# taz.de -- Umgang mit fossilen Energieträgern: Erdöl hat keine Zukunft
> Die Bundesregierung setzt weiterhin auf fossile Ernergien. Dabei sprechen
> alle wissenschaftlichen Erkenntnisse dagegen, selbst die Wirtschaft
> leidet.
(IMG) Bild: Bald ein Komplex ohne Zukunft: Raffinerien für fossilisiert-verflüssigte Saurier
Um zu versinnbildlichen, wie groß der weltweite Hunger nach Erdöl ist,
eignen sich Kesselwagen: Die Menschheit verbrauchte im vergangenen Jahr
knapp 103 Millionen Barrel jeden Tag. Um diese Menge zu transportieren,
müsste ein Güterzug mit Kesselwagen zusammengestellt werden, der von
Norwegen bis Italien reicht. Ermittelt werden solche Daten von der
Internationalen Energieagentur IEA, sie ist die wissenschaftliche
Institution jener Staaten, die durch die Verbrennung fossiler Energie zu
Reichtum gekommen sind, die Länder der OECD.
Mit ihrem Analysebericht World Energy Outlook legt die IEA jährlich ihren
Bericht zum „Stand der Dinge“ vor. Der jüngste hatte drei zentrale
Botschaften: Erstens ist der Klimawandel für die Wirtschaft eine
existenzielle Bedrohung. Weshalb wir zweitens schneller auf Erneuerbare
umsteigen müssen. Und drittens: Es werden derzeit nur noch wenige neue
Erdölfelder erschlossen, der tägliche Zug von Norwegen nach Italien wird
sich im nächsten, spätestens im übernächsten Jahrzehnt [1][nicht mehr mit
Erdöl befüllen] lassen.
Für die Verfechter des Klimaschutzes ist das eine gute Nachricht: Der Markt
nimmt die Risiken ernst. Neue Ölfelder zu erschließen ist teuer, die
Investitionskosten fließen in die Konzernbilanz ein. Wenn erschlossene
Felder wegen des Klimaschutzes nicht mehr ausgebeutet werden können, wirken
sie wie faule Kredite. Und die können einen Konzern existenziell gefährden.
Tatsächlich geht der Bericht in seinen Szenarien davon aus, dass der
Verbrauch von Erdöl bis Mitte des Jahrhunderts um 6 Prozent sinkt. Würde
die Welt einfach so weitermachen, steigt die Nachfrage um 11 Prozent an –
und damit steigen auch die Emissionen.
Aber offenbar kann die Nachfrage bei der derzeitigen Zurückhaltung der
Konzerne beim Erschließen neuer Felder in Kürze gar nicht mehr gedeckt
werden. Selbst umfangreiche Investitionen können laut der IEA nicht
verhindern, dass sich die Ölförderung bis 2050 glatt halbiert. Kluge
Politik rückt das in ihren Fokus: [2][Ausbau des ÖPNV,] Förderung der
Elektromobilität, Ausstieg aus der Verbrennervergangenheit. Populisten
reden von „Technologieoffenheit“, E-Fuels, gewähren Tankrabatte. Es ist
zwar richtig, dafür zu sorgen, dass sich Mineralölkonzerne nicht schamlos
an der Situation bereichern. Aber das ist das Tagesgeschäft der
Institutionen. Politiker, die nicht klar benennen, dass die fossil
betriebene Mobilität zu Ende geht, [3][sollten ins Fach der Lobbyisten
wechseln]. Aufgabe kluger Politik ist es, das Gemeinwohl auf die Zukunft
vorzubereiten.
19 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Nick Reimer
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