# taz.de -- Hohe Ölpreise durch Iran-Krieg: Deutsche Spritpreise sind EU-weit am stärksten gestiegen
       
       > Die Preise an hiesigen Tankstellen sind unverhältnismäßig, zeigt eine
       > Auswertung der Monopolkommission. Sie sieht Hinweise auf strukturelle
       > Probleme.
       
 (IMG) Bild: Reservetropfen: Wieder Auftanken wird teuer
       
       Die Spritpreise in Deutschland sind im Zuge des Irankriegs nicht nur
       gefühlt unverhältnismäßig stark gestiegen: In keinem anderen Land in der EU
       sind die Kosten für Diesel und Benzin so drastisch emporgeschnellt wie
       hierzulande. Das zeigt eine Auswertung der [1][Monopolkommission.] Sie ist
       ein unabhängiges Gremium, das die Bundesregierung in Fragen der
       Wettbewerbspolitik berät.
       
       Nach den Angriffen der USA und Israels hat Iran den Seeweg über die
       sogenannte Straße von Hormus im persischen Golf gesperrt, durch den rund 20
       Prozent des global gehandelten Öls transportiert werden. [2][Deshalb ist
       der Ölpreis -mit großen Schwankungen – gestiegen]. Nach Angriffen auf
       Tanker im Persischen Golf ist er am Donnerstag zeitweise wieder über die
       Grenze von 100 Dollar pro Barrel gestiegen. Die am Mittwoch bekanntgegebene
       Freigabe der Ölreserven der 32 Mitglieder der Internationalen
       Energieagentur (IEA) hat offenbar noch nicht preisberuhigend gewirkt, ist
       aber auch noch nicht vollzogen.
       
       In Asien gibt es bereits einen Energiemangel. Das ist in Europa bislang
       nicht der Fall. Aber auch hier sind Öl und Ölprodukte sehr viel teurer
       geworden, was vor allem an den Tankstellen sichtbar ist. Am Mittwoch
       kosteten Benzin und Diesel über zwei Euro pro Liter. Nach Angaben des ADAC
       sind die Preise am Donnerstag leicht gesunken. Das dürfte eine Reaktion auf
       die Diskussion über politische Maßnahmen gegen die Spritverteuerung sein.
       
       Bei ihrem Vergleich der Preissteigerungen in den 27 EU-Staaten hat die
       Monopolkommission Steuern und Abgaben auf Kraftstoffe herausgerechnet. In
       Deutschland sind sie besonders hoch, aber nicht der Grund für den besonders
       starken Anstieg. Zwischen dem Montag vor Kriegsbeginn, dem 23. Februar, und
       dem vergangenen Montag, dem 9. März, haben die Mineralölkonzerne den Preis
       für Diesel abgaben- und steuerbereinigt um 43,9 Prozent angehoben. Im
       EU-Schnitt sind die Preise aber nur um 28,8 Prozent geklettert, zeigt die
       Auswertung der Monopolkommission. Der Ölpreis ist seit Kriegsbeginn um 26,7
       Prozent gestiegen. Nach Deutschland weisen Österreich und Polen die höchste
       Aufwärtsentwicklung beim Dieselpreis auf.
       
       ## Kartellamt hat Branche im Auge
       
       Fast moderat scheint die Entwicklung im Vergleich dazu bei Benzin zu sein.
       Der Preis ist in Deutschland zwischen den beiden Stichtagen um 28,9 Prozent
       geklettert, EU-weit um 15,8 Prozent. Nur in Deutschland sind die Preise
       stärker als der Ölpreis gestiegen, in allen anderen 26 Ländern der EU
       nicht. Finnland und Österreich bleiben knapp unter dem Niveau der
       Ölpreiserhöhung, 20 Länder unter dem EU-Schnitt. Das ist möglich, weil die
       derzeitigen Lagerbestände noch zu weitaus niedrigen Preisen angelegt
       wurden. Vertreter:innen der deutschen Mineralölindustrie hatten die
       drastischen Preisanhebungen damit begründet, dass die Kosten für Nachschub
       jetzt höher wären.
       
       „Dass die Preisanstiege in Deutschland deutlich stärker ausfallen als im
       europäischen Durchschnitt, ist ein Hinweis darauf, dass wir strukturelle
       Probleme im Mineralölmarkt anpacken müssen“, kommentiert der Vorsitzende
       der Monopolkommission Tomaso Duso die Ergebnisse.
       
       Dafür ist das Bundeskartellamt zuständig. [3][Es hat den Mineralölsektor
       bereits im Auge]. Zeitweise Entkoppelungen der Benzin- und Dieselpreise von
       den Rohölpreisen seien zumindest erklärungsbedürftig, sagte Kartellamtschef
       Andreas Mundt am Donnerstag. Sein Amt sei dazu im Austausch mit den
       Mineralölunternehmen. „Über das europäische Netz der Kartellbehörden sind
       wir zudem mit unseren europäischen Schwesterbehörden in Kontakt, um
       mögliche Preisabweichungen im Ländervergleich aufzuklären“, sagte er.
       
       ## 50 Preisänderungen an einem Tag
       
       Die Bundesregierung hat auf die hohen Spritpreise mit neuen Vorgaben für
       Tankstellen reagiert. Sie sollen künftig nur noch einmal täglich die Preise
       erhöhen dürfen, Senkungen sollen jederzeit möglich sein, kündigte
       Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) an. Nach Auffassung des
       ADAC besteht die Gefahr, dass die einmaligen Anhebungen besonders stark
       ausfallen.
       
       Kartellamtschef Mundt begrüßte die Neuregelung. Sie bringe mehr Transparenz
       für verbraucher:innen. „In der Spitze haben wir an einem Tag bis zu 50
       Preisänderungen an der Tankstelle gesehen“, sagte er. Ein wirksamer
       Preisvergleich werde den Verbraucher:innen damit fast unmöglich
       gemacht. Vorbild für die Neuregelung ist Österreich. Die Alpenrepublik hat
       ihre Vorgaben allerdings verschärft. Dort sind künftig Preisänderungen an
       Tankstellen nur noch dreimal in der Woche erlaubt.
       
       12 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Monopol/!t5027567
 (DIR) [2] /Folgen-des-Irankriegs/!6161177
 (DIR) [3] https://www.bundeskartellamt.de/SharedDocs/Meldung/DE/Pressemitteilungen/2025/03_06_2025_Verfahren_32f.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Anja Krüger
       
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