# taz.de -- Wegen Irankrieg: Deutschland gibt Teil der Ölreserven frei
       
       > Wegen des steigenden Ölpreises wird nun ein seltenes Instrument für
       > Krisenzeiten aktiviert. Auch Tankstellen dürfen ihre Preise nur noch
       > einmal am Tag erhöhen.
       
 (IMG) Bild: Gut geölt: Wirtschafts- und Energieministerin Reiche
       
       dpa/rtr | Deutschland gibt nach dpa-Informationen einen Teil der nationalen
       Ölreserven frei. Hintergrund sind die wegen des Irankriegs [1][deutlich
       gestiegenen Öl- und Spritpreise]. Die G7-Staaten hatten deshalb über eine
       Freigabe von Reserven beraten. Mit dem Schritt erhofft man sich eine
       Beruhigung der Märkte und dass der durch den Krieg ausgelöste rasante
       Ölpreisanstieg abgefedert wird.
       
       Die IEA hatte am Dienstag wegen der angespannten Lage an den Ölmärkten eine
       Sondersitzung abgehalten. Es gehe darum, die aktuelle Versorgungssicherheit
       und die Marktbedingungen zu beurteilen, was Einfluss auf eine folgende
       Entscheidung über die mögliche Freigabe von nationalen Ölreserven habe,
       hieß es von der IEA. Agenturchef Fatih Birol habe das Treffen mit den
       Regierungen der IEA-Mitgliedstaaten einberufen.
       
       Wie das Handelsblatt aus Regierungskreisen erfuhr, schlägt die IEA ihren
       Mitgliedsstaaten nun eine Freigabe von bis zu 400 Millionen Barrel Rohöl (1
       Barrel = 159 Liter) vor. Das würde die bisherige Höchstmenge von 182
       Millionen Barrel zu Beginn des Ukrainekriegs deutlich übertreffen. 400
       Millionen Barrel entsprächen in etwa der Menge, die vor dem Krieg innerhalb
       von 20 Tagen durch die Straße von Hormus transportiert wurde. Weiter hieß
       es, dass 19,5 Millionen davon aus den deutschen Reserven kommen sollen. Das
       wäre rund ein Fünftel der Vorräte hierzulande.
       
       ## Ölpreis steigt seit Kriegsbeginn enorm
       
       Die Energiemärkte sind durch den [2][Krieg im Nahen Osten] stark
       beeinträchtigt. Der Transport von Energierohstoffen aus den Förderregionen
       am Persischen Golf durch die wichtige Straße von Hormus ist praktisch zum
       Erliegen gekommen. Zuletzt haben Berichte über angeblich von Iran in der
       Straße von Hormus verlegte Seeminen die Sorge um die Sicherheit der
       internationalen Energieversorgung befeuert.
       
       Am Mittwoch stiegen die Ölpreise mit der Sorge vor einer längeren
       Lieferunterbrechung in der Straße von Hormus. Am Morgen wurde für ein
       Barrel der Nordsee-Sorte Brent 92,31 Dollar gezahlt und damit über 5
       Prozent mehr als am Vortag. Der Preisrückgang, der am Montag eingesetzt und
       sich am Dienstag fortgesetzt hatte, ist damit vorerst beendet.
       
       US-Präsident Donald Trump hatte die Freigabe strategischer Ölreserven in
       Erwägung gezogen. Medien hatten berichtet, dass es auch eine Lockerung der
       Ölsanktionen gegen Russland geben könnte. Trump hatte außerdem ein
       schnelles Ende des Kriegs im Nahen Osten in Aussicht gestellt.
       
       ## Deutsche Ölreserven für drei Monate
       
       In Deutschland sind seit Ausbruch des Irankriegs die Spritpreise deutlich
       gestiegen. In der Politik läuft eine Debatte über mögliche Gegenmaßnahmen
       und Entlastungen der Verbraucher. Am Abend kommen die Koalitionsspitzen von
       CDU, CSU und SPD zusammen. Deutschland bekommt sein Rohöl überwiegend nicht
       aus dem Nahen Osten.
       
