# taz.de -- Deutsche Klimabilanz: Immerhin dem Wald geht's besser
       
       > Die deutschen CO₂-Emissionen sinken nur minimal. Auch fürs Klimaziel 2030
       > sieht es nicht gut aus. Ein Hoffnungsschimmer ist der gesundende Wald.
       
 (IMG) Bild: Während der Verkehrssektor weiter Sorgenkind des Klimaschutzes ist, erholt sich der Wald langsam von der Dürre
       
       Deutschland hat sein Klimaziel 2025 eingehalten, der Rückgang der
       CO₂-Emissionen verliert jedoch deutlich an Tempo. Das geht aus der
       [1][Klimabilanz 2025] hervor, die das Umweltbundesamt (UBA) und das
       Bundesumweltministerium am Samstag vorstellten.
       
       Demnach sank der deutsche CO₂-Ausstoß im Vergleich zum Vorjahr um 1 Million
       Tonnen, eine Reduktion um etwa 1 Prozent. Das im Klimaschutzgesetz
       vermerkte Ziel für 2025 ist damit um 12 Millionen Tonnen CO₂ übererfüllt.
       
       Das Etappenziel 2030, 65 Prozent weniger CO₂ auszustoßen als 1990, erreicht
       die Bundesregierung mit den aktuellen Maßnahmen nicht. Die UBA-Expert*innen
       kommen in ihrer Prognose nur auf 62,6 Prozent CO₂-Reduktion.
       
       Die Berechnung dieser Vorhersage fand jedoch auf Stand vom November 2025
       statt. Deshalb fehlen noch geplante Maßnahmen der Bundesregierung wie die
       Reformen des Heizungsgesetzes und des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG),
       die den Klimaschutz in Deutschland wahrscheinlich verlangsamen werden.
       
       „Der Rückgang der Emissionen ist nicht das Verdienst dieser Regierung,
       sondern der Vorgängerregierung und des Zufalls, eine Mischung aus Wetter,
       Wirtschaftskrise und Geoökonomie“, sagte Carla Reemtsma, Sprecherin von
       Fridays for Future. Alles, was die schwarz-rote Bundesregierung macht, gehe
       in die entgegengesetzte Richtung. „Das könnte die erste Regierung seit
       Jahren sein, die nicht nur zu langsame Fortschritte macht, sondern dafür
       sorgt, dass es rückwärts geht“, sagte sie der taz.
       
       ## Schneider zeigt sich optimistisch
       
       Dass der Emissionsrückgang nicht Verdienst seiner Regierung ist, gab
       Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) unumwunden zu. „Das ist die
       Abschlussbilanz der letzten Regierung“, sagte er. Sein Problem: An ihm
       hängt es jetzt, den Rückwärtsgang zu verhindern. Leicht werden dürfte das
       nicht, das zeigen die UBA-Daten.
       
       Den größten Rückgang der CO₂-Emissionen verzeichnete die Industrie mit 3,8
       Prozent weniger CO₂-Ausstoß als im Vorjahr, ein Rückgang, ohne den
       Deutschland im vergangenen Jahr wachsende CO₂-Emissionen zu verzeichnen
       hätte.
       
       Die Einsparungen lagen aber laut UBA hauptsächlich an der Wirtschaftskrise.
       „Die Chemieindustrie büßt, getrieben vom Gaspreis, gerade am meisten
       Produktionsleistung ein“, erklärte Levi Henze von der Denkfabrik Dezernat
       Zukunft. „Aber auch langfristig werden die Energiekosten ein
       Standortnachteil sein, den grundsätzlichen Trend kann man nicht aufhalten.“
       Die energieintensive Industrie werde deswegen eine kleinere Rolle spielen.
       „Das ist nicht gut, aber Autozulieferer oder die Spezialchemie, die
       deutlich mehr zur Wertschöpfung beitragen, sind weniger abhängig von den
       Energiekosten.“
       
       Die Emissionen der Energiewirtschaft, die in den vergangenen Jahren den
       Großteil der CO₂-Einsparungen beitrug, gingen 2025 nur noch um 0,3 Prozent
       zurück. [2][Obwohl öffentlich gewordene erste Entwürfe einer EEG-Reform
       nahelegen], dass das Bundeswirtschaftsministerium unter Katherina Reiche
       (CDU) den Ausbau von Wind- und Solaranlagen bremsen will, rechnet Schneider
       mit einem Hochlauf. „Erneuerbare Energien sind der Schlüssel für
       erfolgreichen Klimaschutz, aber sie sind auch Sicherheitsenergien“, sagte
       er. „Sie machen [3][unabhängig von teuren Öl- und Gasimporten] und sind
       dadurch ein Standortvorteil für die deutsche Industrie.“
       
       E-Autos haben ihm zufolge die gleichen Vorzüge: „Die E-Mobilität erlaubt
       uns, das Klima zu schützen und unabhängig von erpresserischen Machtspielen
       und Öl-Staaten zu werden.“ Im Vergleich zu 2024 seien im vergangenen Jahr
       45 Prozent mehr E-Autos zugelassen worden. „Ich rechne mit exponentiellem
       Wachstum“, sagte Schneider. „Ich bin mir zu 100 Prozent sicher, dass
       E-Autos sich durchsetzen.“ Im vergangenen Jahr stiegen die CO₂-Emissionen
       aufgrund steigenden Verkehrsaufkommens aber um 1,4 Prozent.
       
