# taz.de -- Streit über Russland-Sanktionen: Die EU-Spitze trägt eine Mitschuld
> Die Verantwortung für die Uneinigkeit der EU liegt nicht alleine bei
> Viktor Orbán. Die europäische Führung hat den Sinn fürs Machbare
> verloren.
(IMG) Bild: Viktor Orban, Ministerpräsident von Ungarn, steht mit seinem Widerstand gegen die geplanten EU-Beschlüsse nicht allein
[1][Zum vierten Jahrestag der Invasion in der Ukraine] will die EU den
Druck auf Russland erhöhen – mit dem 20. Sanktionspaket und einem
Milliardenkredit für Kyjiw. Doch daraus wird vorerst nichts. Ungarn hat
beim Treffen der Außenminister am Montag in Brüssel [2][ein Veto gegen
alles eingelegt] und die EU-Pläne durchkreuzt.
Nun steigt der Druck im Kessel der europäischen Politik. Von Erpressung und
Verrat ist die Rede. „Es wird ein großer Kampf werden, alle werden nach
unserem Blut verlangen“, sagte der ungarische Außenminister Péter
Szijjártó. Wegen des Stopps der russischen Öllieferungen über die
Druschba-Pipeline bleibe ihm nichts anderes übrig. Das ist nachweislich
falsch. Ungarn verfügt über genug Ölreserven, um sicher über den Winter zu
kommen. Dass der Streit mit der Ukraine über die Druschba-Pipeline
ausgerechnet jetzt eskaliert, hat mehr mit dem Wahlkampf des ungarischen
Regierungschefs Viktor Orbán zu tun als mit dem Lieferstopp für russisches
Öl.
Allerdings steht Ungarn mit seinem Widerstand gegen die geplanten
EU-Beschlüsse nicht allein. Gegen den neuen 90 Milliarden Euro schweren
Hilfskredit für die Ukraine haben sich auch die Slowakei und Tschechien
ausgesprochen. Und gegen das neue Sanktionspaket haben sogar Griechenland
und Malta große Vorbehalte. Selbst die G7, die Gruppe der (ehemals) größten
Industrieländer, zieht nicht mit. Den USA und Kanada geht das geplante
totale Dienstleistungsverbot für russische Öltanker zu weit. Es bedeutet
das Aus für den alten Ölpreisdeckel der G7 und den Einstieg in eine
riskante Blockade der russischen Schattenflotte.
Man mag das bedauern und beklagen, dass der Streit ausgerechnet [3][kurz
vor dem 24. Februar] aus dem Ruder läuft. Es greift jedoch zu kurz, die
Schuld dafür allein bei Orbán zu suchen. Mitschuld trägt auch die
EU-Spitze, die offenbar den Sinn fürs Machbare verloren hat. Sie setzt auf
noch mehr Sanktionen, noch mehr Geld und noch mehr Waffen für die Ukraine –
doch einen eigenen Plan für die Beendigung des Krieges hat sie immer noch
nicht. Auch deshalb steigt der Druck im Kessel.
23 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Schwerpunkt-Krieg-in-der-Ukraine/!t5008150
(DIR) [2] https://www.google.com/url?sa=t&source=web&rct=j&opi=89978449&url=https://www.mdr.de/nachrichten/welt/osteuropa/politik/ukraine-krieg-russland-ungarn-slowakei-orban-eu-sanktionen-veto-100.html
(DIR) [3] /Wochentaz-Podcast/!6156456
## AUTOREN
(DIR) Eric Bonse
## TAGS
(DIR) EU-Außenminister
(DIR) EU Außenpolitik
(DIR) EU-Sanktionen
(DIR) Russland
(DIR) Ukraine
(DIR) Europa
(DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
(DIR) GNS
(DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
(DIR) fossile Energien
(DIR) Ölpipeline
(DIR) Europäische Union
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) 4 Jahre Krieg in der Ukraine: Warmer Händedruck für Selenskyj
Am Jahrestag des russischen Angriffs auf die Ukraine treffen
EU-Vertreterinnen mit leeren Händen zum Soli-Besuch in Kyjiw ein. Schuld
ist Ungarn.
(DIR) Ganz Europa kauft russische Energie: Moskaus fleißige Zahlmeister
Nicht nur die Slowakei und Ungarn kaufen Energie aus Russland. Auch andere
europäische Staaten, darunter Deutschland, füllen Putins Kriegskasse.
(DIR) EU-Sanktionen gegen Russland: Ungarn mauert
Orbáns Regierung belegt das 20. Sanktionspaket mit einem Veto. Als Grund
wird der Stopp russischer Öllieferungen über die Druschba-Pipeline genannt.
(DIR) US-Zollpolitik und Europa: Europa unter Zugzwang
Der Supreme Court erklärt eigenmächtige Zölle des US-Präsidenten für
unzulässig. Für die EU beginnt damit eine Phase neuer Planungsunsicherheit.
(DIR) Friedrich Merz, die Ukraine und der ÖRR: Vagheit und Verhintertürung von Aussagen
Warum Alice Schwarzer Ehrenvorsitzende der FDP sein könnte, wo die deutsche
Kompetenz „Hilflos zugucken“ läuft und wofür der Kanzler keine Worte fand.