# taz.de -- Klimapolitik in Schleswig-Holstein: Die Mär vom ungerechten Klimaschutz
       
       > In einem „Sozialappell“ kritisieren SPD und Verbände das Landes-Ziel, bis
       > 2040 klimaneutral zu werden, als zu ehrgeizig. Das ist populistisch und
       > falsch.
       
 (IMG) Bild: Davon profitieren alle: Seit Jahren produziert Schleswig-Holstein mehr Strom aus nachhaltigen Quellen, als es selbst verbraucht
       
       Mehr als zwei Euro für den Liter Super, höhere Preise für Heizöl und Gas –
       klar, wer von einem kleinen Einkommen lebt, spürt das deutlicher als
       Menschen, die [1][über ein Polster aus ererbten Millionen verfügen].
       
       Die Forderung, der Staat möge eingreifen und die Kosten deckeln, die
       [2][seit Beginn des von den USA und Israel losgetretenen Krieges gegen den
       Iran in die Höhe schießen], geistert seit Tagen durch die Öffentlichkeit,
       eine Antwort ist die Öffnung der nationalen Energiereserve.
       
       Auch die SPD Schleswig-Holstein mit ihrem Landesvorsitzenden Ulf Kämpfer,
       der Landesverband des Sozialverbandes Deutschland (SoVD) und der Verband
       norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW) wollen Menschen ohne viel Geld
       helfen.
       
       So ehrenwert das Ziel ist, so erstaunlich ist die vorgeschlagene Lösung.
       Denn das Problem sehen sie nicht darin, dass Deutschland zu lange auf
       fossile Brennstoffe und Individualverkehr gesetzt hat. Sondern: Schuld sei
       der Klimaschutz.
       
       In einem „Sozialappell“ fordern SPD, Sozialverband und
       Wohnungsunternehmerverband – dem das SPD-Mitglied Andreas Breitner vorsitzt
       – einen „gerechten Klimaschutz“, sprich: weniger und vor allem einen
       späteren Klimaschutz. Die aktuelle Regierung sei „zu ehrgeizig“, heißt es
       in dem Appell. Denn CDU und Grüne in Schleswig-Holstein halten daran fest,
       [3][das Land bis 2040 klimaneutral umzugestalten] – ein Ziel, [4][das die
       SPD teilt].
       
       Woher stammt die Idee, Klimaschutz sei ungerecht? Sie ist, aus
       verschiedenen Gründen, falsch. Erstens wirtschaftlich, denn am Ende lohnen
       sich gedämmte Häuser und moderne Heizungen mehr als
       Weiter-so-Fossilbrennstoffe, deren höhere Kosten Vermieter:innen auf
       alle umlegen.
       
       Schleswig-Holstein hat frühzeitig auf den Ausbau von Windrädern gesetzt,
       aktuell entstehen überall Solarparks. Seit Jahren produziert das Land mehr
       Strom aus nachhaltigen Quellen, als es selbst verbraucht. Vom Verkauf der
       Energie profitieren nicht nur einige wenige Großunternehmen, sondern dank
       der „Bürgerwindparks“ viele Einzelpersonen und ganze Dorfgemeinschaften.
       Eine Abkehr von der Energiewende würde bedeuten, allen diesen Menschen eine
       wirtschaftliche Grundlage zu entziehen.
       
       ## Arme zahlen mit Gesundheit und Lebensjahren
       
       Zweitens betrifft es den Alltag im Flächenland, wo dramatische Wetterlagen
       wie Starkregen, Stürme oder Dürren vor allem diejenigen treffen, die im
       Freien arbeiten, zum Beispiel Landwirt:innen. Und natürlich alle, die
       täglich zur Schule oder zur Arbeit pendeln. Das sind eher Pfleger:innen
       und Handwerker:innen als Menschen in Bürojobs, die im Homeoffice
       arbeiten, wenn draußen die Welt untergeht.
       
       Drittens und am wichtigsten: Arme zahlen die gesparten Cent-Beträge mit
       ihrer Gesundheit und Lebensjahren. [5][Denn die Hitze staut sich eben dort,
       wo viele Menschen auf engem Raum leben], und das führt messbar zu
       schlechterem Schlaf, Stress und Krankheiten.
       
       Das heißt: Je schneller die Menschheit etwas tut, um den Klimawandel
       zumindest zu beschränken, desto mehr profitieren die Schwächsten der
       Gesellschaft. Diese Botschaft müsste die Politik eigentlich verbreiten,
       klare gesetzliche Rahmen schaffen und ja, auch Geld investieren, damit die
       Energie- und Verkehrswende für alle funktioniert. Ideen gibt es, Stichwort
       Deutschlandticket statt Dienstwagenprivileg.
       
       ## SPD springt auf populistischen Zug auf
       
       [6][Dass die Wohnungswirtschaft keinen Bock auf Wärmepumpen und Dämmung
       hat] – geschenkt. Aber dass ausgerechnet die SPD auf den populistischen
       Altöl-Zug aufspringt, lässt wenig Gutes erwarten.
       
       Ulf Kämpfer, der zurzeit noch Kieler Oberbürgermeister ist und sich in der
       Stadt durchaus für Energie-, Verkehrswende und Klimamaßnahmen eingesetzt
       hat, tritt als SPD-Spitzenkandidat für die Landeswahlen im kommenden Jahr
       an.
       
       Wenn er dann weiter gegen die ideologische Windmühle des „ungerechten
       Klimaschutzes“ kämpft, dürfte er im Windkraftland Schleswig-Holstein
       wahrscheinlich in eine Flaute geraten.
       
       11 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [2] /-Nachrichten-zum-Irankrieg-/!6161651
 (DIR) [3] /Energiewende-in-Schleswig-Holstein/!6150843
 (DIR) [4] https://www.spd-schleswig-holstein.de/sozial-digital-klimaneutral
 (DIR) [5] /Klimakrise-in-der-Stadt/!6108432
 (DIR) [6] /Klimaneutralitaet-bis-2040/!6121950
       
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 (DIR) Esther Geißlinger
       
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