       ## Wälder, Böden und Moore stoßen deutlich weniger CO₂ aus
       
       Auch im Gebäudesektor stieg der CO₂-Ausstoß im Vergleich zum Vorjahr um 3,4
       Prozent. Das UBA begründet den Anstieg mit den kalten Wintermonaten,
       deretwegen mehr geheizt wurde. 2030 soll der Sektor nur noch 67 Millionen
       Tonnen CO₂ ausstoßen, das UBA sagt aber 80 Millionen Tonnen CO₂-Emissionen
       voraus. Dazu kommen laut einer Berechnung des Öko-Instituts womöglich noch
       5 bis 8 Millionen Tonnen zusätzlicher Ausstoß, weil die CDU- und
       SPD-Bundestagsfraktionen bei der Reform des Heizungsgesetzes die Regel
       abschaffen wollen, derzufolge ab 2026 oder 2028 neue Heizungen mit 65
       Prozent erneuerbaren Energien betrieben werden müssen.
       
       Stattdessen sollen neue Gas- und Ölheizungen mit 10 Prozent Grüngas oder
       -öl betrieben werden. UBA-Präsident Dirk Messner warnte, dass die
       Potenziale für solche grünen Brennstoffe begrenzt seien und die Industrie
       sie dringender brauche. Außerdem bedeute 10 Prozent grüner Brennstoffe 90
       Prozent fossilen Gases oder Öls. „Das kann uns nicht zufriedenstellen“,
       sagte Messner.
       
       Schneider kündigte an, bei den Verhandlungen um die Reform den Mieterschutz
       stärken zu wollen. „Wir dürfen nicht zulassen, dass die Entscheidung des
       Vermieters, welche Heizung er einbaut, zulasten des Mieters geht.“ Dadurch
       [4][solle auch der Klimaschutz gestärkt werden].
       
       Erholt hat sich laut den UBA-Daten der Landnutzungssektor, zu dem die
       CO₂-Emissionen aus Wäldern, Mooren und Böden gehören. Dort halbierte sich
       der CO₂-Ausstoß, vor allem, weil der Wald nach vielen Dürrejahren wieder zu
       Kräften kommt. „Mit unseren Modellen kommen wir auf vergleichbare
       Ergebnisse“, bestätigte Klaus Hennenberg vom Öko-Institut die Berechnungen.
       Laut Klimaschutzgesetz sollen Wälder, Moore und Böden allerdings 2040 35
       Millionen Tonnen CO₂ mehr binden, als sie ausstoßen, also zur CO₂-Senke
       werden. „Dafür reichen die aktuellen Maßnahmen nicht“, sagte Hennenberg.
       
       ## Schneider: „Will Dynamik in den Klimaschutz bringen“
       
       Schneider verwies darauf, dass sein Ministerium das Aktionsprogramm
       Natürlicher Klimaschutz weiterentwickeln wolle. Darin sind unter anderem
       weitere Maßnahmen zur Wiedervernässung von Mooren, Agroforstwirtschaft, zum
       Waldumbau und zur verstärkten Herstellung von Holzprodukten statt der
       Verbrennung in Holzheizungen vorgesehen. „Damit kommt man auf einen Pfad,
       der die Erreichbarkeit der Ziele ermöglicht“, sagte Hennenberg.
       
       Die Bundesregierung muss bis zum 25. März ein Klimaschutzprogramm vorlegen,
       [5][das zeigt, wie es die Klimaziele 2030 und 2040 erreichen will]. Die
       Lücke im Jahr 2030 ist laut den UBA-Daten von 25 Millionen Tonnen CO₂ auf
       30 Millionen Tonnen CO₂ gestiegen – das Programm werde sich aber auf die 25
       Millionen Tonnen CO₂ beziehen, weil die UBA-Projektion planmäßig erst im
       Mai vom Expertenrat Klima bestätigt wird, kündigte Schneider an.
       
       Mit Blick auf die steigenden Verkaufszahlen für E-Autos und Wärmepumpen
       sagte Schneider, „ich will auf diese Hoffnungsträger aufbauen und Dynamik
       in den Klimaschutz bringen“.
       
       14 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/treibhausgas-projektionen-2026-ergebnisse-kompakt
 (DIR) [2] /Netzpaket-der-Bundesregierung/!6153458
 (DIR) [3] /Steigender-Oelpreis-und-Klimaschutz/!6161263
 (DIR) [4] /Reform-des-Heizungsgesetzes/!6159844
 (DIR) [5] /Leak-Bundesregierung-schreibt-schwaches-Klimaschutzprogramm/!6152945
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jonas Waack
       
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