ist ein wichtiger militärischer
> Stützpunkt.
(IMG) Bild: Der Flugzeugträger „USS Gerald R. Ford“ legt vom griechischen Stützpunkt Souda ab
Sie tarnen sich als verliebte Paare im Urlaub, Kellner in Restaurants und
Bars oder Konferenzteilnehmer – und sind in Wirklichkeit Agenten des
griechischen Geheimdienstes EYP. Mit derart ungewöhnlichen Methoden wollen
die griechischen Geheimdienstler in Treffpunkten nahe US-Militärbasen in
Griechenland potenziellen Spionen, Saboteuren und Attentätern auf die Spur
kommen und ihr Wirken im Keim ersticken. Der Name der Operation:
Wüstenskorpion.
Und der ist bewusst gewählt. Griechischen Medienberichten zufolge ist die
Operation „Wüstenskorpion“ von der EYP nach dem [1][Ausbruch des
Irankrieges am 28. Februar] aus Sorge vor möglichen iranischen
Vergeltungsschlägen gegen US-Stützpunkte in der gesamten Region aktiviert
worden. Das Nato-Mitglied Griechenland fürchtet sich davor, so wie die
Golfstaaten, die ebenfalls US-Militärbasen beherbergen, in den Irankrieg
hineingezogen zu werden.
Die US-Militärbasen liegen zudem in der Reichweite iranischer Raketen und
Drohnen. Im Nachbarland Zypern war am 2. März eine mutmaßlich aus dem
Libanon von der proiranischen Hisbollah entsandte Drohne auf dem britischen
Luftwaffenstützpunkt Akrotiri nahe der Küstenstadt Limassol eingeschlagen.
Es entstand Sachschaden, verletzt wurde niemand.
## Orte gezielt unter Beobachtung gestellt
Seit dem Beginn des Irankrieges haben laut griechischen Medienberichten
EYP-Mitarbeiter gezielt bestimmte Orte nahe der US-Militärbasen in Hellas
unter verstärkte Beobachtung gestellt, um Spionageaktivitäten,
Sabotageversuche sowie Anschläge zu verhindern. Dabei stünden auch Hotels,
Kurzzeitmietobjekte sowie andere touristische Unterkünfte mit Blick auf
auffällige Aufenthalte von Personen mit Herkunft aus Ländern des Nahen
Ostens sowie auf Einzelreisende mit Pässen, die nicht ihrem Herkunftsland
entsprechen, unter Kontrolle.
Mit Erfolg. Durch Sondereinsätze der EYP-Agenten seien in den letzten acht
Monaten vier Personen wegen Spionage auf der Insel Kreta sowie in der
Region Evros im Nordosten Griechenlands von den Behörden festgenommen
worden, berichtet der private Athener Fernsehsender Skai TV. So seien
zuletzt zwei Männer aserbaidschanischer Herkunft aufgefallen, die mit
polnischen Pässen ausgestattet waren. Ihre Fragen nach Unterkünften mit
Blick auf den Golf von Souda nahe der westkretischen Stadt Chania lösten
sofort Alarm bei der EYP aus. In Souda befindet sich ein [2][großer
US-Marinestützpunkt], der bedeutendste US-Stützpunkt im östlichen
Mittelmeer, der Luft- und Seestreitkräfte der USA beherbergt.
Der Militärstützpunkt in Souda wird fortan nicht nur mit der Operation
„Wüstenskorpion“ geschützt, sondern auch mit konventionellen Mitteln. Diese
wurden zuletzt verstärkt. Im Juni 2025 hatte Griechenland in Souda bereits
Patriots installiert. Am 4. März, vier Tage nach Ausbruch des Irankrieges,
verlegten die griechischen Streitkräfte zudem eine ihrer sechs
Patriot-Batterien auf die Insel Karpathos. Von dort soll der Luftraum
zwischen Rhodos und Kreta und damit der Stützpunkt Souda überwacht werden.
Die neu installierte Patriot-Batterie auf Karpathos soll Drohnen und
Raketen aus dem Nahen Osten abfangen, bevor sie Kreta erreichen können.
## Griechenland als militärisches Drehkreuz
Souda ist nicht die einzige US-Militärbasis. In ganz Griechenland
existieren auf Grundlage des bilateralen Abkommens über die gegenseitige
Verteidigungszusammenarbeit (MDCA) zwischen den USA und Athen vom
US-Militär genutzte Militärstützpunkte an insgesamt sechs Standorten. Sie
dienen sowohl den militärischen Zielen der USA und der Nato im östlichen
Mittelmeerraum, im Nahen Osten, in der Balkanregion, am Schwarzen Meer
sowie in der Ukraine.
Konkret handelt es sich dabei neben dem Marinestützpunkt in Souda um den
Luftwaffenstützpunkt im zentralgriechischen Larissa, auf dem unter anderem
vier US-Drohnen vom Typ „MQ-9 Reaper“ stationiert sind. Sie haben eine
große Reichweite von bis zu 1.850 Kilometern. Hinzu kommt der Hafen von
Alexandroupolis als wichtiger Knotenpunkt für den Transport von Waffen und
Munition nach Osteuropa und in die Ukraine.
Obendrein sind auf dem Stützpunkt Stefanovikeio in Zentralgriechenland
Transportflugzeuge und Kampfhubschrauber der US-Armee stationiert. Der
Luftwaffenstützpunkt in Araxos im Nordwesten der Halbinsel Peloponnes ist
ein fester Bestandteil der nuklearen Planung der Nato mit sechs „Gewölben“
(„vaults“) vom Typ WS3 (Weapons Storage and Security System).
Sie werden zur „sicheren Lagerung spezieller Waffen“ verwendet, in der
Regel für taktische Atombomben „B61“. Schließlich befindet sich im Ort
Andravida-Kyllini im Nordwesten der Peloponnes ein Luftwaffenstützpunkt,
der von der US-Luftwaffe genutzt wird.
11 Mar 2026
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