       Deutschland hält strategische Ölreserven für mindestens 90 Tage, um
       Versorgungsstörungen auszugleichen. Mit diesen sogenannten strategischen
       Ölvorräten könnte laut Bundeswirtschaftsministerium für drei Monate ein
       vollständiger Ausfall aller Importe ausgeglichen werden. Verantwortlich ist
       der Erdölbevorratungsverband (EBV), der Rohöl und Mineralölerzeugnisse
       (Benzin, Diesel, Kerosin) lagert.
       
       Die Vorräte an Erdölerzeugnissen sind den Angaben zufolge über ganz
       Deutschland verteilt, das Rohöl wird demnach vorwiegend in unterirdischen
       Speichern in Norddeutschland gelagert, von wo aus es über Pipelines oder
       auch per Schiff zur Verarbeitung in Raffinerien transportiert werden kann.
       
       ## Deutschland gab früher schon Reserven frei
       
       Ihre strategischen Ölreserven geben Volkswirtschaften jeweils in
       Krisensituationen frei, um den [3][Ölmarkt] zu stabilisieren oder auf
       Versorgungsengpässe zu reagieren. Zu diesem Mittel wird selten gegriffen.
       Der IEA zufolge geschah dies seit ihrer Gründung vor gut 50 Jahren bereits
       fünfmal in koordinierter Weise. Auch Deutschland hatte sich daran in der
       Vergangenheit beteiligt.
       
       Die Anlässe für die früheren Freigaben der Notreserven waren der Golfkrieg
       1990/91, die von den Hurrikans „Katrina“ und „Rita“ 2005 angerichteten
       Schäden in den USA sowie der Ausfall libyscher Ölexporte im Jahr 2011.
       Zuletzt wurden 2022 wegen des Ukrainekriegs nationale Ölreserven
       freigegeben.
       
       Nach dem Erdölbevorratungsgesetz sind Freigaben der Reserve unter anderem
       zulässig zur Verhütung unmittelbar drohender oder zur Behebung eingehender
       Störungen in der Energieversorgung – außerdem zur Abwehr eines
       beträchtlichen und plötzlichen Rückgangs der Lieferungen von Erdöl oder
       Erdölerzeugnissen.
       
       ## Bundesregierung plant neue Regel für Tankstellen
       
       Zudem will die Bundesregierung Preiserhöhungen an Tankstellen stärker
       regulieren, wie Reiche ankündigte. Um die Belastung für Pendler und
       Unternehmen zu dämpfen, solle die Häufigkeit der Preisänderungen an den
       Zapfsäulen eingeschränkt werden. Nach dem Vorbild des „österreichischen
       Modells“ dürften Tankstellen ihre Preise dann nur ‌noch einmal am Tag
       erhöhen. Preissenkungen blieben dagegen jederzeit zulässig. Zudem will
       Reiche mit einer Änderung des Kartellrechts die Preis- und
       Missbrauchsaufsicht verschärfen.
       
       Ziel der Begrenzung der Erhöhungsschritte an den Tankstellen sei es, den
       vom Bundeskartellamt beschriebenen „Raketen- und Federeffekt“ zu
       durchbrechen, sagte Reiche: „Kraftstoffpreise steigen bei höheren
       Rohölkosten extrem schnell an – die Rakete – und sinken dann bei fallenden
       Kosten aber nur langsam – die Federn. Und diesen Mechanismus wollen wir
       durchbrechen.“
       
       Wann die Regelung in Kraft treten soll, ließ Reiche offen. Die Umsetzung
       erfordere eine Änderung des Kartellrechts. Um das Verfahren zu
       beschleunigen, suche die Koalition nach einem bereits laufenden
       Gesetzgebungsverfahren, an das die Regelung angehängt werden könne. Dies
       werde auch Thema beim ‌Treffen der Koalitionsspitzen von CDU, CSU und SPD
       am Mittwoch sein.
       
       11 Mar 2026
       
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