# taz.de -- Ungarn vor der Wahl: Orbáns Wahlkampf der Angst
       
       > Wenige Wochen vor der Wahl setzt Orbán auf Kriegsangst, KI-Propaganda und
       > Schmutzkübelkampagnen. Dennoch erlebt seine Partei ein Umfragetief.
       
 (IMG) Bild: Mischt sich unter das Volk: Péter Magyars, der Präsidentschaftskandidat der ungarischen Oppositionspartei
       
       Sechs Wochen vor der ungarischen Parlamentswahl am 12. April wächst die
       Nervosität in den Reihen um Ministerpräsident Viktor Orbán. Seit Monaten
       ist seine Fidesz im Umfragerückstand gegenüber Péter Magyars konservativer
       Tisza-Partei. Dieser ist nun größer denn je, wie neue Zahlen des
       renommierten Medián-Instituts und der Zeitung HVG zeigt.
       
       Die repräsentative Befragung sieht Tisza unter denjenigen, die definitiv
       zur Wahl gehen wollen, bei 55 Prozent, Orbáns Fidesz bei nur 35 Prozent.
       Unter allen Befragten, also inklusive Unentschlossenen, liegt Tisza immer
       noch deutlich voran mit 42 Prozent gegenüber 31 Prozent bei der Fidesz.
       Weit abgeschlagen liegen die anderen Parteien. Einzig der rechtsextremen Mi
       Hazánk könnte laut Umfrage der Wiedereinzug ins Parlament gelingen.
       
       Angesichts sinkender Beliebtheit greift Orbán zu immer schärferen Mitteln.
       Seit Tagen behauptet er, die Ukraine würde Ungarn gezielt und erpresserisch
       unter Druck setzen. Hintergrund sind ausbleibende Öllieferungen über die
       Druschba-Pipeline, die laut ukrainischen Angaben durch russische Angriffe
       beschädigt worden ist. [1][Wie sein Amtskollege Robert Fico in der
       Slowakei] behauptet auch Orbán, dass Kyjiw absichtlich die Lieferungen
       verzögere. Beide Länder sind stark von russischem Öl abhängig.
       
       Am Donnerstag appellierte Orbán in einem offenen Brief an den ukrainischen
       Präsidenten Wolodymyr Selenskyj gerichtet neuerlich, die Lieferungen wieder
       aufzunehmen. Und er ging sogar noch weiter: [2][In einer Videobotschaft]
       spricht er von Geheimdienst-Informationen, laut denen die Ukraine „weitere
       Aktionen“ gegen ungarische Energieeinrichtungen plane. In der nordöstlichen
       Grenzregion Szabolcs-Szatmár-Bereg seien deshalb Soldaten in der Nähe
       „ausgewählter Energieanlagen“ stationiert worden. Kraftwerke,
       Umspannstationen und Steuerzentralen würden zudem verstärkt polizeilich
       bewacht.
       
       ## „Psychologische Terrorisierung“
       
       Belege für die Anschuldigungen legte die ungarische Regierung nicht vor.
       Der Sicherheitsexperte András Rácz warf der Regierung in einem
       Facebook-Beitrag vor, die Unwahrheit zu sagen: Eine reale Gefahr eines
       ukrainischen Angriffs bestehe nicht. Das zeige allein schon die Tatsache,
       dass Ungarn Artikel 4 des Nato-Vertrags zu Konsultationen mit Verbündeten
       nicht aktiviert habe. Genau das wäre aber das übliche Vorgehen bei äußeren
       Bedrohungen.
       
       Orbán solle „die psychologische Terrorisierung des ungarischen Volkes“
       beenden, reagierte sein Herausforderer Magyar bei einem Wahlkampftermin im
       nordungarischen Salgótarján. Hetze, Panikmache und Kriegspsychose hätten
       schon genug angerichtet, zitiert ihn [3][das Nachrichtenportal 444.hu].
       „Versucht es nicht mit blau-gelb bemalten Drohnenflügen. Jeder wird wissen,
       worum es geht“, spielte Magyar auf mögliche inszenierte Provokationen durch
       das Regierungslager an.
       
       Auch sonst hat der Wahlkampf einen neuen Tiefpunkt erreicht. Fidesz postete
       auf Social Media ein KI-generiertes Video, das ein apokalyptisches Szenario
       zeigt: Ein Mädchen wartet auf seinen Vater, der schließlich im Schlamm
       kniend von Soldaten erschossen wird. Der Begleittext lautet: „Das ist
       vorerst nur ein Albtraum, aber Brüssel bereitet sich darauf vor, ihn
       Wirklichkeit werden zu lassen.“ Nachsatz: „Lasst uns kein Risiko eingehen.
       Fidesz ist die sichere Wahl.“ Magyar nannte das Video „erschreckend und
       unverzeihlich“ und forderte dessen Entfernung. Schon zuvor bezeichnete
       Orbán die EU als „Kriegstreiber“ und sagte: „Die wahre Bedrohung für Ungarn
       ist nicht Russland, sondern die Europäische Union.“
       
       Auch abseits der Kriegsrhetorik greift Fidesz tief in die Trickkiste.
       Besonderes Aufsehen erregte ein Video, das Magyar in einer sexuell
       kompromittierenden Situation zeigen soll. Das Video, dessen Herkunft und
       Authentizität ungeklärt blieb, wurde von regierungsnahen Medien weit
       verbreitet. Magyar selbst wertete die Veröffentlichung als koordinierte
       Schmutzkampagne des Regierungslagers. Bemerkenswerterweise scheint das
       Video Fidesz nicht geholfen zu haben: Die Umfragewerte der Tisza-Partei
       verbesserten sich danach sogar.
       
       27 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Solidaritaetsmarsch-in-der-Slowakei/!6157865
 (DIR) [2] https://x.com/PM_ViktorOrban/status/2026662954679074851
 (DIR) [3] https://444.hu/2026/02/25/magyar-azt-uzente-orbannak-hogy-ne-probalkozzanak-onmerenyletekkel-kek-sargara-festett-dronberepulesekkel-mert-mindenki-tudni-fogja-hogy-mirol-van-szo
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Florian Bayer
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Ungarn
 (DIR) Viktor Orbán
 (DIR) Fidesz-Partei
 (DIR) Parlamentswahlen
 (DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
 (DIR) EU-Außenminister
 (DIR) NGOs
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Europa und die Ukraine: Orbán rauszuschmeißen, ist der falsche Weg
       
       Wegen Ungarns Blockade der Ukraine-Hilfen fordern manche EU-Abgeordnete nun
       Konsequenzen. Doch ein Rauswurf des Landes aus der EU wäre kurzsichtig.
       
 (DIR) Streit über Russland-Sanktionen: Die EU-Spitze trägt eine Mitschuld
       
       Die Verantwortung für die Uneinigkeit der EU liegt nicht alleine bei Viktor
       Orbán. Die europäische Führung hat den Sinn fürs Machbare verloren.
       
 (DIR) Leidende Zivilgesellschaft in Ungarn: Die NGOs bluten aus
       
       Die ungarische Zivilgesellschaft wird von Viktor Orbáns Partei Fidesz auf
       vielfältige Weise gegängelt. Das bekommen auch Umweltschutz-NGOs zu spüren.