# taz.de -- Hohe Spritpreise: Ölmarkt soll geflutet werden
       
       > Deutschland und andere Staaten lösen ihre Ölreserven auf, damit sich die
       > Preise stabilisieren. Hohe Spritpreise heizen die Debatte um Entlastungen
       > an.
       
 (IMG) Bild: Dürfen künftig nur noch einmal täglich angehoben werden: Benzin- und Dieselpreise an der Tankstelle
       
       Die Internationale Energieagentur (IEA) reagiert auf [1][die hohen
       Ölpreise]: Sie hat am Mittwoch ihre 32 Mitglieder aufgefordert, insgesamt
       400 Millionen Barrel Öl aus ihren Reserven auf den Markt zu bringen.
       Deutschland wird 19,51 Millionen Barrel freigeben, kündigte
       Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) an. Außerdem sollen
       Tankstellen in Deutschland künftig nur noch einmal täglich die Preise
       erhöhen dürfen. So sollen die Mineralölkonzerne bei Anhebungen der
       Wettbewerber nicht sofort nachziehen können. Preissenkungen bleiben
       jederzeit möglich.
       
       Der Ölpreis ist nach Ausbruch des Irankriegs in die Höhe geschnellt, weil
       mit der Straße von Hormus ein wichtiger Seeweg für den Transport von rund
       einem Fünftel des Welthandelsvolumens an Öl blockiert ist. Rund 15
       Millionen Barrel Öl passieren die Meerenge täglich. Nachdem US-Präsident
       Donald Trump Anfang der Woche ein schnelles Ende des Kriegs angekündigt
       hatte, [2][war der Preis gesunken.] Nach dem Beschuss eines
       Containerschiffs im Persischen Golf und Berichten über die Verminung der
       Straße von Hormus ist er wieder gestiegen.
       
       In Asien herrscht mittlerweile Ölmangel, in Europa nicht. Hier sind aber
       die Preise stark gestiegen. Vor allem in Deutschland sind die Spritpreise
       emporgeschnellt, hier sind die Steuern und Abgaben darauf besonders hoch.
       Hohe Energiepreise sind schnell ein volkswirtschaftliches Problem. Sie
       treiben die Inflation an, weil sie die Produktion und den Transport von
       Waren verteuern.
       
       Die G7-Staaten hatten bereits am Montag darüber beraten, ob sie Ölreserven
       freigeben sollen, um den Markt zu entspannen. Sie hatte die Entscheidung
       der IEA übertragen. Als Lehre aus der Ölkrise 1973 haben Industriestaaten
       Ölreserven gebildet, auch die Gründung der IEA war eine Reaktion darauf.
       Die IEA hat ihre Mitglieder nun um die größte Ölfreigabe ihrer Geschichte
       gebeten. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine und der folgenden
       Energiepreiskrise hatte sie Freigaben in Höhe von 182 Millionen Barrel Öl
       veranlasst.
       
       ## Ungewisse Wirkung
       
       Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln geht davon aus, dass die
       Freigabe zu Preissenkungen führt. „Allein die Debatte der G7 über dieses
       Instrument hat am Montag den Ölpreis um 20 Dollar gedrückt“, so IW-Ökonom
       Thomas Puls. „Dass eine tatsächliche Freigabe die Märkte beruhigt, ist als
       gesichert anzunehmen.“
       
       Der frühere grüne Staatssekretär und heutige Bundestagsabgeordnete Michael
       Kellner sieht das anders. „Die Freigabe der Ölreserven bringt vermutlich
       nur wenig und nur kurzfristig was“, sagte er. „Der Markt ist irrational und
       die Mengen können schnell verpuffen.“ Die Irrationalität habe sich etwa
       gezeigt, als die Ölpreise gesunken sind, nachdem US-Energieminister Chris
       Wright fälschlicherweise in den sozialen Medien behauptet hat, die
       US-Marine habe einen Tanker durch die Straße von Hormus eskortiert. Die
       Preise stiegen wieder, nachdem das Weiße Haus das dementiert hat.
       
       Der energiepolitische Sprecher der Linksfraktion im Bundestag, Jörg
       Cezanne, begrüßt die Freigabe. „Der angekündigte deutsche Beitrag von 19,5
       Millionen Barrel am Gesamtvolumen von 400 Millionen Barrel erscheint im
       Verhältnis zur deutschen Wirtschaftsleistung jedoch sehr gering“, sagte er.
       „Die internationale Solidarität in Krisenzeiten sollte der Bundesregierung
       mehr wert sein.“
       
       ## Rufe nach Entlastung der Autofahrenden
       
       In Deutschland werden mit Blick auf die hohen Spritpreise Rufe nach einer
       Entlastung der Autofahrenden lauter. Spritpreise haben drei Teile: den
       Einkaufspreis, Steuern und Abgaben sowie den Betrag, den die Konzerne etwa
       für Verwaltung und Gewinn aufschlagen. Abgaben und Steuern machen nach
       Angaben des ADAC im Schnitt bei Benzin 58 Prozent und bei Diesel 48 Prozent
       des Preises aus.
       
       Die Bundesregierung könnte bei den Abgaben und Steuern eingreifen, das wäre
       ein Tankrabatt wie 2022. Das wird bislang nur von einzelnen konservativen
       Stimmen gefordert. Möglich ist auch ein Preisdeckel, den unter anderem die
       Linkspartei, aber auch Politiker:innen von CDU und SPD befürworten.
       Auch die Forderung nach einer Übergewinnsteuer wird laut, um extreme
       Profite von Mineralölkonzernen abzuschöpfen. Unter anderem die Linkspartei
       und die Grünen sind dafür.
       
       Die Grünen haben mit Blick auf den Koalitionsausschuss von Union und SPD am
       Abend am Mittwoch ein Sofortprogramm gegen steigende Energiepreise und für
       den Ausbau der erneuerbaren Energien vorgelegt. Der Staat soll
       Mehreinnahmen aus den Preissteigerungen, etwa durch die Mehrwertsteuer, an
       die Bürger:innen zurückgeben, fordern sie. Das könnte unter anderem
       erfolgen durch eine Senkung der Stromsteuer, ein Solarbonus mit bis zu 600
       Stunden kostenlosem Solarstrom pro Jahr, ein billigeres Deutschlandticket
       und ein Social Leasing für E-Autos für Menschen mit geringem Einkommen.
       
       11 Mar 2026
       
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